NSA, GCHQ, Prism, Tempora

Internationalen Überwachungsprogramme

Wer hat meine Daten? Diese Frage ist aufgrund der umfangreichen Überwachungsprogramme von elektronisch gespeicherter Daten der Geheimdienste gar nicht so einfach zu beantworten.

Die zahlreichen Abhör- und Überwachungsprogramme verschiedener Geheimdienste erstrecken sich über den gesamten Globus.

Wer das wissen will, muss Edward Snowden, einem erst 30-jährigen, technischen Mitarbeiter der Geheimdienste CIA und NSA dankbar sein. Couragiert enthüllte er Anfang Juni 2013, wie die USA und Großbritannien die Telekommunikation, insbesondere das Internet, global und verdachtsunabhängig überwachen. Gewonnene Daten werden auf Vorrat gespeichert. Ein kleiner Überblick über die Spitze des Eisberges, auf den die Demokratie gerade zusteuert.

  • NSA
    Die National Security Agency, ein Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten, ist als Teil der Intelligence Community (sämtliche Nachrichtendienste der USA) zuständig für die weltweite Überwachung, Entschlüsselung und Auswertung elektronischer Kommunikation.
  • GCHQ
    Government Communications Headquarters ist die britische Regierungsbehörde, die sich mit Kryptographie, Verfahren zur Datenübertragung und Fernmeldeaufklärung beschäftigt.
  • Prism
    Beim Prism-Programm geht es um die Überwachung Verdächtiger in Echtzeit durch die Abschöpfung der Daten von den Servern von neun US-Internetunternehmen: Microsoft und Skype, Google und Youtube sowie Yahoo, Facebook, Apple, AOL und Paltalk. Die Unternehmen bestreiten, freiwillig Daten herauszugeben; nur auf richterlichen Beschluss würden sie diese zur Verfügung stellen.
  • Boundless Informant
    Das Programm Boundless Informant analysiert und visualisiert mithilfe von Data Mining die Datenmengen, die von der NSA erfasst werden.
  • Tempora
    Tempora ist das Programm des britischen GCHQ zur Abschöpfung von Online- und Telefonkommunikation. Glasfaserkabel, die über britisches Territorium laufen, werden angezapft.
  • Bullrun
    Bullrun ist ein Programm der NSA, das hilft, selbst verschlüsselte Daten im Internet mitzulesen. Die britische Variante nennt sich Edgehill. Die Verschlüsselung wird in vielfältiger Weise angegriffen: Über die Zertifizierungsstellen oder absichtlich mit Schwachstellen ausgelieferte Zufallszahlengeneratoren. Dennoch: Gute und starke Verschlüsselung zwischen nicht korrumpierten Endgeräten scheint noch sicher.
  • XKeyscore
    XKeyscore (abgekürzt „XKS“) ist die Spionagesoftware der NSA. Sie kann mithilfe von Meta- und anderen Daten eine bestimmte Person durchleuchten: Stichwortlisten von Suchmaschineneingaben, Chats oder E-Mails. Temporär ist sogar eine ungefilterte Sammlung aller anfallender Daten dieser Person in Echtzeit erstellbar. Zielpersonen werden durch Namen, Browser-Merkmale, Telefonnummern, IP-Adresse oder Nicknames, auch durch Kontaktlisten im Instant Messaging definiert. In Deutschland „testet“ das Bundesamt für Verfassungsschutz die Software.
  • Fairview
    Fairview greift als NSA-Projekt auf Datenmengen außerhalb des Hoheitsgebietes der Vereinigten Staaten zu. Laut dem Guardian arbeitet die NSA dazu mit US-Telekommunikationsunternehmen zusammen, die wiederum mit ausländischen Unternehmen kooperieren.
  •  „Follow the Money“
    Dahinter verbirgt sich der NSA-Bereich, der Finanzdaten ausspäht. Die dazu erstellte Finanzdatenbank „Tracfin“ soll 2011 etwa 180 Millionen Datensätze beinhaltet haben, meist Kreditkartendaten, insbesondere von Visa-Kunden, auch in Europa.
  • Offline
    Mail Isolation Control and Tracking, MICT, ist ein Programm des United States Postal Service (USPS): Alle Briefumschläge, die USPS verarbeitet, werden fotografiert. Auch die Deutsche Post arbeitet mit amerikanischen Behörden zusammen. Es finde derzeit eine Übermittlung von Daten im Zusammenhang mit Sendungen in die USA im Rahmen längerfristig angelegter Pilotprojekte statt, teilte das Unternehmen auf Anfrage der „Welt am Sonntag“ mit. Dabei gehe es um eine Übermittlung der Daten von Unternehmenskunden zu Testzwecken mit dem Ziel einer Vereinfachung der Zollabfertigung.

Bildquelle: Thinkstock/ iStockphoto

Quellen: Guardian, Wikipedia, Zeit, Spiegel, WaS

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