Rasierklingen per Funk ordern

Internet der Dinge im Badezimmer

Ein Ablage-Prototyp für Rasierer ordert bei Bedarf neue Rasierklingen – die browserlose Onlinebestellung öffnet Händlern neue Vertriebswege.

  • Im Zusammenspiel zwischen „Order"-Button und verbauter M2M-SIM-Karten lässt sich eine Bestellung aufgeben.

Verbrauchsmittel gelten gemeinhin als die Achillesferse des Onlinehandels. Bücher, Schuhe, Kleidung und Unterhaltungsmedien finden im Netz den größten Absatz. Lebensmittel hingegen kaufen Konsumenten nach wie vor im Supermarkt; Duschgel und Putzmittel in der Drogerie. Hersteller und Händler versuchen zurzeit mit verschiedenen Ansätzen, die kaum nachgefragten Produktkategorien zu erschließen. So hat beispielsweise Amazon die Kategorie „Spar Abo“ eingerichtet. Hierbei bekommen die Kunden mit nur einer Bestellung Verbrauchs- und Haushaltsartikel wie Müsli, Make-Up oder Spülmittel in festgelegten Intervallen geliefert. Einen Schritt weiter geht die Gillette-Box mit der Auralink-Technologie, mit der Verbraucher passende Rasierklingen nachbestellen können. Dabei wurde die Lösung gemeinsam von Procter & Gamble und dem Start-up Perfect Shops sowie in Kooperation mit der Telekom entwickelt.

Neben der Halterung für den Nassrasierer ist in der Box ein „Order“-Button eingelassen. Im Gehäuse ist ein Funkmodul mitsamt Machine-to-Machine-SIM-Karte (M2M) untergebracht, das bei Knopfdruck die Bestellung über das Mobilfunknetz der Telekom an einen Server von Perfect Shops sendet. Das Gerät muss zuvor einmalig mit den Liefer- und Zahlungsdaten registriert worden sein. Um versehentliche Bestellungen zu vermeiden, erhält der Kunde außerdem eine Bestätigungsmail für jede Order. Ein Klick auf den Link darin genügt und die Klingen werden geliefert. Bislang ist die Gillette-Box noch ein Prototyp. Die Idee dahinter – die Nachbestellung von Rasierklingen ohne den Besuch eines Onlineshops – könnte sich im Massenmarkt durchsetzen. Denn laut der Bitkom-Studie „Trends im E-Commerce“ ist die zu komplizierte Bestellung schließlich der vierthäufigste Grund für den Verzicht auf Onlineshopping.

Direkter Draht zum Verbraucher

Der Trend, unter dem Sitchwort „Internet der Dinge“ alle nur denkbaren Objekte und Orte in unserer Umgebung zu vernetzen, kann auch für den E-Commerce völlig neue Möglichkeiten bieten. Verbraucher müssen nicht mehr über Endgeräte ins Internet gehen, wenn die Dinge um sie herum schon online sind. Anstatt durch Webseiten und Onlineshops zu scrollen, auf Produktabbildungen zu klicken, und Formulare auszufüllen, berühren sie künftig einfach die Produkte, die sie benötigen – direkt in der Umgebung, in der diese Produkte zum Einsatz kommen. Der Handwerker könnte mit seinem Hammer Nägel nachbestellen und der Koch könnte in der Vorratskammer neue Kartoffeln ordern.

Für Branchenkenner ist es keine Überraschung, dass gerade Procter & Gamble die Möglichkeiten der Vernetzung für sein Portfolio auslotet. Selbst der Begriff „Internet der Dinge“ stammt von einem ehemaligen Mitarbeiter des US-amerikanischen Konsumgüter-Konzerns. Ausgehend von seinem Interesse, RFID in der Lieferkette des Unternehmens einzusetzen, wurde Kevin Ashton 1999 einer der Mitgründer des Auto-ID-Centers am Massachusetts Institute of Technology. Damals reichte die typische Lieferkette von der Produktionsstätte bis zu den Geschäften des Einzelhandels. Heute erstreckt sie sich direkt bis in die eigenen vier Wände der Verbraucher.

Von der Bestellung bis zur Lieferung

Beginnt für den E-Commerce also eine neue Ära jenseits klassischer Onlineshops? Die Basis dafür gewinnt jedenfalls kontinuierlich an Land. Dazu gehören das entstehende Internet der Dinge und die zugrundeliegende M2M-Kommunikation, der Datenaustausch zwischen vernetzten Geräten untereinander oder mit einer Leitstelle. „Viele Hersteller – gerade im Bereich Konsumgüterelektronik – vernetzen zurzeit ihre Produkte und erproben neue Geschäftsansätze“, berichtet Conrad Riedesel, Vice President Commercial Management M2M bei der Telekom. „Mithilfe von M2M-Lösungen erkennen vernetzte Autowaschanlagen zum Beispiel automatisch, wann das Waschmittel zur Neige geht und nachbestellt werden sollte.“

Neben dem Bestellvorgang können auch die Lieferprozesse von der zunehmenden Vernetzung profitieren. So operieren Speditionen schon seit Jahren mit vernetzten Auslieferscannern, die die Unterschriften der Empfänger via Mobilfunk ins Abrechnungssystem übertragen oder spezielle Apps für die Schadensdokumentation enthalten. Für die Kunden von Onlineshops sind Lösungen zur komfortablen Annahme und Retour von Paketen in der Entwicklung. In Kooperation mit DHL, Zalando und Feldsechs hat der Bonner TK-Anbieter zum Beispiel ein Pilotprojekt für den Paketbutler initiiert – eine mobile Lösung zur Paketannahme.


Über Gillette
Seit 2005 gehört Gillette zu Procter & Gamble, einem US-amerikanischen
in 70 Ländern vertretenen Konsumgüterkonzern mit Hauptsitz in Cincinnati, Ohio. Das Unternehmen wurde 1901 von King C. Gillette gegründet. Zuerst beschränkte sich der Betrieb auf die Herstellung von Rasierhobeln und Rasierklingen. Im Laufe der Zeit produziert die Gesellschaft auch elektrische Rasierer (Braun), Zahnpflegeprodukte (Oral-B) und Batterien (Duracell).

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