IoT vor dem Durchbruch?

Internet der Dinge im Branchentest

Die Technologien rund um das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) werden zunehmend reifer. Damit steigt auch Zahl von Einsatzszenarien in den unterschiedlichsten Branchen – z.B. in der Landwirtschaft. Überdies gibt es Branchen, für die das Internet der Dinge enorme Vorteile mit sich bringen würde, wo es allerdings noch nicht wirklich zum Tragen kommt.

Internet der Dinge in der Landwirtschaft

Der Einsatz des Internets der Dinge (IoT) in der Landwirtschaft ermöglicht es, Erträge zu optimieren und den Einsatz von Ressourcen – Dünger, Wasser oder Arbeitszeit – zu verringern.

Vor diesem Hintergrund stellen sich folgende Fragen: Welche Branchen sind bereits reif für das Internet der Dinge und inwieweit können sie davon schon profitieren? Welche nicht, und warum? Wo liegen Chancen, Herausforderungen und Hindernisse im Umgang mit dem Internet of Things (IoT)? Drei Branchen, die reif für eine Transformation durch das Internet der Dinge sind:

1. Handel
Hier greift das Beispiel der vernetzten Kaffeemaschine, die zeigt, wie das Internet der Dinge die Möglichkeiten im Handel verändern kann. Auch wenn es erst einmal nach Gimmick klingt – die vernetzte Kaffeemaschine bringt Vorteile, insbesondere für Unternehmen. Sie zeichnet den Kaffeeverbrauch auf und gibt rechtzeitig Bescheid, wenn Kaffeebohnen aufgefüllt oder bestellt werden müssen. Sie erkennt anhand ihrer Auslastung, wann eine Wartung fällig ist. Sie zeichnet Temperatur, Vibration und Druck auf und sorgt so dafür, dass die Einstellungen der Kaffeemaschine stimmen und der Kaffee gleich hohen Qualitätsansprüchen genügt. Indem sie die aufgezeichneten Daten auswertet, erkennt sie Probleme und Fehler, bevor sie entstehen, und Reparaturen oder sonstige Maßnahmen können rechtzeitig eingeleitet werden. Alle diese Maßnahmen dienen letztlich einem Ziel: Der ständigen Verfügbarkeit von wohlschmeckendem Kaffee – bei geringem Aufwand.
 
Ein anderes Beispiel für IoT-Anwendungen im Handel sind Warenautomaten. Die Automaten zeichnen die Menge der verkauften Produkte wie Getränke oder Snacks auf und geben rechtzeitig Bescheid, wann sie neu befüllt werden müssen. Und sie erkennen, wenn es Probleme gibt bzw. Reparaturen notwendig sind und sorgen rechtzeitig für Abhilfe.
 
Beide Anwendungsbeispiele sind auf viele andere Vorgänge im Handel übertragbar. Man denke nur an Pfandrückgabeautomaten, Self-Service-Kassensysteme, Warenausgaben etc.
 
2. Landwirtschaft
Hier gibt es mittlerweile eine Vielzahl von IoT-Anwendungen, um Erträge zu optimieren und den Einsatz von Ressourcen – Dünger, Wasser, Schädlingsbekämpfungsmittel, Energie und Arbeitszeit – zu verringern. Da sind beispielsweise Sensoren zu erwähnen, die das Auftreten von Schadinsekten aufzeichnen um eine viel gezieltere Bekämpfung zu ermöglichen. Andere Sensoren überwachen ständig Temperatur und Bodenfeuchtigkeit, damit nur dann in einem Gewächshaus geheizt oder ein Feld bewässert wird, wenn es für eine bestimmte Pflanze wirklich notwendig ist. Die entsprechenden Heizungs- oder Bewässerungsanlagen werden automatisch von den Sensoren gesteuert und betrieben – das erleichtert den Landwirten ihren Arbeitsalltag erheblich.
 
Aber auch in der Tierhaltung können Landwirte das Internet der Dinge nutzen. Beispielsweise gibt es mittlerweile Sensoren, die erkennen, wann Kühe am besten fruchtbar sind. So können sie rechtzeitig besamt werden und die Wahrscheinlichkeit, dass sie trächtig werden, erhöht sich. Damit ist gesichert, dass jede Kuh so gut wie möglich im Kreislauf der Milchproduktion bleibt. Und dem Landwirt ist geholfen, denn bei immer größer werdenden Betrieben mit immer mehr Kühen ist es nicht mehr möglich, diese Vorgänge ohne Hilfsmittel zu erkennen und effizient durchzuführen. Aber auch weitere Prozesse können in der Landwirtschaft mit IoT verbessert werden wie beispielsweise die Ortung von einzelnen Tieren in großen Herden, automatisierte individuelle Fütterung etc.
 
3. Transport und Logistik
Laut Gartner wird 2020 jedes fünfte Fahrzeug auf der Straße eine drahtlose Netzwerkverbindung haben. Dadurch werden die Fahrzeuge halbautonom und die Vernetzung wird sich auf Themen wie Flottenmanagement auswirken. Über IoT-Anwendungen ist es möglich, den Fahrstil zu analysieren, diesen mit dem Spritverbrauch abzugleichen, und darauf aufbauend den Spritverbrauch und die Kosten zu reduzieren. Darüber hinaus ermöglichen vernetzte Fahrzeuge eine bessere Erfassung des aktuellen Verkehrsflusses sowie freier Parkplätze. Staus und Wartezeiten sind so besser vorherseh- bzw. vermeidbar. Die Parkplatzsuche wird einfacher und sicherer. Außerdem lassen sich Probleme oder fehlerhafte Fahrzeugteile mittels IoT-Anwendungen frühzeitig erkennen und Reparaturen- bzw. Wartungen sind besser möglich. Ersatzteile können frühzeitig beschafft werden, sodass Ausfälle des Fahrzeuges vermeidbar sind. Insgesamt steigt durch die bessere Wartung die Verfügbarkeit der Fahrzeuge und Pannen bzw. sogar Unfälle lassen sich besser vermeiden.

IoT im Gesundheitswesen

 
Einer der Bereiche, in denen das Internet der Dinge Probleme und Herausforderungen lösen könnte, aber noch mit vielen Hindernissen zu kämpfen hat, ist das Gesundheitswesen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind auch hier vielfältig: Da sind beispielsweise Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Wenn das Herz nicht mehr richtig pumpt, wird der Patient erst im Krankenhaus stabilisiert und dann mit ein paar Überwachungsgeräten, die Daten in Echtzeit an den Arzt schicken, wieder entlassen. Die überwachten Patienten müssen seltener wieder ins Krankenhaus als die ohne Fernbetreuung. Diese Form der Fernbetreuung ist vor allem für Patienten auf dem Land interessant – insbesondere, da hier der Fachärztemangel die Betreuung durch Spezialisten besonders schwierig macht. Die Vorteile: Langwierige Krankenhausaufenthalte lassen sich vermeiden – das spart Kosten in den Kliniken und die Patienten können zuhause in ihrer gewohnten Umgebung bleiben ohne ein hohes Risiko einzugehen.
 
Ein anderes Beispiel ist Adipositas, Übergewicht. Ein Fitnesstracker zählt jeden Schritt, den ein Patient macht, und zeichnet auf, was er isst und trinkt. Diese Werte gehen an den Arzt. Der wertet sie aus und schreibt einen Arztbrief an den Patienten mit Empfehlungen etc. Allerdings erlaubt das Fernbehandlungsverbot ärztliche Konsultationen aus der Ferne erst dann, wenn sich Arzt und Patient mindestens einmal persönlich gesehen haben. Aber das ist nur eine kleine Hürde, die es zu nehmen gilt. Viel schwieriger ist: nur wenige Krankenkassen zahlen solche Behandlungen, und manche der wenigen nur teilweise.

M2M-Technologien in der Medizin

Technisch möglich ist der Einsatz von M2M-Technologien in der Medizin also vielfach. Aber gemacht wird es bisher nur selten. Warum? Weil es diese Form der Medizin auf Rezept bisher nicht gibt. Denn als oberstes Ziel einer Behandlung gilt, dass diese Methode gut für den Patienten sein muss. Und dieser Nutzen muss durch Studien bewiesen werden, um die Grundlage für eine Behandlung und deren Finanzierung durch Krankenkassen zu schaffen. Doch Studien dauern und das Geld, das dafür zur Verfügung steht, ist hierzulande äußerst knapp.
 
Die Lage ist verworren, die Verantwortlichen – Politik und Verwaltung, Ärzte und Krankenkassen – machen sich gegenseitig dafür verantwortlich, dass die IoT-gestützte Medizin hierzulande nicht so recht an Fahrt aufnehmen will. Dabei wäre sie geeignet, zur Lösung einiger dringlicher Probleme im Gesundheitswesen beizutragen: Dem Ärztemangel, vor allem in ländlichen Gebieten, den langen Anreisen zu Fachärzten oder Spezialkliniken mit großen Strapazen für die Patienten, den hohen Kosten für stationäre Aufenthalte in Krankenhäusern, der Kostenexplosion im Gesundheitswesen etc. Es bleibt also spannend, in welchen Branchen sich das IoT durchsetzen wird und in welchen nicht.

Die vielfach diskutierte Sicherheit der IoT-Daten ist auf alle Fälle auch eine Hürde, die es in jeder Branche ernst zu nehmen gilt und wofür ständige Updates von Sicherheitslösungen ein absolutes Muss sind. Nicht zu vergessen sind außerdem die Punkte Interoperabilität und die Bandbreitenverfügbarkeit, um einen kontinuierlichen Datenaustausch in Echtzeit zu gewährleisten. Wenn IoT-Anwendungen tatsächlich so stark wachsen, wie Analysten vorhersagen, könnte die ausreichende Verfügbarkeit von Bandbreiten künftig eine echte Herausforderung werden.

* Der Autor Christoph Müller-Dott ist Managing Director Germany & Austria bei Orange Business Services

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok