Anwendungen mobilisieren

Investitionen in Enterprise Mobility

Unternehmen, die es heute versäumen, sich mit mobilen Technologien auseinanderzusetzen, werden es in Zukunft schwerer als andere haben, glaubt Richard Malley, 
Chief Operating Officer bei dem Mobile-Spezialisten M-Way Solutions in Stuttgart. Dass man dabei nicht unbedingt Millionen Euro investieren muss, sondern mit passgenauen Investitionen Enterprise Mobility auf den Weg bringen kann, erläutert er im Interview mit MOBILE BUSINESS.

  • Richard Malley, Chief Officer bei M-Way Solutions

  • Mit der Mobility-Plattform Mcap können Unternehmen eigene Anwendungen entwickeln.

  • „Dank mobiler Lösungen kann viel erreicht werden – vor allem, wenn das Unternehmen auf dem internationalen Markt operiert", so Malley.

Herr Malley, welche Trends erkennen Sie hinsichtlich der Verbreitung mobiler Lösungen in deutschen Unternehmen?
Richard Malley:
Im Vergleich zu anderen Ländern wie UK oder den USA befindet sich Enterprise Mobility hierzulande noch in einem frühen Stadium. Während man in diesen Staaten bereits häufig über konkrete Mobile-Projekte spricht, hinterfragen die deutschen Verantwortlichen noch, ob und für welche Zwecke sie mobile Lösungen tatsächlich benötigen.

Dabei können sich viele Bundesbürger ein Leben ohne Smartphone kaum noch vorstellen...
Malley:
Das stimmt, und die Folgen dessen gehen nicht spurlos an den Unternehmen vorbei. Zwar handelt es sich um Unternehmen, die seit den Anfängen der Informationstechnologie führende Technologien einsetzen. Doch im Zuge der Verbreitung mobiler Devices hat nun der Konsumentenmarkt die Unternehmens-IT in vielen Bereichen überholt. Heute besitzt fast jeder Zwanzigjährige ein Smartphone sowie ein Tablet und legt seine Daten in der Cloud ab. Er weiß, welche Apps er heruntergeladen hat und wie ihm diese im Alltag nützlich sein können. Demgegenüber haben deutsche IT-Verantwortliche häufig noch Vorbehalte gegenüber Cloud-Lösungen und der Nutzung von Apps. Für viele ist dies noch neues Terrain und durch die starke Fragmentierung des Marktes nicht für alle überschaubar.

Welche Folgen zieht diese Entwicklung nach sich?
Malley:
Enterprise Mobility wird gemeinhin als eine der größten IT-Umwälzungen seit der Entwicklung des Internets eingeschätzt. Während damals viele Verantwortliche erst zögerlich auf den Internetzug aufgesprungen sind, funktioniert heute kaum noch etwas ohne das World Wide Web. Eine ähnliche Entwicklung wird auch Mobility nehmen. Spätestens in fünf Jahren wird sich jedes Unternehmen, das am Markt bestehen möchte, in irgendeiner Form mobilisiert haben. Von daher sollten sich die Verantwortlichen bereits heute in Themen wie mobile Prozesse, Sicherheit und Mobile Application Management einarbeiten.

Eine Geschäftsanwendung als mobile App abzubilden, dürfte aufgrund der technischen Möglichkeiten doch kein großes Thema mehr sein?
Malley:
Es geht weniger darum, neue Technologien zu erfinden. Vielmehr müssen bestehende Technologien so eingesetzt werden, dass sie für das jeweilige Unternehmen den größten Nutzen generieren und somit Produktivitätsvorteile bringen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Malley:
Im Vordergrund steht eine grundsätzliche Betrachtung. Hier sprechen wir von Mobile Application Lifecycle Management. Es geht  darum, die Inhalte – und nicht nur die jeweiligen Geräte im Unternehmen – strategisch im Griff zu haben. Dies gilt beispielsweise dann, wenn der Vertrieb sein Customer-Relationship-Management-System (CRM) auch mobil nutzen möchte, wenn Freigabeprozesse mobil anstatt am Desktop-PC stattfinden sollen oder wenn für Personaler Prozesse teilweise auf Tablets abgebildet werden sollen.

Mit Ihren Produkten ist dies möglich?
Malley:
Mit unserer Mobility-Plattform Mcap bieten wir Unternehmen eine Mobile Enterprise Application Platform. Damit können Unternehmenskunden eigene Anwendungen entwickeln. Zudem ist es möglich, bestehende Systeme einfach über sogenannte Connectoren zu integrieren. Denn es gibt eine Vielzahl von produktiven Legacy-Anwendungen, die eine Verknüpfung mit der gewünschten mobilen Welt herstellen müssen.

Die Plattform soll IT- sowie Fachabteilungen dazu befähigen, ihre eigene Mobilstrategie umzusetzen. Waren in der Vergangenheit viele Softwaresysteme hinsichtlich ihrer Funktionalität extrem mächtig, ist bei Enterprise Mobility das Gegenteil der Fall. Die Lösungen sind viel modularer und leichtgewichtiger. Dank unserer Plattform muss heute kein Kunde mehr ein Mobility-Projekt für eine halbe Million Euro aufsetzen und nochmal genauso viel Geld für das entsprechende Beraterteam ausgeben. Mit unserer Lösung können die Kunden für fünfzig oder hunderttausend Euro einen strategischen Schritt im Enterprise Mobility machen und eine mobile Plattform modular aufbauen und bei Bedarf ausbauen.

Desweiteren bieten Sie eine Enterprise-Appstore-Lösung an. Was steckt dahinter?
Malley:
Immer mehr Unternehmen haben zwar im ersten Schritt über ein Mobile Device Management ihre Geräte im Griff. Kaum ein Unternehmen hat jedoch seine App-Verteilung und das App-Management unter Kontrolle. Wir bewegen uns aktuell von einer „gerätezentrischen“ Phase in eine „App- oder datenzentrische Phase“. Es geht darum, die Inhalte auf den Geräten, die ja die eigentliche Produktivität bringen, perfekt zu steuern und zu kontrollieren.

Mobile Apps, die meist von Dienstleistern „angeliefert“ werden, müssen innerhalb des Unternehmens einer gründlichen Qualitäts- und Funktionskontrolle unterzogen werden. Ferner müssen sie bewertet, getestet und anschließend anhand eines Rollen- und Rechte-Managementprozesses auch freigegeben werden. All dies ermöglicht unser Produkt Relution, das als Appstore-Lösung auch in Kombination mit unserem eigenen oder bestehenden Mobile-Device-Management-System eingesetzt werden kann.

Welche Industrie- und Unternehmensprozesse lassen sich einfach mobilisieren?
Malley:
Die Anzahl der Möglichkeiten sind vielfältig, richten sich aber nach dem mobilen Reifegrad der jeweiligen Industrie. Die Pharmaindustrie beispielsweise hat sehr früh erkannt, welche Möglichkeiten Mobilität bietet. So wurden bereits verhältnismäßig früh der Außendienst sowie interne Koordinationsaktivitäten wie Freigabeprozesse mobilisiert. Gegenteilig verlief die Entwicklung in der Finanzbranche, die noch zögerlich hinsichtlich der Mobilisierung des eigenen Außendienstes ist. Die Branchen Logistik, Food, Handel und Automotive hingegen haben die Nase vorn und probieren eine Menge aus. Die mobilisierten Bereiche erstrecken sich vom Außendienst und Vertrieb, über Administration und Finanzen hin zu Produktion und Prozessentwicklung.

Gibt es neben dem Handel einen weiteren wichtigen Branchenfokus für Sie?
Malley:
Im ersten Schritt keinen konkreten, da wir versuchen, in Zusammenarbeit mit den Kunden aus unterschiedlichen Industrien die besten mobilen Lösungen zu identifizieren. Aber wir haben festgestellt, dass der Maschinenbau sowie die Versicherungsbranche und einige andere Service-Unternehmen allmählich erkennen, was mit mobilen Lösungen erreicht werden kann – vor allem, wenn man auf dem internationalen Markt operiert.

Sie sind auch im Automobilbereich tätig. Wieso ist es nach wie vor schwierig, mobile Technologien in die Fahrzeuge zu integrieren?
Malley:
Das Problem liegt darin, dass Fahrzeuge bis dato für einen sehr langen Einsatz konzipiert und produziert worden sind. Alle Teile müssen auch in sieben oder zehn Jahren noch ihre Funktion ausführen können. Durch die Digitalisierung entsteht hier allerdings ein Ungleichgewicht. Denn digitale Technologien veralten binnen einiger weniger Monate bzw. Jahre. Daher ist die Herausforderung für die Autohersteller, Wege zu finden, die digitale Technik so zu verarbeiten, dass sie weiterhin aktualisiert werden kann, ohne dass das Fahrzeug komplett umgerüstet werden muss. Hierbei hilft die vorhandene Mobiltechnologie in Kombination mit dem Konzept von cloud-basierten Lösungen. Unser Ansatz ist es, Hardware und Software voneinander zu entkoppeln, um somit immer in der Lage zu sein, die Software aktuell zu halten.

Lassen Sie uns einen Blick auf die in Firmen genutzten mobilen Endgeräte werfen. Welche mobilen Betriebssysteme dominieren derzeit bei Ihren Kunden?
Malley:
Noch dominiert iOS sehr stark, vor allem bei den Tablets. Dabei handelt es sich einerseits um ein integriertes System mit intuitiver Nutzerführung. Andererseits ist das Betriebssystem jedoch komplett proprietär und Apple schreibt dominant vor, was möglich und erlaubt ist und was nicht. Und die Geräte sind recht teuer. Will ein Konzern seinen Außendienst umfänglich mit diesen Devices ausstatten, entstehen enorme Kosten.

Aus unserer Sicht wird daher die Bedeutung von Windows und Android in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Im Segment der Smartphones ist Android bereits Marktführer. Allerdings ist Android als offenes Betriebssystem konzipiert und nicht unbedingt einfach in der Handhabung. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es zahlreiche Betriebssystemversionen mit rund 40.000 unterschiedlichen Android-Varianten gibt.

Wie wird sich das Windows Phone entwickeln?
Malley:
Wir glauben sowohl im Office- als auch im Mobility-Umfeld an die Marktkraft von Microsoft. Nicht zuletzt, weil Microsoft mit Nokia einen großen Hersteller von Endgeräten übernommen hat und mit seinen Cloud-, Betriebssystem-, Server- und Office-Produkten bereits in vielen Unternehmen gut aufgestellt ist. Daher ist davon auszugehen, dass sich weiterhin viele Unternehmen mit den mobilen Lösungen des US-Anbieters beschäftigen werden.

Wie gehen die Kunden momentan bei der Auswahl ihrer Devices vor?
Malley:
Solche Entscheidungen werden derzeit stark von den Fachbereichen vorangetrieben. Dabei entscheiden die Fachbereichsleiter meist nach eigenem Gusto und nach konkretem Anwendungsfall. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, sofern es keine  Vorgaben gibt, wodurch sich die Gerätelandschaft in den Unternehmen fragmentieren wird. Dies und der Umstand, dass Mitarbeiter eigene Geräte für ihre Arbeit nutzen, erfordern den Einsatz entsprechender Mobile-Device-Management-Lösungen.

Worauf sollte man achten, wenn geschäftliche Geräte privat genutzt werden – und umgekehrt?
Malley:
Neben der richtigen Softwarelösung müssen Policies und Guidelines hinterlegt und gelebt werden. Betriebsrat und Rechtsabteilung sind gefordert.

Was müssen diese klären?
Malley:
Beide Instanzen müssen prüfen, ob die Daten überhaupt in einer Cloud-Umgebung vorgehalten werden dürfen. Ferner muss geregelt werden, ob über den unternehmenseigenen Appstore hinaus auch der Zugriff auf den Appstore von Apple und Google erlaubt ist. Noch heute schreiben viele Betriebsvereinbarungen vor, dass private Kommunikation am Arbeitsplatz generell nicht erlaubt ist. Ging es hierbei früher vorrangig um Telefonate und E-Mails, wird dies mit der Verbreitung von Apps und sozialen Medien noch komplexer.

 

Richard Malley
Alter: 42 Jahre
Ausbildung: Studium der Betriebswirtschaft in den USA
und Belgien
Werdegang: Business Angel und Berater für Start-ups im Bereich Mobile und Software as a Service (SaaS), Gründer und Managing Director der ECE-Flatmedia GmbH in Hamburg, Gründungsmitglied der Yoc AG, Berlin
Derzeitige Position: seit 2010 als Chief Operating Officer bei M-Way Solutions in Stuttgart tätig
Interessen: Musik, Film, Kunst, Laufsport, Schwimmen, Skilaufen

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