Chancen für das Internet der Dinge

IoT als Turbo für Social Innovation

Das Internet der Dinge wird der Turbo für Social Innovation, glaubt Dominik Claßen, Director of Sales Engineering bei Pentaho.

Dominik Claßen, Pentaho

Dominik Claßen, Director of Sales Engineering EMEA & APAC bei Pentaho

Herr Claßen, worin liegen Ihrer Ansicht nach die Chancen und Risiken des Internet of Things (IoT)?
Dominik Claßen:
Eine der großen Chancen des IoT liegt in der Verwirklichung von Social Innovation, also der Bewältigung der dringenden gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit: Effizientere Ressourcennutzung, verbesserter Umweltschutz, mehr Sicherheit, bessere Gesundheitsversorgung, intelligente Infrastruktur und Transportwesen. Im Detail geschieht dies durch die Nutzung von immer mehr digitalen Informationen. Analyse-Ansätze wie maschinelles Lernen sind dann am wirksamsten, wenn möglichst viele Daten ausgewertet werden, um neue Zusammenhänge zu entdecken (Beispiel: Googles Grippetrends).

Doch genau da liegt auch der schleichende Übergang zum Risiko des IoT: Wie weit kann man gehen, um Daten zu erfassen und wie stellt man sicher, dass persönliche Daten ausreichend geschützt sind? Längst benötigt man nicht mehr nur den Namen oder die ID, um eine Person zu identifizieren. Sondern heute ist dies z.B. durch eine Verhaltensanalyse genauso zu bewerkstelligen.

Wie lange wird es dauern, bis sich das Internet of Things hierzulande flächendeckend durchgesetzt hat? Was sind die Hemmnisse und was die Treiber für diese Entwicklung?
Claßen:
Datenschutz ist sicherlich ein Thema, das viele beim IoT zurückschrecken lässt. Bei vielen Unternehmen herrscht eine große Unsicherheit darüber, wie mit den Daten umgegangen werden darf und wann man gegen die Vorschriften verstößt. Kein Wunder also, dass die großen IoT-Treiber Automation und intelligente Steuerung aus der Produktion und nicht aus dem direkten Kundengeschäft kommen. Wir haben viel Interesse an dem Thema Predictive Maintenance gesehen. Dabei geht es darum, Produktionsausfälle zu vermeiden und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Bis sich die IoT-Nutzung flächendeckend durchgesetzt hat, werden sicher noch zehn Jahre vergehen. Aktuell sind wir noch am Anfang der Adoptionskurve.

IT-DIRECTOR: Wem gehören eigentlich die Daten im Internet of Things? Den Nutzern, den Geräteherstellern oder den Diensteanbietern? Warum ist das so?
Claßen:
Hier spielt die jeweilige gesetzliche Regelung eine große Rolle, bzw. die Form oder die Voraussetzungen unter denen die Daten gesammelt werden. Stellt zum Beispiel ein Nutzer seine Fitnessdaten einem Anbieter zur Verfügung, um sich mit anderen Nutzern vergleichen zu können, ist damit dem Anbieter ein klares Nutzungsrecht zur Auswertung erteilt. In anderen Fällen stehen solche Regeln gerne im Kleingedruckten oder werden einfach vorausgesetzt bzw. man arbeitet nur im Hintergrund damit. Die Grauzone ist hier nach wie vor sehr groß und es bedarf klarer Spielregeln.

Wie lassen sich IoT-Daten in die entsprechenden Softwaresysteme (Big Data-Analyseplattformen, CRM-Lösungen oder Produktionsplanungssysteme) verteilen und anschließend verarbeiten?
Claßen:
Für die Distribution und Verarbeitung der IoT-Daten gibt es zwei Ansätze: Entweder man bedient sich eines Open-Source-Projekts, das genau ein Problem löst (was bedeutet, dass man für ein Gesamtsystem ein Sammelsurium von Lösungen benötigt), oder man nutzt einen kommerziellen Anbieter, der viele oder gar alle Systeme mit einer integrierten Datenintegrationsplattform unterstützt. Datenintegration ist ein Schlüsselaspekt bei der Verarbeitung von IoT-Daten. Dabei ist es wichtig, dass die Lösung ein möglichst breites Spektrum an Datenquellen und -formaten unterstützt, da es für IoT keine Standards gibt. Eine Plattform, die eine solide Basis liefert, sich aber einfach und unkompliziert erweitern lässt, um neue Technologien zu unterstützen (besonders im Bereich Big Data) und dabei mit allen Legacy-Systemen reden kann, ist klar von Vorteil.

Bestimmte kommerzielle Systeme erlauben einen sehr effizienten Umgang mit dieser Thematik. Oft bedeutet IoT nicht nur viele Daten, sondern auch viele Datenquellen. Diese, mit möglichst wenig Aufwand effizient, flexibel und wartbar einzubinden, ist derzeit nur mit kommerziellen Lösungen möglich. Ansätze wie Metadateninjektion helfen dabei, hunderte Datenquellen mit nur einem Bruchteil der typischerweise notwendigen Transformationen zu integrieren.

Im Zuge der Verbreitung des Internet of Things und der damit verbundenen „totalen Vernetzung“ entstehen für Dritte (u.a. Hersteller, Diensteanbieter, Cyberkriminelle, staatliche Institutionen) unzählige Möglichkeiten, an Nutzerdaten zu gelangen. Inwiefern kann dabei der Schutz von Privatsphäre und die Einhaltung des Datenschutzes aufrechterhalten werden?
Claßen:
Auch beim Thema Datenschutz greifen bei IoT-Projekten etablierte Sicherungsmechanismen wie sie auch in bestehenden Umgebungen eingesetzt werden. Eine schwierige, aber zu bewältigende Herausforderung liegt in der neuen Komplexität, die sich aus der wachsenden Anzahl zu schützender Systeme und deren Kommunikation untereinander ergibt. Erschwert wird der Schutz der Privatsphäre vor allem aber dadurch, dass man Personen auch anhand nicht direkt personenbezogener Daten identifizieren kann (Verhaltensmuster etc.). Das ist relativ neu und es muss hier besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, dass wirklich nur die unbedingt notwendigen Daten ausgetauscht bzw. zur Verfügung gestellt werden, um ein Profiling zumindest zu erschweren.

Oder andersherum gefragt: Wie können sich Nutzer im Internet of Things künftig vor dem Missbrauch ihrer Daten schützen und die Hoheit über ihre digitale Identität behalten?
Claßen:
Die meisten Nutzer geben heute sehr bereitwillig private Informationen preis ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Während an einigen Stellen die Nutzer geradezu paranoid auf ihre Daten achten, gehen sie, oft auch aus Unkenntnis, an anderer Stelle sehr lax damit um. So ist z.B. die „Bauernfängerei“ mit kostenlosen Apps eine gängige Praxis, durch die die App-Anbieter Zugang zu z.B. den Nutzerinformationen für Facebook erhalten. Hier ist das Wichtigste eine Sensibilisierung und Aufklärung der Nutzer.

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