IoT am Strand: Smarte Technologie optimiert die Strandkorbvermietung
Strandkörbe gehören zum typischen Bild deutscher Küsten. Doch ihre Ausleihe ist für Urlauber manchmal umständlich: Die Verleihstände sind nur eingeschränkt geöffnet, es bilden sich oft lange Warteschlangen, und manchmal ist noch Bargeldzahlung gefordert.
Bernhard Sourdeau, Gründer und Geschäftsführer des Hamburger Start-ups Strand & Mehr, hatte auf der Insel Föhr schon selbst vergeblich versucht, spontan einen Strandkorb zu mieten. Diese Erfahrung führte zur Idee des Strandbutlers – eines Online-Verleihsystems mit vernetzten Korbschlössern. Mit geschätzt 100.000 Strandkörben an der deutschen Nord- und Ostseeküste bot sich hier ein erhebliches Potenzial.
Die Entwicklung eines robusten, smarten Schlosses für die rauen Küstenbedingungen stellte die größte technische Herausforderung dar. Nach zahlreichen Tests und in Zusammenarbeit mit einem chinesischen Hersteller gelang es, ein passendes Modell zu entwickeln. Dieses verfügt über eine Bluetooth-Funktion zur Öffnung via Smartphone sowie RFID-Chips als alternative Zugangsmethode.
Entscheidend für den Durchbruch war die Anbindung ans Internet of Things (IoT) und die Integration der nuSIM-Technologie der Telekom in die Schlösser. Diese integrierte Mobilfunk-SIM bietet mehrere Vorteile: Sie ermöglicht die Fernortung und -wartung der Schlösser sowie das Auslesen wichtiger Gerätedaten, etwa des Akkuladestands. Die Unterstützung der Mobilfunkstandards LTE und NarrowBand IoT (NB-IoT) gewährleistet eine flexible Anpassung an die jeweilige Empfangssituation.
Die neueste Generation der Schlösser nutzt eine Kombination aus Solarzellen und Akkus, was den Wartungsaufwand erheblich reduziert. Die nuSIM-Technologie, besonders in Verbindung mit NB-IoT, zeichnet sich durch einen extrem niedrigen Energieverbrauch aus – ideal für einen langfristigen, wartungsarmen Betrieb. Zudem verbessert der platzsparende Einbau ohne zusätzlichen SIM-Kartenslot die Wetterfestigkeit der Geräte.
Der Strandbutler verbessert das Urlaubserlebnis für Strandbesucher erheblich. Über eine App können Touristen ihren Wunschstrandkorb bereits vor der Anreise reservieren. Die Tage des frühmorgendlichen Anstehens und der Suche nach Bargeld sind damit vorbei. Bei Ankunft am Strand führt die App die Nutzer direkt zum reservierten Korb, der sich bequem per Smartphone oder einem RFID-Chip vom Verleihstand öffnen lässt. Diese Vereinfachung spart nicht nur Zeit, sondern reduziert auch den Stress, der oft mit der Suche nach dem perfekten Strandplatz verbunden ist. Zudem ermöglicht das System flexible Buchungszeiten, sodass Urlauber ihren Strandtag spontan verlängern können, ohne zur Vermietungsstation zurückkehren zu müssen.
Auch die Strandkorbvermieter profitieren von dem smarten Schließsystem: Die digitale Lösung optimiert den gesamten Vermietungsprozess und steigert die Effizienz des Geschäftsbetriebs. Über ein zentralisiertes Managementsystem können Verleiher beliebig viele Strandkörbe an verschiedenen Standorten verwalten. Die Echtzeitübersicht über die Auslastung und den Status jedes Strandkorbs verbessert die Ressourcenplanung. Durch die Möglichkeit der Fernwartung und -diagnose reduzieren sich Personalkosten und der logistische Aufwand. Die automatisierte Buchung und bargeldlose Bezahlung minimieren den administrativen Aufwand und potenzielle Fehlerquellen.
Aktuell verwaltet Strand & Mehr etwa 10.000 Strandkörbe an mehr als 70 Stränden von Borkum bis Usedom, wovon schon die Hälfte mit den smarten Schlössern ausgestattet ist. Gründer Sourdeau denkt bereits an zusätzliche Services: "Denkbar wäre auch, dass man aus dem Strandkorb heraus über die App Getränke und Snacks ordern kann. Dann hätten wir wirklich einen Strandbutler."
Sourdeau sieht zudem weitere Einsatzmöglichkeiten für sein Verleihsystem, etwa bei Leihfahrrädern, die Kreuzfahrtunternehmen oft an ihren Destinationen für den Landgang bereitstellen. Auch Strandliegen und Schirme in südlichen Urlaubsländern ließen sich so verwalten. Und die Integration von Satellitenverbindungen, die die neueste SIM-Generation der Telekom bietet, könnte die Einsatzmöglichkeiten in abgelegenen Gebieten oder auf hoher See weiter ausbauen.
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