High-Performance-Netze

Ist OpenRAN ausgereift?

Nach Japan und den USA startete am 28. Dezember 2022 auch in Deutschland ein neuartiges OpenRAN-Mobilfunknetz. Dabei wurde weltweit zum ersten Mal ein rein Cloud-basiertes OpenRAN direkt mit 4G- und 5G-Funktechnik in Betrieb genommen.

Drei Mobilfunkmasten

Nachdem es im letzten Jahr zu Lieferverzögerungen beim wichtigsten 1&1-Ausbaupartner kam, hat der Anbieter seinen Rollout-Prozess neu aufgesetzt und erwartet nunmehr einen kontinuierlichen Zulauf neuer Antennenstandorte.

Durch offene, standardisierte Schnittstellen ermöglicht die OpenRAN-Technologie die Kombination von Komponenten beliebiger Hersteller. So ist beispielsweise 1&1 unabhängig von den Innovationszyklen eines bestimmten Ausrüsters. Zu Beginn werden Server von Dell und Supermicro, Router von Cisco, Software von Rakuten, Mavenir und Altiostar sowie Antennen von NEC und Communications Components (CCI) eingesetzt. Somit verzichtet 1&1 als einziger Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland auf Antennen von Huawei.

„Mit der Inbetriebnahme unseres OpenRAN-Netzwerks sind wir Pioniere, die nun in Deutschland den Beleg für das Funktionieren der weltweit modernsten Netztechnik liefern“, freut sich Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der 1&1 AG, über den Beginn der Netzstartphase. In deren Rahmen werden, neben den ersten drei Antennenstandorten in Frankfurt am Main und Karlsruhe, in den nächsten Wochen weitere 50 bereits fertiggestellte Funkmasten in Städten wie Hamburg, Essen, Düsseldorf, Wiesbaden, Mainz, München und Freiburg sukzessive in Betrieb genommen.

1&1-Funkmasten werden stets mit Gigabit-Antennen ausgestattet und ausschließlich per Glasfaser an regionale Edge-Rechenzentren angeschlossen, in denen Standardserver laufen. Geringe Abstände zwischen Antennen und Edge-Rechenzentren sollen für kurze Datenlaufzeiten und Echtzeitfähigkeit im gesamten Netz sorgen. Die eher kritisch zu betrachtende Marktpraxis, vorhandene 4G-Antennnen lediglich durch Software-Updates ohne Leistungssteigerung auf den 5G-Funkstandard umzurüsten, wird vom Anbieter nicht angewandt.

Nach den Ergebnissen des seit August 2022 laufenden Friendly-User-Tests erfolgte der Betriebsstart des neuen Netzes mit „1&1 5G zu Hause“ – einem Produkt, das herkömmliche DSL-, Kabel-Internet- oder Glasfaserhausanschlüsse ersetzen soll. Smartphone-Tarife folgten im Sommer, heißt es, zeitgleich mit der plangemäßen Bereitstellung von National Roaming durch Telefónica. National Roaming ist ein beim Bau neuer Mobilfunknetze übliches Verfahren, durch das Kunden bereits während der Bauphase des neuen Netzes in noch nicht versorgten Gebieten unterbrechungsfrei surfen und telefonieren können. Dazu werden in diesen Gebieten automatisch Antennen des Roaming-Partners genutzt.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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