Die Folgen von BYOD auf Unternehmen

„IT-Abteilungen befinden sich in der Sackgasse“

Interview mit Brian Gammage, Cheftechnologe von VMware, über BYOD und den Aufstieg der „mobilen Rebellen“.

Brian Gammage, Cheftechnologe von VMware

In der kürzlich von VMware in Auftrag gegebenen Studie „Mobile Rebellen“ wurden europaweit 3.000 Büroangestellte und 1.500 IT-Entscheider über die Nutzung von mobilen Endgeräten für die Arbeit befragt. Ergebnis: Der Aufstieg von Bring your own device (BYOD) ist unausweichlich. Im Interview spricht Brian Gammage, Cheftechnologe von Cloud Computing-Spezialist VMware, über die Folgen von BYOD für IT-Abteilungen.
 
Herr Gammage, in der Arbeitswelt von heute fällt eines auf: Während Mitarbeiter neuen Technologien gegenüber offen sind und diese begrüßen, sehen Unternehmen darin vor allem ein  Sicherheitsrisiko. Welche Auswirkungen hat das auf die Arbeit der IT-Entscheider in Unternehmen?
Brian Gammage:
Bei den Konsumenten hat sich der technologische Wandel in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. In der Unternehmens-IT bekommt man hingegen eher den Eindruck von Stillstand. Heutzutage verwalten IT-Abteilungen oftmals altbekannte Prozesse. Es gibt zu wenige Investitionen in ein breites Portfolio an Infrastruktur- und Management-Prozessen. Arbeitnehmer möchten aber auch in der Arbeitswelt nicht länger auf Anwendungen und mobile Geräte verzichten, die sie im Privaten nutzen und die auch die Arbeit erleichtern könnten. Neue Investitionen werden nur dort getätigt, wo sich CIOs eine Produktivitätssteigerung versprechen. Doch oft ist es so, dass ältere Geräte einfach durch neuere ersetzt werden, wirkliche Innovationen kommen zu kurz. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo Geräte und Anwendungen der Konsumenten durchaus in Konkurrenz zur Unternehmens-IT stehen – gerade weil sie teilweise schnelleres und effizienteres Arbeiten ermöglichen.
 
Gibt es darum mittlerweile so viel Endanwender-Technologie am Arbeitsplatz?
Brian Gammage:
Was sich derzeit in Europa auf politischer Bühne abspielt, nämlich radikale Sparmaßnahmen und fehlendes Wachstum, kann man auch auf die IT-Abteilungen übertragen. Die meisten IT-Abteilungen geben 60 bis 80 Prozent ihres Budgets für den laufenden Betrieb aus. Sie investieren aber nicht in neue zukunftssichernde Technologien. Das kann einerseits daran liegen, dass es schlicht an Extrabudget fehlt; oder daran, dass die internen Unternehmensprozesse zu wenig Spielraum dafür geben. In den letzten 50 Jahren Wirtschaftsgeschichte waren neue Technologien der wichtigste Motor für Wachstum. Das kommt heute zu kurz. Der Mitarbeiter versucht diese Lücke zu schließen, indem er sich die Up to Date-Technologie selbst an den Arbeitsplatz mitbringt. Dies führt zu grundlegenden Veränderungen der IT und der Arbeitswelt, die wir bisher nur erahnen können.

Wenn der Mitarbeiter immer autarker wird, ist es umso wichtiger, dass IT-Abteilungen die Kontrolle behalten. Was können IT-Entscheider tun, um den Zwiespalt zu lösen zwischen chronischen Budgetkürzungen und den Forderungen der Mitarbeiter nach neuester Technologie?
Brian Gammage:
Unsere Studie „Mobile Rebellen“ zeigt deutlich, dass IT-Entscheider das Potential von BYOD längst erkannt haben. Und sie schauen genau hin, um aus dem Arbeiten mit den eigenen Endgeräten Lehren für unternehmensinterne Neuerungen zu ziehen. Grundsätzlich sind aber die Rolle und Wahrnehmung der IT-Abteilung innerhalb der Unternehmen entscheidend: Heute gilt die IT-Abteilung nämlich oftmals als gewaltige Kostenstelle und nicht etwa als Quelle der Innovation. Diejenigen, die bereits heute dem Wunsch der Nutzer nach neuer und moderner Technologie nachkommen, werden den bisweilen erheblichen Unterschied von Rolle und Wahrnehmung als eine der ersten aufbrechen können.




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