Extended Reality und Gamification

IT-Weiterbildung: Grenzenlose Möglichkeiten

Während der Pandemie haben viele Unternehmen weltweit ihre Pläne zur digitalen Migration beschleunigt. Infolgedessen setzen immer mehr von ihnen auf immersive virtuelle Schulungen.

Extended Reality

Extended Reality wird in Zukunft für große Veränderungen bei virtuellen Trainings sorgen.

Das Konzept der Gamification – die Prinzipien und Theorien rund um das Computerspielen – birgt großes Potenzial für die Weiterentwicklung des virtuellen Trainings. Es wird zunehmend auch bei realen Anwendungsfällen in der Industrie genutzt, denn es hilft, die Übertragung von komplexem Wissen für Maschinen- und Anlagenbediener sowie das allgemeine Personal zu vereinfachen.

Extended Reality (XR) wird in Zukunft für Veränderungen bei virtuellen Trainings sorgen. Die erweiterte Realität wird mit einer realistischen Kombination aus Künstlicher Intelligenz (KI), Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) geschaffen und von der Cloud unterstützt. Laut einem Bericht von Markets and Markets wird erwartet, dass die XR-Industrie von 33 Mrd. Dollar im Jahr 2021 auf 125,2 Mrd. Dollar bis zum Jahr 2026 anwachsen wird. Dieses kolossale Wachstum ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, wie z.B. den zunehmenden Einsatz von XR im Bildungs-, Gesundheits- und industriellen Ausbildungssektor sowie die steigende Nachfrage nach XR-Geräten. Die folgenden Aspekte zeigen, wie XR die Industrie in den nächsten Jahren verändern wird.

Wenn KI in gamifizierte Trainingsprozesse einfließt, können Unternehmen die Prinzipien der Gamification in Echtzeit nutzen und vom Training zum Learning by Doing übergehen. Dazu wird ein immersives Trainingssystem (ITS) verwendet. Wichtig dabei ist, dass das Lernsystem eng an die tatsächlichen Prozesse des Unternehmens angelehnt ist. Videospieleähnliche Schulungen sollten dynamisch sein.

Das ITS verbindet einen originalgetreuen Prozesssimulator mit einer virtuell begehbaren Umgebung einer Anlage, einem sogenannten digitalen Zwilling. Dieser ist visuell und interaktiv und liefert wichtige Informationen über das Equipment und Maschinendetails. So ist es möglich, alle Daten einer Anlage – oder von mehreren Anlagen – in einer digitalen Darstellung auf einem Tablet abzubilden. Die erfassten Daten helfen dabei, die Anlage vorausschauend zu warten und Ausfällen vorzubeugen. Auch lassen sich darüber bestimmte Prozesse aktivieren. Denn jede Aktion kann in dieser virtuellen Umgebung so eingestellt werden, dass sie die thermodynamisch korrekte Reaktion in der Anlage in Echtzeit auslöst.

Neue Form der Zusammenarbeit

XR-Lösungen können Teams aus der Prozesskette miteinander verbinden – von Kontrollraumbedienern und Außendienstmitarbeitern bis hin zum Wartungspersonal. Teams können über globale Standorte und Zeitzonen hinweg per Fernzugriff zusammenarbeiten. Dabei gibt es keine Zeitverzögerung. Darüber hinaus lernt das Team gleichzeitig und kann auf eine neue Art miteinander kommunizieren.

Die neue Fabrikanlage ist fertig, die Produktion könnte sofort beginnen. Doch das Bedien- und Fachpersonal ist noch nicht angelernt. Wertvolle Produktionszeit geht dadurch verloren und verursacht einen kostspieligen Stillstand. Mit dem Einsatz von XR kann ein solches Szenario vermieden werden, denn Mitarbeiter können bereits während des Bauprozesses mithilfe von gamifizierten Trainings geschult werden. In einer nachgebildeten virtuellen Umgebung lernen sie bereits vorab die neue Anlage kennen.

Kosten senken

So reduzieren KI-gesteuerte ITS-Simulatoren die Einarbeitungszeit, verbessern die Kosteneffizienz und optimieren den Return on Investment (ROI). Daten von Aveva zeigen, dass je nach Unternehmen die Kosten um 30 bis 40 Prozent sinken, sich die Wiederherstellungszeiten nach Stillständen um 15 bis 20 Prozent verkürzen und die Wartungsbudgets um ein bis drei Prozent reduziert werden können.

Außerdem können verschiedene Optimierungsmechanismen Betriebsabläufe effizienter und nachhaltiger machen. So kann AR beispielsweise neue Mitarbeiter durch die einzelnen Schritte führen, während der Betrieb weiterläuft. Heute erfolgt die 3D-Visualisierung meist durch Overlay-Apps auf Tablets oder Monitoren. In Zukunft wird die Mensch-Maschine-Schnittstelle (HMI) auf tragbaren Geräten bereitgestellt werden. Nutzer werden dann in der Lage sein, ohne Zeitverzögerung mehrere Datenströme in einen Kontext zu setzen und diese live in 3D zu sehen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

AR und Mixed Reality sind heute noch nicht ausgereift. Der größte Teil der weltweiten Entwicklung von XR wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren ereignen. Ab dem Moment, wo XR die letzte Etappe der Datenbetrachtung durch Wearables abdeckt – durch die Kombination von KI, VR und MR – wird sich die Branche weiterentwickeln und die Welt der Aus- und Weiterbildung für nahezu grenzenlose Möglichkeiten öffnen.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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