Digitaler Mittelstand

Je größer das Unternehmen, desto digitaler

Droht eine digitale Spaltung der Wirtschaft? Während die großen Unternehmen bei der Digitalisierung vorpreschen, bleiben die kleinen skeptisch.

Konzerne und Großunternehmen umarmen die digitale Transformation. Vorstandschefs wie Volkmar Denner von Bosch oder Joe Kaeser von Siemens werden nicht müde, in jedem Interview zu betonen, wie wichtig die Digitalisierung für ihr Unternehmen und die deutsche Wirtschaft insgesamt ist. Tatsächlich ist gerade an den beiden Riesen die Verwandlung deutlich erkennbar. Sie betreiben Cloud-Plattformen für das Internet der Dinge und wandeln sich Zug um Zug vom Geräteverkäufer zum (Software-)Lösungsanbieter.

Zwar betonen auch die Vertreter des deutschen Mittelstands in Dauerschleife, wie wichtig Digitalisierung ist, doch durch die enorme Zahl der Unternehmen ist es schwer, den Status der Transformation genau zu erfassen. Immerhin: Es gibt eine Vielzahl an Studien, die sich dem Zustand und den Potenzialen der Digitalisierung im Mittelstand widmen. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat vor einiger Zeit versucht, ein wenig Licht in dieses Dickicht zu schlagen. In einer Metaanalyse haben sich die Forscher mit 46 Mittelstandsstudien beschäftigt und die Ergebnisse zusammengefasst.

Die Analyse lässt sich in einigen Thesen zusammenfassen: Die große Mehrheit der Mittelständler hat die Digitalisierung als Thema erkannt. Der Digitalisierungsgrad hängt dabei in erster Linie von der Größe des Unternehmens ab, vor allem die kleinsten Unternehmen halten sich bei dem Thema am meisten zurück. Größere Mittelständler, allen voran die großen Familienunternehmen wie Harting, Viessmann oder Voith haben die Chancen der Digitalisierung erkannt und engagieren sich mit großer Energie.

Gefahr einer digitalen Spaltung des Mittelstands

Dies zeigt sich auch an einer neuen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die 3.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt wurden. In den Ergebnissen wird deutlich, dass Wachstumsunternehmen sehr stark auf digitale Technologien setzen. Kleinere Unternehmen und solche, die gar nicht oder nur langsam wachsen, interessieren sich seltener für Digitalisierung und könnten dadurch den Anschluss verlieren.

„Der deutsche Mittelstand steht am Scheideweg“, meint EY-Geschäftsführer Hubert Barth. „Viele Mittelständler tun das, was sie schon seit Jahren und Jahrzehnten auszeichnet: Sie passen sich flexibel an neue Entwicklungen an und schaffen es, durch innovative Produkte ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Einige könnten jedoch den Anschluss verlieren.“

Die beiden Hauptprobleme hierbei sind zu niedrige Investitionen in digitale Technologien und Probleme, dass dafür geeignete Personal zu finden. Barth warnt: „Es droht eine digitale Zweiklassengesellschaft. Denn fähiges Personal und technologische Weichenstellungen für die Zukunft sind die Voraussetzung für künftigen Erfolg“.

Bildquelle: Thinkstock

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