Internet Trends 2018

Jeder zweite Mensch ist im Internet

… und jeder fünfte davon ist ein Chinese. Doch die Grenzen des Wachstums sind erreicht: Viele Menschen sind zu arm für Smartphones.

Skyline von Shenzhen

Skyline von Shenzhen - von hier stammen viele unserer Gadgets

Hilfe, das Internet ist geschrumpft: Die alljährliche Netzbilanz „Mary Meeker‘s Internet Trends 2018“ hat nur noch 294 Slides und nicht 355, wie im letzten Jahr. Doch immer noch ist die Mutter aller Präsentationen Lesestoff für lange Stunden: „Einige Slides sind zum Lesen und nicht zum Präsentieren gedacht“, sagte Kleiner Perkins-Partnerin Mary Meeker am Anfang ihres Vortrags, den es auch zum Nachlesen gibt. Eine sehr kurze Zusammenfassung der Hauptaussagen findet sich bei Quartz, eine nicht ganz so kurze bei Recode oder Techcrunch.

Abschied vom exponentiellen Wachstum

Ganz zu Anfang der Präsentation findet sich die auf den ersten Blick überraschende Aussage, dass sich das Wachstum des Internets verlangsamt hat. Inzwischen hat etwa jeder zweite Erdbewohner Zugang zum Internet, also gut 3,6 Milliarden Menschen. Hauptgründe dafür sind die stark gefallenen Preise bei Android-Smartphones und das enorme Wachstum von WLAN-Netzwerken in den letzten Jahren – etwa 450 Millionen dieser Netze erlauben einen unkomplizierten und häufig sogar kostenlosen Zugang zum Internet.

Doch die Wachstumsrate hat sich verlangsamt, Internetzugänge scheinen also einen gewissen Sättigungsgrad erreicht zu haben. Dies hat je nach Region und Wirtschaftsraum unterschiedliche Gründe. So gibt es in klassischen Industriestaaten wie beispielsweise in Deutschland immer noch recht viele echte Internetverweigerer. Auch wenn ihre Zahl sinkt, hatten 2017 sieben Prozent der Deutschen noch niemals das Internet genutzt – weder zu Hause, bei der Arbeit oder anderswo.

In weniger entwickelten Ländern ist die Zahl der Nichtnutzer größer, aber aus anderen Gründen: Selbst ein 50-Dollar-Smartphone und ein supergünstiger Mobilfunkvertrag sind jenseits der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vieler Menschen. Dies zeigt sich unter anderem auch daran, dass es erstmals keinerlei Wachstum mehr im Smartphone-Verkauf gab. Immerhin: Der durchschnittliche Verkaufspreis von Smartphones ist bereits seit mehreren Jahren rückläufig,

Der Gigant des 21. Jahrhunderts

In China leben 1,4 Milliarden Menschen, das sind etwa 18 Prozent der Weltbevölkerung. Das Land hat im letzten Vierteljahrhundert eine beispiellose wirtschaftliche Entwicklung hingelegt und auch in Sachen Digitalisierung zu den USA aufgeschlossen – unter anderem eine Folge des riesigen Binnenmarktes. Fast 800 Millionen Chinesen nutzen das mobile Internet, mehr als 500 Millionen auch für Bezahlvorgänge. Herkömmliche Desktopcomputer haben dagegen eine geringere Bedeutung, sie sind vorwiegend in Unternehmen verbreitet.

Die mit dem Smartphone verbrachte Zeit geht fast zur Hälfte für soziale Netzwerke und ein knappes Viertel für Videos - ganz wie im Rest der Welt. Auch Games sind beliebt und die Umsätze damit haben zum Rest der Welt aufgeschlossen: Fast 30 Milliarden US-Dollar, bereits etwas mehr als in die Game-Umsätze in den USA. Interessant ist auch, dass E-Commerce boomt. Der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba und seine Konkurrenten wickeln inzwischen mehr als 20 Prozent aller Handelsumsätze in China ab. Zum Vergleich: in Deutschland sind es weniger als zehn.

Ein ebenfalls unglaubliches Wachstum hat der digitale und elektronische Sektor der chinesischen Wirtschaft hingelegt. Gut 40 Prozent aller weltweit verkauften Smartphones werden in China hergestellt. Inzwischen sind neun der 20 größten globalen Internetunternehmen in China beheimatet, in den USA. Die restlichen elf sitzen in den USA. Die sollten sich warm anziehen, denn vor allem im Bereich Künstliche Intelligenz investieren die Chinesen - Regierung und Unternehmen - sehr stark und bauen vor allem ihre Universitäten enorm aus.

Lernen ohne formalen Hochschulzugang

China hat die Bedeutung von höherer Bildung begriffen und schlägt hier ein enormes Wachstum vor: so vergaben die chinesischen Universitäten im Jahr 2014 etwa 1,5 Millionen Erstabschlüsse (BA und Ähnliche) in Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie etwa 30.000 Abschlüsse von Promotionsstudiengängen. Zum Vergleich: In der EU waren es 2014 nur gut 600.000 Erstabschlüsse, aber immerhin knapp unter 50.000 Doktorgrade.

Gerade beim Thema Bildung zeigt sich der Vorteil des Internets, in dem es inzwischen auch eine Vielzahl an kostenlosen oder kostengünstigen Lernangeboten gibt. Sie stehen jedem zur Verfügung, auch wenn er keine formale Zugangsberechtigung zu Hochschulen besitzt. Beliebtester Service dabei ist Youtube. Dort werden täglich etwa eine Milliarde Mal ein Lernvideo gestartet. 70 Prozent der Nutzer nutzen die Plattform für Informationen und Wissen rund um Arbeit, Schule und Hobbys.

Doch es gibt nicht nur Youtube. Der international bekannteste Anbieter von Weiterbildung ist Coursera, an dem Kleiner Perkins beteiligt ist. Deshalb ein Wort aus dem Nähkästchen: Die meistgebuchten Kurse widmeten sich Machine Learning, neuronalen Netzen, Blockchain-Technologie und Einführungen in das Programmieren. Diese Themen sind auch anderswo beliebt: Das interne Weiterbildungsprogramm von AT&T wird von drei Viertel der Mitarbeiter besucht, die bestbesuchten Kurse sind zu IT-Sicherheit, Machine Learning und datenbasiertem Entscheiden.

Bildquelle: Thinkstock

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