Digitale Medien in Maßen konsumieren

„Kampf dem digitalen Imperialismus!“

Warum es gesund ist, das Smartphone auch mal bewusst wegzulegen.

  • Smartphone-Verbot
  • Sascha Martini, Razorfisch

    Sascha Martini ist CEO der Digitalagentur Razorfish Deutschland. Für seine Arbeit wurde er u.a. mit dem Red Dot Award sowie dem IF Design Award ausgezeichnet. Zudem engagiert er sich im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW).

Es ist eine Tatsache: Aktuell erleben wir den größten kulturellen Wandel der seit Erfindung des Buchdrucks. Frei nach dem Motto „Mittendrin statt nur dabei“ sind wir somit Zeitzeugen einer äußerst beeindruckenden Entwicklung. Was für ein Privileg! Oder etwa nicht? Wie so oft, wenn etwas Neues auf den Plan tritt und sich dadurch Gewohntes verändert, zeigen Menschen zwei sehr gegensätzliche Reaktionen: Begeisterung oder Ablehnung.

Das könnte man eigentlich so stehen lassen. Doch gemeinsam mit dem Fortschreiten des digitalen Wandels zeichnet sich sehr deutlich ein Trend zum „digitalen Imperialismus“ ab, in dessen Zuge sogenannte „Digitalverweigerer“ abgewertet oder sogar richtiggehend geächtet werden. Als Geschäftsführer einer Digitalagentur kann ich die Begeisterung für die schier unendlichen Möglichkeiten, die die Digitalisierung für unsere Kommunikation, unsere Gesellschaft und letztlich alle Lebensbereiche eröffnet, natürlich bestens nachvollziehen.

Gleichzeitig ist es wichtig, auch diese historisch bedeutende Entwicklung ganz nüchtern und aus übergeordneter Perspektive zu betrachten. Man ist nicht automatisch zurückgeblieben oder aus der Zeit gefallen, nur weil man nicht an vorderster Digitalfront dabei sein will. Um zu sehen, dass die vielen Vorteile neuer Technologien auch ihre Schattenseiten mit sich bringen, braucht man gar nicht weit in der Zeit zurückzublicken. Nehmen wir als Beispiel einmal die Erfindung des Autos. Sie war eine absolute Revolution für die Fortbewegung des Menschen und hat für eine völlig neue Definition von „Entfernung“ gesorgt – ähnlich den neuen digitalen Kommunikationswegen.

Auto war schick, heute fährt man Fahrrad

Galt es noch vor wenigen Jahrzehnten als schick, mit dem Auto zu fahren anstatt zu laufen, fährt man heute mit dem Fahrrad zur Arbeit und nimmt die Treppe statt den Lift. Der Grund: Man weiß, dass Bewegung ein Grundbedürfnis für den menschlichen Körper ist und entscheidend zu seiner Gesundheit beiträgt. Etwas Ähnliches gilt für die Nutzung digitaler Medien. Im Rahmen wissenschaftlicher Studien wurde bereits belegt, dass sie die neuronalen Strukturen des Gehirns verändern. Die Folge ist eine Schwächung von Konzentration, Erinnerungsvermögen, Lernfähigkeit und sozialer Kompetenz.

Zudem gibt es einen weiteren Aspekt, der den digitalen Imperialisten den Wind aus den Segeln zu nehmen vermag: Rund 4,4 Milliarden Menschen verfügen aktuell über keinen InternetZugang. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist somit auf vollkommen andere, analoge Kommunikationsformen angewiesen. Eine wichtige Nachricht auch für Unternehmen: Die Digitalisierung ist global gesehen kein Massenphänomen!

Wie bei allem geht es auch hier um das rechte Maß. Es ist absolut gesund und sinnvoll, Smartphone, Tablet und Co. auch mal bewusst wegzulegen. Das Stichwort lautet: Digital Detox. Denn man kann darauf vertrauen: Auch wenn man gerade mal nicht „on“ ist – die Digitalisierung schreitet dennoch weiter voran.  


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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