Erweiterung der realen Umgebung

Kaum Grenzen für Virtual und Augmented Reality

Im Gespräch stellt Jan Schneider, Country Head Systems der Asus Computer GmbH, konkrete Anwendungsbeispiele für Augmented und Virtual Reality vor, kommentiert die bisherigen Kritikpunkte der Anwender und erklärt, was Zenfone AR an dieser Stelle leisten kann.

Jan Schneider, Asus

„Wenn visuelle Eindrücke nicht mit dem Gleichgewichtssinn übereinstimmen, kommt es bei vielen Nutzern leicht zu Übelkeit“, erklärt Jan Schneider, Country Head Systems der Asus Computer GmbH.

Herr Schneider, welchen Stellenwert besitzen Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) mittlerweile auf dem deutschen Markt?
Jan Schneider:
Virtual und Augmented Reality sind zwei Technologien, über die in den letzten Jahren bereits sehr viel berichtet worden ist. Dabei stellt sich natürlich, wie bei jeder neuen Technologie die Frage, ob es sich dabei um einen reinen Hype handelt, oder ob wirklich der große Durchbruch ansteht. Bei Virtual und Augmented Reality fallen die Prognosen eindeutig aus, es wird bei beiden ein Milliardengeschäft erwartet, die Frage ist nur wann. Nach dem Gartner Hype Cycle kommt Virtual Reality gerade in der Umsetzungsphase an, besonders im Gaming-Bereich. Der Erfolg bleibt aber noch hinter den Erwartungen zurück. Augmented Reality (AR) steht dagegen noch am Anfang und befindet sich in der Entwicklung konkreter Anwendungsmöglichkeiten sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich.

Bis zum Jahr 2020 wollen deutsche Unternehmen knapp 850 Mio. Euro in Virtual- und Mixed-Reality-Anwendungen investieren. Die geplanten Ausgaben der Unternehmen in Deutschland werden in den nächsten vier Jahren fast die Milliardengrenze erreichen. Im B2B-Segment liegt der Fokus im Wesentlichen auf der Entwicklung neuer unternehmensspezifischer Anwendungen, einschließlich der notwendigen Schnittstellen zur Enterprise IT. Aber auch im B2C-Bereich, vornehmlich der Hardware, wird der Umsatz auf rund 88 Mio. Euro steigen. Für den deutschen Markt besitzen Augmented und Virtual Reality damit einen hohen Stellenwert.

Können Sie für beide Technologien konkrete B2B- und B2C-Praxisbeispiele nennen?
Schneider:
Den Anwendungsmöglichkeiten sind bei Virtual und Augmented Reality kaum Grenzen gesetzt. Wir präsentieren mit dem Zenfone AR ein Smartphone, das die Google-Plattformen Tango und Daydream in einem Gerät kombiniert. Die Erweiterung der realen Umgebung wird im Zenfone AR durch die Kombination von drei Kameratypen in einem normalgroßen Smartphone-Gehäuse erreicht und ermöglicht eine Umgebungswahrnehmung, die der menschlichen Wahrnehmung ähnelt. Das Farbbild der „normalen“ 23 MP-Kamera wird im Tango-AR-System ergänzt um Tiefeninformationen („Depth Sensing“) und Bewegungsverfolgung („Motion Tracking“). Zur Tiefenwahrnehmung kommt hierbei eine sog. Time-of-Flight-Kamera zum Einsatz, die Bewegungsverfolgung wird durch eine Superweitwinkelkamera umgesetzt. Somit kann beispielsweise das eigene Wohnzimmer präzise ausgemessen werden, um dieses über entsprechende Apps für Inneneinrichtung virtuell mit Möbeln auszustatten. Die Möbel lassen sich frei im Raum platzieren und mit realen Maßen an der Stelle einblenden, an denen sie später stehen sollen. Der Clou ist, dass man sich dabei frei im Raum bewegen und z.B. einen Schrank von allen Seiten betrachten kann.

Das gleiche Prinzip kann auf verschiedene Bereiche und alle denkbaren Objekte angewendet werden, wie beispielsweise der persönlichen Anpassung von Autos, Fahrrädern etc. Der Anwender bekommt dadurch ein ganz eigenes Einkaufserlebnis geboten, Online-Shops können teure Rücksendungen vermeiden und der Handel hat die Möglichkeit, Produkte vor Ort in allen erdenklichen Farben und Ausprägungen darzustellen, ohne diese stets auf Lager haben zu müssen. Zusätzlich bieten die VR-Anwendungen mit Daydream eine Vielfalt an Möglichkeiten, mit Apps wie Google Street View und World VR reale Orte virtuell zu besuchen oder sich in komplett computergenerierten Welten oder Spielen zu bewegen.

Was sind bisherige Kritikpunkte der Anwender jener Technologien? Wo sehen Sie technischen Aufholbedarf?
Schneider:
Bei Virtual Reality sind die meisten Anfangsschwierigkeiten wie Latenzprobleme behoben, aber es gibt noch Aufholbedarf in Bereichen wie der Auflösung oder dem Tragekomfort der Headsets. Zudem werden auch noch weitere Anwendungen erwartet. Für viele Anwender ist auch das Thema des sog. Simulatorschwindels noch nicht gelöst. Wenn visuelle Eindrücke nicht mit dem Gleichgewichtssinn übereinstimmen, kommt es bei vielen Nutzern leicht zu Übelkeit. Hier ist die Entwicklung von Wearables gefragt, die dabei helfen, die gefühlte Einbindung in der virtuellen Umgebung, also den sog. Immersionsgrad zu erhöhen.

Für Augmented Reality gibt es derzeit noch verhältnismäßig wenige Applikationen – allerdings ist die Entwicklung hier rasant und es gibt beinahe täglich neue Anwendungen sowohl in den Bereichen Entertainment als auch im E-Commerce und B2B-Bereich (Stichwort: Indoor-Navigation, virtuelle Produktkataloge, etc.).

Inwieweit konnten Sie bereits persönlich Erfahrungen mit der AR- sowie VR-Technologie sammeln?
Schneider:
Beide Technologien beschäftigen mich sowohl aus persönlichem als auch beruflichem Interesse seit vielen Jahren. Angefangen bei den ersten 3D-Shutter-Brillen Ende der 90er Jahre, über 3D-Kinoerlebnisse bis hin zum aktuellen Zenfone AR. Mit letzterem habe ich mein Büro kürzlich, zumindest „virtuell“, schon neu eingerichtet.

Wann bzw. unter welchen Umständen wird AR/VR Ihrer Meinung nach den Durchbruch in Deutschland schaffen?
Schneider:
Dies hängt im Wesentlichen von der Schnelligkeit ab, in der massentauglicher Content erstellt wird. Ich sehe neben der Spieleindustrie insbesondere den Handel, sowohl online als auch offline, mit speziellen virtuellen Warenkatalogen und personalisierbaren Produkten. Im B2B-Bereich wird es vertikale Applikationen geben, die in allen Unternehmensbereichen ihre Anwendung finden – Raumoptimierung in der Logistik, bessere Visualisierungen in der Entwicklung oder eingeblendete Zusatzinformationen für den Techniker zu Bauteilen bei der Fahrzeugwartung – um nur einige Beispiele zu nennen.

Für die Verbreitung entsprechender Anwendungen bieten standardisierte Entwicklungsplattformen wie Tango und Daydream große Vorteile, da eine Vereinheitlichung der Entwicklungsumgebung zeitraubende Formatstreitigkeiten verhindert und klare Definitionen für die Programmierung bietet. Die Chance ist für alle Unternehmen da, jetzt kommt es auf die Schnelligkeit der Umsetzung und die Akzeptanz der Nutzer an.

Bildquelle: Asus

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