Interview mit Oliver Oursin, IBM

Kein Buch auf dem Smartphone schreiben

Interview mit Oliver Oursin, Product- and Presales Executive im Bereich IBM Business Analytics

Oliver Oursin, IBM

Oliver Oursin, Product- and Presales Executive im Bereich IBM Business Analytics

Herr Oursin, worauf sollten die Verantwortlichen bei der Auswahl einer mobilen BI-Applikation hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit besonders achten? Wie können ausführliche Reports, Analysen und Simulationen lesefreundlich dargestellt werden?
Oliver Oursin: Erstens muss eine mobile Applikation – gerade auf Geräten mit kleinem Bildschirm wie Blackberry – in der Lage sein, einen komplexen Bericht oder ein farben- und grafikfrohes Dashboard in Objekte aufzuspalten. So erhält der Benutzer die Möglichkeit, nur ein Objekt zu selektieren und anzuzeigen. Heutige Desktops zeigen mindestens 1.280x1.024 Bildpunkte, was bedeutet, dass darauf zugeschnittene Berichte auf einem mobilen Gerät mit kleinem Bildschirm nur sehr schlecht zu sehen sind. Idealerweise ist die Applikation in der Lage sowohl die verkleinerte Gesamtsicht als auch die einzelnen Teile selektiert darzustellen, ohne dass zusätzlicher Aufwand wie ein Re-Design etc. notwendig wird.

Zweitens muss eine Applikation natürlich dem jeweiligen Smartphone-Stil angepasst sein. Ein iPhone-Nutzer erwartet eine Applikation in einem anderen Stil, als ein Blackberry-Besitzer. Unsere Cognos-Mobile-Software beispielsweise bedient hier die verschiedenen Nutzungsgewohnheiten von iPad-Nutzern gleichermaßen wie die von Blackberry-Playbook- oder Android-3.0-Tablet-Besitzern.

Wann ist eine eigene App sinnvoll, wann ist eine mobile Browser-Oberfläche besser?
Oursin: Eine Applikation ist immer dann sinnvoll, wenn der Benutzer Berichte und Analysen auch offline nutzen möchte – etwa im Flugzeug. Die App speichert die Berichte und Analysen und stellt sie dann zur Verfügung, wenn sie gebraucht werden. Moderne Apps machen all dies im Hintergrund und der Benutzer kann immer davon ausgehen die neuesten Informationen zu haben.

Ein weiterer Vorteil der App besteht darin, dass beim mehrmaligen Ansehen oder Ausführen eines Berichts nur einmalig mobil Daten abgerufen werden müssen. Anders beim Browser, der sich die Daten immer wieder über das Internet ziehen muss. Eine reine Browser-Applikation hat Vorteile, wenn zum einen Datenmengen keine Rolle spielen, zum anderen eine so hohe Interaktivität auf dem Smartphone gewünscht wird, dass eine App dies nicht mehr bereitstellen könnte. Moderne Apps allerdings bieten sowohl die Möglichkeit, Berichte mit hoher Interaktivität als auch Berichte offline auszuführen.

Inwieweit unterscheidet sich die Mobilversion von den teils sehr mächtigen BI-Lösungen, die in der klassischen Unternehmens-IT zum Einsatz kommen?
Oursin: Ein Smartphone bietet eine ganz andere Umgebung als ein Desktop-PC oder ein Laptop. Die Anforderungen sind viel stärker auf das Konsumieren und ein leichtes Bearbeiten von Inhalten ausgelegt als auf das komplette Erstellen. Es ist hier nicht anders als beispielsweise bei Textverarbeitungsprogrammen: Nur wenige Benutzer eines Smartphones würden ein Buch auf einem Smartphone schreiben wollen. Mit dem Smartphone liest man es eher oder nimmt allenfalls kleine Änderungen vor. Ähnlich verhält es sich bei BI-Apps.

Welche Fallstricke lauern bei der Einbindung der App in die vorhandene IT-Landschaft des Unternehmens?
Oursin: Anders als noch vor fünf oder zehn Jahren stellen Apps heute IT-Landschaften nicht mehr vor große Herausforderungen. App-Anbieter haben die Administration und das Betreiben von Apps wesentlich vereinfacht, so dass es eigentlich keine Infrastrukturgründe mehr gegen eine mobile Anwendung gibt. Auch in Sachen Sicherheit und Vertraulichkeit bietet die App-Einbindung in die Infrastruktur heute ein solides Bild. Wenn ein Smartphone verloren geht, kann man vertrauliche Inhalte remote löschen oder es greifen andere Sicherheitsmechanismen. Auch profitiert man hier von den Erfahrungen der allgemeinen, mittlerweile gar nicht mehr so jungen Mobile-Entwicklung. E-Mail und andere mobile Anwendungen gibt es ja schon lange und hier sind die Anforderungen zum Teil viel höher.

Ist man im Ausland unterwegs, will man beispielsweise keine Roaminggebühren aufwenden. Wie funktioniert in diesem Moment ein Umschalten von Online- auf Offline-Arbeit?
Oursin: Hier ist der Anwender mit einer App deutlich im Vorteil. Er kann einfach das Roaming deaktivieren, die App aber dennoch auf Basis des letzten Updates nutzen, bis er im Hotel vielleicht wieder per WLAN ohne Roaming ins Datennetz kann. Die Browser-Anwendung ist hingegen auf eine Internetverbindung angewiesen.

Auf welche Datenquellen sollte die mobile Software zugreifen können? Und wie kann man dabei weltweit eine akzeptable Performance sicherstellen?
Oursin: Eine mobile BI-Anwendung ist zwingend auf alle Datenquellen angewiesen, die auch in der PC-Version verfügbar sind. Eine BI-Lösung, die Anwendern Berichte aus bestimmten Datenquellen auf einer mobilen Lösung vorenthält, wäre nicht sinnvoll. Daher greift die mobile Lösung ja auch auf den BI-Server zu, um von dort alle Informationen zu bekommen.

Wie ist es um Datenschutz und Sicherheit bei der Nutzung mobiler BI-Apps bestellt – zum Beispiel, wenn man sich auf Geschäftsreisen in China oder USA befindet?
Oursin: Die Sicherheit der mobilen Anwendung hängt davon ab, wie sicher die Plattform ist, von der sie die Daten bezieht. Bei dem Produkt IBM Cognos Mobile ist es egal, wie der Anwender darauf zugreift – von einer nativen Anwendung oder dem Web –, die zugrundeliegende Sicherheit basiert immer auf der Cognos-Plattform. Und diese nutzt im Wesentlichen alle vorhandenen unternehmensweiten Sicherheitsimplementierungen optimal aus und bietet die Möglichkeit, bei Bedarf eine Verbindung zu einem oder mehreren Sicherheitssystemen gleichzeitig herzustellen.

Zudem bietet die Lösung Sicherheitsfunktionen, die speziell auf die jeweiligen mobilen Plattformen abgestimmt sind: Um den sicheren Zugriff auf Daten auf dem iPad zu gewährleisten, nutzt die Lösung beispielsweise spezielle rollenbasierte Sicherheitsfunktionen: Ein sogenannter „Lease Key“ für das Gerät verhindert nach Ablauf eines Zeitintervalls den Zugriff auf Offline-Inhalte von IBM Cognos. Die Lease-Key-Funktionalität lässt sich gut mit einem Hotelschlüssel vergleichen. Der Schlüssel ist für die Dauer des Aufenthalts (die Leasedauer) gültig. Wenn der Anwender am letzten Tag seines Aufenthalts auscheckt, wird sein Schlüssel deaktiviert und er hat keinen Zugang mehr zu dem von ihm zuvor bewohnten Hotelzimmer. Das Zimmer ist nach wie vor vorhanden, aber er kann es nicht mehr betreten – es sei denn, er trifft entsprechende Vereinbarungen an der Rezeption.

Können Sie uns bitte ein konkretes Referenzprojekt nennen?
Oursin: Der Cincinatti Zoo & Botanical Garden, einer der ältesten Zoos in den USA, gegründet 1875, hat IBM Cognos Mobile im Einsatz. Mit Erfolg: Die Investition hat sich innerhalb von drei Monaten zu 100 Prozent bzw. nach einem Jahr zu 400 Prozent ausgezahlt. Durch den Einsatz der BI-Lösungen konnte der Zoo zum Beispiel laufende Marketingkampagnen besser auswerten und 50.000 Besucher mehr pro Jahr erreichen.

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