Mobile Lagerprozesse bei Flawa

Keine Bestandsabweichungen mehr

Die Flawa AG, Hersteller von Hygiene- und Pflegeprodukten, hat mit der Einführung eines Warehouse-Management-Systems sowie einer mobilen Datenerfassung per MDE-Geräten und iPhones die Prozesse im Lager neu strukturiert, durchgängig IT-gestützt gestaltet und damit schneller gemacht.

Mit der Applikation, die zurzeit zehn Mitarbeiter nutzen, lassen sich jetzt sämtliche Bewegungen im Lager online und mobil erfassen.

Das Spektrum des Lagerbestandes am Hauptsitz im schweizerischen Flawil reicht von Watteprodukten, Kompressen und Pflastern über Frischesohlen und Stilleinlagen bis hin zu Erste-Hilfe-Apotheken. „Durch die mobile Datenerfassung können wir vorhandene Kapazitäten besser nutzen und durch kürzere Durchlaufzeiten im Lager die Produktion schneller mit Material versorgen“, berichtet Sedat Demiri, Leiter Lager und Spedition bei der Flawa AG, von dem gelungenen Aufbau eines Onlineszenarios im Lager. Technisch umgesetzt wurde es mit dem Mobisys Solution Builder (MSB), einem ABAP-basierten Add-On, das auf den mobilen Erfassungsgeräten installiert und mit SAP integriert ist.

Mit der Applikation, die zurzeit zehn Mitarbeiter nutzen, lassen sich jetzt sämtliche Bewegungen im Lager online und mobil erfassen. Darunter fallen neben Einlagerungen und den Kommissioniervorgängen auch Lagerplatzinventuren, andere Umlagerungen und interne Lagerprozesse. Die im Lager mittels kabelloser Barcodescanner aufgenommenen Daten werden über eine sichere UMTS-Verbindung automatisch in das SAP-Backend übertragen und dort sofort – das heißt parallel zum Materialfluss – verbucht. Sprich: Was im System erscheint, befindet sich auch physisch als Bestand im Lager und umgekehrt. Das Onlineszenario im Lager sorgt so für eine hohe Qualität der Daten und Transparenz bei den Lagerprozessen. Sogar Bestandsabweichungen gehören praktisch der Vergangenheit an, so Demiri, denn „jede einzelne Warenbewegung lässt sich jetzt quasi in Echtzeit verfolgen.“ Artikel, die in der Herstellung benötigt werden, werden so binnen kurzer Zeit vom Regalplatz geholt und gemäß Fifo-Verfahren (first in, first out) an die Produktion übergeben.

Die Bestandssicherheit zahlte sich bereits bei der ersten Lagerinventur nach der Einführung von SAP WM aus, die Ende Oktober 2013 durchgeführt wurde. Hatte sich die Abweichung früher auf einem Wert zwischen fünf und sechs Prozent bewegt, lag sie nach der Umstellung auf die neue mobile Lösung unter 0,5 Prozent. Im Schnitt haben sich die Durchlaufzeiten um die Hälfte verringert – egal ob bei Kommissionieraufträgen, Umbuchungsanforderungen oder der Bereitstellung von Ware für die Produktionsversorgung. „Benötigten wir vorher z.B. für die Abwicklung eines Fertigungsauftrags zur Produktionsversorgung rund 50 Minuten, sind es heute weniger als 30 Minuten“, berichtet Lagerleiter Demiri. Der Prozess reiche vom Auslösen eines Fertigungsauftrags über den Druck und die Verteilung der SAP-Belege an die verantwortlichen Mitarbeiter bis hin zur physischen Bereitstellung der Komponenten und die Buchung auf den Fertigungsauftrag. Im Lager konnte zudem der Papierverbrauch reduziert werden. Musste man früher pro Auftrag sechs bis sieben Dokumente ausdrucken, sind es heute nur noch zwei: der Lieferschein und das Deckblatt für den Fertigungsauftrag.

43 Lagertypen definiert

Darüber hinaus hat Flawa mit der Umstellung die Prozesse an der Schnittstelle zwischen Produktion und Fertigwarenlager optimiert. „Wir haben uns hier wegen der Bedienerfreundlichkeit und des günstigen Preises für das iPhone entschieden“, sagt Sedat Demiri. Bei der Produktionsrückmeldung erfassen die Mitarbeiter im Werk alle notwendigen Daten mit dem Smartphone, auf dem die Mobisys-Lösung installiert und speziell an diese Aufgabe angepasst ist. Die Daten werden per UMTS ebenfalls direkt an das Backend übergeben und dort verarbeitet. Somit sind die Informationen zu den Warenbeständen im Fertigwarenlager stets aktuell und vollständig, was auch die Auskunftsfähigkeit der Verkäufer verbessern soll. Will ein Kunde z.B. 2.000 Beutel „Kosma Hygiene Watte“ bestellen, genügen wenige Mausklicks und der zuständige Verkäufer kann sagen, ob die erforderliche Anzahl am Lager und damit lieferbar ist.

Mit der Einführung der mobilen Lösung war das Beratungsunternehmen Orbis AG aus Saarbrücken beauftragt. Im Rahmen der Implementierung war es nötig, die Lagerhaltung, die bisher im SAP-Modul für die Materialwirtschaft auf Lagerorte erfolgte, neu zu strukturieren und auf Lagertypen und -plätze umzustellen. Die Tatsache, dass es am Standort in Flawil drei mehrgeschossige Läger gibt, die über unterirdische Durchgänge miteinander verbunden sind, erhöhte die Komplexität der Aufgabe. Hinzu kam, dass parallel zum Einführungsprojekt auch ein neues Lagergebäude errichtet wurde.

In der aktuellen Lagerhaltung sind heute 43 Lagertypen definiert. Darunter fallen neben systembedingten Schnittstellen etwa verschiedene Meister- und Kommissionierlager, diverse Blocklager für die Baumwolle, aber auch drei Sperrlager oder spezielle Lagertypen für die Medizinabteilung – insgesamt werden rund 4.000 Lagerplätze verwaltet. Die neue Lagerstruktur bietet auch die Möglichkeit der „chaotischen Lagerführung“: Roh- und Fertigwaren werden hierbei flexibel auf freie Lagerplätze verteilt, um vorhandene Lagerfläche so effizient wie möglich zu nutzen.



Die Flawa AG ...
... mit Hauptsitz in Flawil in der Schweiz ist ein Industrie- und Handelsunternehmen. Die Kernkompetenzen liegen in der Entwicklung, Herstellung sowie der Beschaffung und Vermarktung von Hygiene- und Pflegeprodukten auf der Basis natürlicher textiler Rohstoffen. Flawa ist im Wesentlichen in vier Geschäftsfeldern tätig: Watte- und Medizinprodukte, Stilleinlagen sowie Fußhygiene. Produziert wird unter der Marke „Flawa“ und unter Eigenmarken für Handelsketten in Europa und in Übersee. Die im Jahr 1900 gegründete Firma hat zurzeit rund 150 Beschäftigte und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 33 Mio. Euro.

www.flawa.ch

Bildquelle: Flawa




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