Low-Code

Keine Programmierkenntnis vonnöten

Im Interview erläutert Hans de Visser, VP Outbound Product Management bei Mendix, welche Rolle Low-Code bei der Entwicklung betriebswirtschaftlicher Applikationen spielt.

„Es handelt sich um eine attraktive Technologie, doch wie auch jede andere Technologie ist sie kein Allheilmittel“, betont Hans de Visser von Mendix.

„Es handelt sich um eine attraktive Technologie, doch wie auch jede andere Technologie ist sie kein Allheilmittel“, betont Hans de Visser von Mendix.

Herr de Visser, was verbirgt sich hinter Low-Code?
Hans de Visser:
Die Low-Code-Software-Entwicklung wird im Vergleich zu herkömmlicher Programmierung, die umfangreiche Entwicklerkenntnisse und mindestens eine Programmiersprache erfordert, durch die Verwendung eines visuellen Modells mit Drag-and-Drop-Komponenten vereinfacht. Diese visuellen Modelle sind intuitiver und zugänglicher für eine größere Gruppe von nicht-technischen Personen, ermöglichen es ihnen aber, sinnvolle Gespräche mit IT-Spezialisten über Geschäftslogik, Seitengestaltung und andere Lösungsanforderungen zu führen. Mit Low-Code entfällt die Notwendigkeit von Programmierkenntnissen. Das gesamte Spektrum der Business-Developer, deren Wissensstand von nicht-technischen Citizen-Developern bis hin zu professionellen Entwicklern reicht, wird befähigt, eigene Anwendungen zu erstellen und im Unternehmen einzusetzen.

Die endgültige Nutzung oder Funktion der Anwendung ist hierbei irrelevant – mithilfe von Low-Code kann jede geschäftskritische App schnell und einfach entwickelt werden. Traditionelle Entwickler, die auf einer Low-Code-Plattform arbeiten, werden weiterhin in der Lage sein, Anwendungen durch manuelles Schreiben von Code zu erstellen. Aber dank der integrierten Editoren, Governance-Tools, automatisierten Tests und der Möglichkeit, teilbare Komponenten der Geschäftslogik neu zu verpacken, können sich professionelle Entwickler auf innovative Projekte konzentrieren, die ihre speziellen Fähigkeiten erfordern. Am Ende erweitert Low-Code die Beteiligung am App-Entwicklungsprozess und ermöglicht es allen am Projekt beteiligten Personen, aktiv zum Ergebnis beizutragen.

Inwieweit wird Low-Code hierzulande bereits in der Entwicklung betriebswirtschaftlicher Applikationen eingesetzt?
De Visser:
Wir sehen eine zunehmende Akzeptanz von Low-Code in Deutschland. Zwei Beispiele sind Hello Fresh aus Berlin und die Stadtwerke Bielefeld, die mit unserer Low-Code-Plattform arbeiten. Hello Fresh bietet für den Verbraucher so genannte „Kochboxen“ an, also Pakete mit vorbereiteten Zutaten und Rezepten, die im Abonnement erhältlich sind. Aufgrund des enormen Wachstums benötigte das Unternehmen eine Lösung zur Verwaltung des Ende-zu-Ende-Prozesses für die Rezepterstellung, Menüplanung und den Einkauf von Zutaten. Durch die Automatisierung mithilfe der Low-Code-App konnten sie 40 Prozent der Zeit für die Dateneingabe einsparen und die Bearbeitungszeit verkürzen. Die Stadtwerke Bielefeld konnten über unsere Plattform ein Lastgangportal erstellen, um gesetzliche Anforderungen zu erfüllen und das Kunden-Management zu entlasten.

Stichwort „Wordpress für IoT-Apps“: Worin besteht der konkrete Vorteil der Low-Code-Entwicklung für die Industrie und Wirtschaft?
De Visser:
Der Fokus liegt hier auf dem Ansatz, Anwendungen in einer modellbasierten, visuellen Umgebung zu entwickeln, so dass Entwickler aller Qualifikationsstufen zur Erstellung neuer Anwendungen beitragen können. Mit unserer Low-Code-Entwicklungsplattform können Hersteller etwa die betriebliche Effizienz steigern, indem sie Prozesse schnell umgestalten, um bessere Ergebnisse über die gesamte Wertschöpfungskette zu erzielen, von Forschung und Entwicklung, Lieferkette und Fabrikbetrieb bis hin zu Marketing, Vertrieb und Service.

Können Sie weitere konkrete Anwenderbeispiele benennen?
De Visser:
Der globale Logistikdienstleister Kühne + Nagel hat mithilfe von Low-Code mehrere Middleware-Lösungen entwickelt, die dazu beigetragen haben, dass die Firma nicht nur verschiedene Fortune 500-Unternehmen als Kunden halten, sondern zusätzlich weitere als Kunden hinzugewinnen konnte. In einem statischen Warehouse-Management-System ist es schwierig, spezielle Kundenwünsche zeitnah umzusetzen. Früher hat eine solche Umsetzung zwischen sechs und neun Monaten gedauert. Dank Low-Code können derartige Wünsche nun innerhalb von zwei bis drei Wochen umgesetzt werden.

Welche Stolpersteine gibt es bei der Low-Code-Entwicklung?
De Visser:
Es handelt sich um eine attraktive Technologie, doch wie auch jede andere Technologie ist sie kein Allheilmittel. Es gibt Anwendungen, die einfach nicht in die RAD-Schiene (Rapid Application Development) passen und die auch weiterhin traditionell programmiert werden müssen, was aber völlig in Ordnung ist. Aber eines möchte ich klarstellen: Bei RAD-Anwendungen handelt es sich nicht um „Baby-Apps“. Wir helfen Kunden, Kern- und kritische Geschäftsanwendungen zu erstellen, bis hin zu innovativen Anwendungen, die helfen, die Marktdominanz zu verändern oder zu schaffen.

Bildquelle: Mendix

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