Ralf Thiemann, IBM

Keine Zukunft ohne Smart Metering

Interview mit Ralf Thiemann, Energieexperte bei der Unternehmensberatung IBM Global Business Services

Ralf Thiemann, IBM Global Business Services

Ralf Thiemann, Energieexperte bei IBM Global Business Services

Herr Thiemann, in welchen Bereichen lohnt sich der Einsatz mobiler Lösungen mit Smartphones und Tablets für Unternehmen der Energiebranche am meisten?
Ralf Thiemann: Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die Ausstattung des technischen Außendienstes z.B. für Wartung- und Instandhaltung der Stromnetze und Transformatoren. Damit Monteure und Netzingenieure im Feld genauso effektiv arbeiten können wie in ihren Büros, müssen sie ihre Aufträge, Schaltpläne und Dokumentationen auf mobilen Geräten verfügbar haben. Spezielle Softwarelösungen sind heute in der Lage, nahezu jede Anwendung zu „mobilisieren“, da die verfügbaren Bandbreiten inzwischen selbst für komplexe Aufgabenstellungen kein Hindernis mehr darstellen.

Können Sie uns bitte ein konkretes Anwendungsbeispiel nennen?

Thiemann: Im technischen Außendienst aller deutschen Netzbetreiber sind mobile Lösungen im Einsatz, wobei die Arbeitsabläufe den tatsächlich genutzten Funktionsumfang bestimmen.

Stichwort Smart Metering: Wie können die intelligenten Stromzähler mit mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets verknüpft werden?

Thiemann: Von einem intelligenten Stromzähler im Keller hat der Endkunde nur dann etwas, wenn er seinen aktuellen Verbrauch und die zu erwartende Stromrechnung ansprechend visualisiert im Wohnzimmer verfolgen kann. Die Verknüpfung erfolgt über das Home Gateway, das die Messdaten von Strom, Gas und Wasserzählern sammelt und weitergibt. Der Energieversorger erhält dabei nur die Informationen, die zur Abrechnung der Leistungen relevant sind.

Welche Vorteile können sich private Nutzer von Smart Metering versprechen?
Thiemann: Die Tage, in denen große Atomkraftwerke die Grundlast unserer Stromerzeugung übernahmen, sind in Deutschland gezählt. Wenn wir zukünftig verstärkt den Strom von Sonne und Wind nutzen wollen, werden wir alle lernen müssen, mit schwankenden Angeboten und Preisen umzugehen. Smart Meter sind dabei nur ein erster Schritt zu einer intelligenten Nutzung der zeitabhängig günstigeren oder teureren Energie.

Wie steht es derzeit um die Sicherheit bzw. den Datenschutz der privaten Energiedaten?
Thiemann: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schlägt aktuell vor, jedes Gateway mit entsprechender Sicherheitstechnik auszurüsten. Mittels Verschlüsselungstechnik würden dann nur Daten übermittelt, für die sich der Empfänger entsprechend als berechtigt ausgewiesen hat. Die Umsetzung dieses Ansatzes wird in der Branche gerade heiß diskutiert. Je nachdem wer im Gateway die Freigaben einrichten wird, könnte dies das Sicherheitsproblem verschieben aber nicht lösen. Auch deswegen wird es hier wohl zukünftig die Rolle des Gateway-Administrators geben.

Wie ist es derzeit um die Standardisierungen beim Smart Metering generell bestellt?
Thiemann: Im Zählerbereich gibt es zahlreiche Standardisierungsinitiativen, ohne dass zur Zeit absehbar ist, ob sich ein herstellerübergreifender Standard in der Praxis herausbilden wird. Der gegenwärtige Entwurf der technischen Richtlinien des BSI für das Smart-Metering-Schutzprofil sieht allerdings vor, dass die Kommunikation zwischen Zähler und Gateway den Vorgaben der Open Metering System Group (OMS) genügen muss. Das bedeutet: Mindestens eine Unterstützung der Anwendungsprotokolle M-Bus, DLMS/COSEM oder Smart Message Language (SML) muss erfolgen. Die Implementierung weiterer Protokolle ist natürlich möglich.

Zur Anbindung von mobilen Endgeräten, die nur zur Anzeige des Stromverbrauchs dienen, gibt es im Ausland erste Standards. Wir erwarten jedoch, dass das Gateway die mobilen Geräte mit Daten versorgt, die dann von Apps in den Marktstandards von Google Android, Apple iTunes und Microsoft verarbeitet und visualisiert werden.

Wie sieht Ihrer Ansicht nach die Weiterentwicklung von Smart Metering in den nächsten Jahren in Deutschland aus?
Thiemann: Noch ist Smart Metering etwas für engagierte Kunden, für die ein bewusster Umgang mit Energie persönlich wichtig ist. Diese Verbraucher werden profitieren, sobald sie an den entstehenden Vorteilen ausreichend finanziell beteiligt werden. Ob es Smart Meter für alle geben wird, hängt davon ab, ob es politisch gewollt und durchsetzbar ist, dass auch alle die Kosten für Messstellenbetrieb und Dienstleistungen tragen. Die Novellierung des EnWG gibt jedenfalls schon deutlich Impulse in diese Richtung, z.B. auch durch die Vorgabe, dass Haushalte mit einem Verbrauch über 6.000 kWh pro Jahr mit Smart Metern ausgestattet werden sollen. Ich persönlich glaube, dass eine stabile Energieversorgung bei schwankender Erzeugung ohne einen signifikanten Anteil von Smart Meter im Netz nicht umsetzbar ist.

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