Nachgefragt bei Olaf Kaszynski, PMeV

Kfz-Halterabfrage per Mobile Device

Interview mit Olaf Kaszynski, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Professioneller Mobilfunk e.V. (PMeV); im Verband vertritt er das Unternehmen Cassidian.

Olaf Kaszynski, PMeV

Olaf Kaszynski, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Professioneller Mobilfunk e.V. (PMeV)

Herr Olaf Kaszynski, Stichwort Mobile Computing: Ein Großteil der polizeilichen Kommunikation wird über BOS-Digitalfunk abgewickelt – inwiefern ist vor diesem Hintergrund überhaupt die Nutzung von Mobilfunklösungen z.B. per Smartphones und Tablet-PCs sinnvoll?
Olaf Kaszynski:
Der Umgang mit sicherheitskritischen Informationen und Daten erfordert Kommunikationssysteme, welche den besonderen Anforderungen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben genügen. Abhörsicherheit, Verfügbarkeit und einheitliche Kommunikationsstrukturen sind hierbei unabdingbare Kriterien für die Auswahl der zu nutzenden Systeme.

Das in Einführung befindliche bzw. in vielen Bundesländern bereits genutzte digitale Tetra-Funksystem erfüllt diese Anforderungen vollständig und ist auch für die Nutzung BOS-typischer Mobile-Computing-Anwendungen bestens geeignet. Für solche Anwendungen können bereits heute zertifizierte, datenfähige Funkgeräte und professionelle mobile Datenterminals mit Tetra-Funktionalität eingesetzt werden. Herkömmliche Smartphones und Tablets, die Datenverbindungen über kommerzielle Mobiltelefonsysteme nutzen, erfüllen die Voraussetzungen für den Einsatz im BOS-Umfeld dagegen nicht.

Welche konkreten Einsatzszenarien für Smartphones und Tablets gibt es im polizeilichen Umfeld bereits? Welche sind in naher Zukunft denkbar?
Kaszynski:
Um Missverständnisse zu vermeiden, muss an dieser Stelle ganz klar gesagt werden, dass handelsübliche Smartphones und Tablets aufgrund mangelnder Robustheit, aber insbesondere aufgrund fehlender Tetra-Funktionalität, für den polizeilichen Einsatz gänzlich ungeeignet sind, gerade wenn es um die Übertragung sensibler Daten geht.

Datenanwendungen sind aber über das Tetra-Digitalfunksystem der BOS mit entsprechend geeigneten Geräten (datenfähige Funkgeräte, professionelle mobile Datenterminals mit Tetra-Funktionalität) möglich. Typische Einsatzszenarien sind beispielsweise die Kfz-Halterabfrage, Personalausweis- oder Reisepasskontrolle oder die Übermittlung von Fahndungsdaten inklusive Fahndungsfoto an Polizeikräfte durch die Leitstelle.

Inwieweit können Polizeibeamte im Außendienst via Smartphones und Tablets Zugriff auf Datenbanksysteme (z.B. POLAS/INPOL) oder andere Backendsysteme nehmen? Inwieweit könnten dadurch die Leitstellen entlastet werden?
Kaszynski:
Der Zugriff auf Datenbanksysteme ist über das Tetra-Digitalfunksystem der BOS möglich. Durch die Nutzung mobiler Datenanwendungen werden einerseits die Leitstellen entlastet. Andererseits lassen sich aber auch Fehler, die bei der mündlichen Übermittlung von Informationen häufig auftreten, durch die Nutzung mobiler Datenanwendungen vermeiden.

Stichwort Sicherheit: Wie können bei der Nutzung von Mobile Computing zum einen die Sicherheit sensibler Ermittlungsdaten, zum anderen der Datenschutz betroffener Bürger gewährleistet werden?
Kaszynski:
Das Tetra-Digitalfunksystem der BOS ist auf die besonderen Sicherheitsbelange dieser Anwendergruppe ausgelegt. Es bietet einerseits die vom Tetra-Standard vorgesehenen Sicherheitsmerkmale und andererseits spezielle, für die deutschen BOS vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entwickelte Sicherheitsmerkmale. Im Gegensatz zu kommerziellen Mobiltelefonsystemen ist das Tetra-Digitalfunksystem der BOS daher für die Übertragung sensibler Ermittlungsdaten ebenso geeignet wie für die Übertragung sensibler personenbezogener Daten von Bürgern.

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