Großtrends

KI für die Massen und digitale Ecosystems

Gartner analysiert 35 Technologien und ordnet sie in fünf Großtrends ein - der neue Hypecycle ist da.

Wahrsager mit Glaskugel

IT-Glaskugel: Der der neue Hypecycle von Gartner ist da

Hosianna. Der alljährliche Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies ist da. Er wird ebenso gespannt erwartet wie das biblische Manna aus dem Himmel. Und aus demselben gefallen wirkt er manchmal auch. Manch ein Trend in diesem Analyseinstrument zeichnet sich dadurch aus, dass er eigentlich keiner ist. Gartner wertet für die in den Hypecycle eingeordneten Technologien in erster Linie Medienberichte aus, sodass es automatisch zu einer gewissen Verzerrung kommt: Nicht alles, worüber Medien intensiv berichten, ist schon ein marktgängiges Produkt.

Ein typisches Beispiel ist Smart Dust. Das sind vernetzte Computer, die Staubkorngröße haben und ihre Aktionen aufeinander abstimmen. Sie erforschen das Innere von Maschinen und Anlagen, können aber auch im Körperinneren von Menschen Krankheiten identifizieren oder sogar bekämpfen. Dieser intelligente Staub tauchte erstmals 2013 im Hypecycle von Gartner auf. Wie viele junge Trends erschien er ganz links im Bereich "Innovation Trigger", wo sich ausschließlich neue und oft unerprobte Technologien tummeln. Dort ist er auch 2018 zu finden und er hat immer noch dasselbe Problem: Es gibt ihn nicht, er ist nur Hype im Cycle.

One Hit Wonder und überschätzte Technologien

Über die Jahre hinweg hat Gartner eine ganze Reihe von "One-Hit-Wonder"-Trends und technologischen Flops in seinen Hypecycle aufgenommen. Stichworte wie Folksonomies oder Expertise Location wirken heute nur noch unverständlich. Deshalb ist es sinnvoll, die alljährliche Verkündung des Tech-Orakels von Stamford, Connecticut immer mit etwas Vorsicht zu lesen.

Doch neben nicht existierenden Staubwolken gibt es eine Reihe von tatsächlichen Trends, die in den letzten Monaten praktisch jedes IT- und auch manches Wirtschaftsmedium beschäftigt haben. So ist der Hypecycle dieses Jahr vollgestopft mit Einzeltechnologien rund um Robotik und künstliche Intelligenz.  Themen wie Deep Learning, IoT-Plattformen, virtuelle Assistenten und das Industrie-4.0-Konzept des Digital Twin werden von Gartner unter "Peak Hype" einsortiert: Der Absturz steht kurz bevor oder hat bereits begonnen.

Ein interessantes Detail: Autonomes Fahren auf Level Fünf wird im Innovation Trigger verortet - also ganz am Anfang. Level Vier dagegen hat den Gipfel der übertriebenen Erwartungen schon hinter sich und rauscht nun mit Höchstgeschwindigkeit in das Tal der Desillusionierung. Die auf Auswertung von Medien beruhende Positionierung enthält auch eine Angabe über die Dauer bis zum Erreichen des Plateaus der Produktivität. In beiden Fällen: mehr als zehn Jahre. Offensichtlich eine Folge der zahlreichen Warnungen der letzten Zeit, die verfügbare Technologie werde überschätzt, die Schwierigkeiten verharmlost.

Diese fünf Großtrends identifiziert Gartner

Nach Ansicht der Gartner-Analysten gibt es fünf technologische Großtrends, die in den nächsten zehn Jahren wichtig werden.

  1. Die nächsten Jahre werden von einer Demokratisierung der KI-Technologien bestimmt sein. Damit meint Gartner, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz leichter wird, etwa durch allgemein verfügbare KI-Entwicklungsplattformen und kostengünstige KI-Chips. Darüber hinaus werden KI-gestützte (Massen-)Produkte immer stärker unseren Alltag bestimmen, etwa Roboter, virtuelle Assistenten oder autonome Fahrzeuge.
  2. Ein weiterer wichtiger Großtrend ist der Übergang von abgeschotteten technischen Infrastrukturen zu Ecosystems. Die Blockchain und IoT-Plattformen die Grundlage dafür, dass Unternehmen Produkte, Services und Geschäftsmodelle zusammen mit Partnern verwirklichen und dadurch große Skalierungseffekte erreichen.
  3. Futuristisch ist das DIY-Biohacking. Darunter versteht Gartner Möglichkeiten, mit Technologien wie Biochips zur Krankheitserkennung oder Verbesserung menschlicher Sinne in den Körper einzugreifen. Auch das umgekehrte fällt darunter: Haut, Muskeln oder sogar Organe, die außerhalb des Körpers wachsen. Ein Großteil dieser Technologien hat eine Gemeinsamkeit mit Smart Dust: Es gibt keinerlei marktfähige Produkte.
  4. Technologien für immersive Erlebnisse werden schon eingesetzt, auch außerhalb der Gamer-Szene. So experimentieren erste Unternehmen mit Mixed-Reality-Brillen, die Wartungstechniker bei ihrer Arbeit unterstützen. Weitergedacht könnte das bedeuten, dass in recht naher Zukunft beispielsweise Videokonferenzen mit VR/AR-Brillen deutlich lebensechter als auf dem Display wirken. Für Gartner sind auch selbstheilende und sensorisch-adaptive Technologien "immersiv". Zu letzterem gehören Materialien, die sich bei Einwirken bestimmter Umweltbedingungen wie Feuchtigkeit, Temperaturwechsel oder Druck auf definierte Weise verformen.
  5. Die allgegenwärtige Infrastruktur ist der fünfte Großtrend aus Gartner-Sicht. Gemeint sind damit Technologien wie 5G, KI- oder Neuro-Chips. Sie vereinfachen zahlreiche Aufgaben, die heute noch High-Performance-Rechenzentren vorbehalten sind, denn sie erfordern große Bandbreite und hohe Arbeitsgeschwindigkeit. Die neuen Möglichkeiten der IT-Infrastruktur erlauben jedoch bandbreitenstarke Anwendungen zu jeder Zeit und an jedem Ort.

     

Bildquelle: Thinkstock

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