Startups aus Deutschland

KI übernimmt Routinejobs in Unternehmen

Der zweite Teil der kleinen Serie über KI-Startups in Deutschland zeigt, wie KIs Unternehmensfunktionen ausfüllen.

Die KI-Anwendungen der hier vorgestellten Startups übernehmen Aufgaben in Unternehmensfunktionen, etwa Recruiting, Fallmanagement, Dokumentauswertung oder Kundenkontakt. Daran zeigt sich recht deutlich, dass vor allem viele der oft als „Zuarbeit“ zu verstehenden Routinetätigkeiten vom Aussterben bedroht sind - wie viele Schreckensszenario überdeutlich betonen.

Doch die einzelnen Anwendungen sind eher für die Zusammenarbeit mit Menschen gedacht, die sie bei ihren Aufgaben unterstützen und entlasten. Ein Beispiel dafür ist Leverton, dessen KI Daten aus Dokumenten extrahiert. Die eigentliche Interpretation der Daten und die Entscheidung auf ihrer Basis bleibt wie bisher menschlichen Experten überlassen.

Welche Auswirkung eine solche KI-Lösung auf die Arbeitsplatzsituation in den Unternehmen hat, ist offen. Natürlich ist ein Arbeitsplatzabbau durch das Entfallen der Routinejobs plausibel. Doch ebenso ist eine andere Situation möglich: Die Unternehmen stellen zusätzliche Spezialisten (etwa Anwälte oder Finanzexperten) ein, da wegen der hohen Effizienz der KI-Anwendung deutlich mehr Aufträge übernommen werden können.

12Grapes

https://start12grapes.com/

Das Startup bietet ein Recruiting-Tool auf der Basis von künstlicher Intelligenz an. Das Unternehmen auf Bewerbersuche muss zunächst online eine Reihe von Fragen beantworten, in erster Linie zu Kompetenzen und Arbeitsweise. Anschließend folgen 15-minütige, vollständig automatisierte Video-Interviews. Der Trick dabei: Ein selbstlernender KI-Algorithmus analysiert die Daten aus Gesichtsbewegungen und emotionalen Reaktionen.

Die KI-Anwendung des Startups nutzt ein psychologisches Modell, Datenanalysen und Bilderkennungsverfahren, um ein Profil zu erstellen, das leichter mit denen von Bewerbern abgleichen werden kann und die Unternehmen besser entscheiden können, ob der Bewerber ins eigene Team passt. Dafür hat ein Team aus Psychologen, Data Scientists und Data Engineers ein Verfahren entwickelt, mit dem es die Faktoren messen kann, die Teams erfolgreich machen.

Cognotekt

http://www.cognotekt.com/

Dem 2013 in Köln gegründeten Unternehmen geht es um die Automatisierung von Prozessen, besonders bei der Bearbeitung von Schadensfällen in Versicherungen. Mit Hilfe von Deep Learning wird eine KI-Anwendung auf das Prüfen von Schadensmeldungen und den zugehörigen Dokumenten trainiert. Sie erkennt beispielsweise Muster in Kostenvoranschlägen von Autowerkstätten, die auf eine unsaubere Abrechnung hinweisen. Nur dann muss ein Sachbearbeiter einen Blick darauf werfen und den Antrag genauer prüfen.

Versicherungsunternehmen können hiermit die Schadensbearbeitung beschleunigen und die Sachbearbeiter entlasten. Cognotek will zudem den Einsatzbereich der KI erweitern. So soll sie sämtliche Kundennachrichten aus Briefpost und E-Mail lesen und auswerten. Zudem bietet das Unternehmen eine Lösung, die Kundenaussagen in sozialen Netzwerken und Blogs zur Branche oder dem Unternehmen auswertet und daraus Erkenntnisse für Marketing und Produktentwicklung ableitet.

Leverton

https://leverton.de/

Das 2012 gegründete Unternehmen gehört zu den Vorreitern in der Anwendung von Deep Learning im Dokumentenmanagement. Die Software liest Business-Dokumente wie beispielsweise Verträge und extrahiert daraus wichtige Informationen, die in eine normale Datenbankstruktur überführt werden. Die Ausgründung aus dem DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) hilft global agierenden Großbanken und Investoren, Großkanzleien, sowie Asset-Managern bei der Auswertung von juristischen Verträgen.

Mit der Lösung können die Leverton-Kunden wichtige Infos für Firmenübernahmen, Fusionen, Börsengänge oder Sanierungen schneller und effizienter aus den Dokumenten auslesen. Die mit den Themen befassten Mitarbeiter müssen jetzt nicht mehr die kompletten Verträge lesen, sondern können sich von der KI-Anwendung aller relevanten Informationen in übersichtlicher Tabellenform anzeigen lassen.

Parlamind

https://parlamind.com/

Das Berliner Startup beschleunigt mit künstlicher Intelligenz die Bearbeitung von Kundenanfragen - nach eigener Auskunft bewirkt die KI eine Produktivitätssteigerung von bis zu 37 %. Die Anwendung analysiert E-Mails und andere Nachrichten von Kunden und gibt den Service-Mitarbeitern Antwortvorschläge. Es handelt sich also nicht um ein automatisch antwortendes System, sondern eine Unterstützung des Support.

Durch die Integration in Zendesk sind alle Antwortvorschläge der KI direkt im beliebtesten Ticketingssystem abrufbar. Basis für die Antworten des Systems sind einige Millionen Konversation aus dem Kundenservice, die nach dem Prinzip des Deep Learning ausgewertet wurden. Das System versteht bisher mehr als 200 unterschiedliche Kontaktgründe und lernt jederzeit dazu, auch aus den von ihm in jeder Implementation bewältigten Dialogen mit Kunden.

Wunder.ai

http://wunder.ai/

Das noch recht junge Berliner Startup unterstützen E-Commerce-Anbieter mit KI-Technologien dabei, eine bessere Übereinstimmung zwischen Kunden und den für sie geeigneten Produkten zu erreichen. Es geht über eine einfache Produktsuche hinaus, vielmehr sollen mithilfe von Echtzeitanalytik, künstlicher Intelligenz und Produkt-Metadaten die echten und in Sozialnetzwerken sichtbaren Interessen von Kunden für den E-Commerce nutzbar gemacht werden.

Kern der Technologie von Wunder.ai sind Deep-Learning-Algorithmen, die Produktbewertungen und Kaufentscheidungen der Kunden in Echtzeit nachbilden. Dadurch erhalten die Händler die Möglichkeit, die Kunden ein möglichst passgenaues Angebot anzuzeigen. Da das System während seines Einsatzes auch weiterhin lernt, bekommen die Kunden immer passgenauere Produkte präsentiert.

Bildquelle: Thinkstock

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