Automatisierung der Gesundheitsbranche KI und RPA als Schlüsseltechnik?

KI und RPA als Schlüsseltechnik?

Bisher profitiert das deutsche Gesundheitswesen noch nicht so sehr von der Digitalisierung wie erhofft. Dabei könnte die Automatisierung von Prozessen helfen, die Effizienz zu steigern und das Personal zu entlasten.

KI und RPA als Schlüsseltechnik?

Automatisierung kann dabei helfen, Prozesse in der Gesundheitsbranche effizienter zu gestalten.

Medizinischer Fortschritt und die damit stetig steigende Lebenserwartung sind wundervolle Errungenschaften. Doch gleichzeitig schrauben die genannten Faktoren die Gesundheitsausgaben weiter nach oben. Dahinter stecken auch in Deutschland gewaltige Summen. Unabhängig von steigenden Kosten wird das Gesundheitswesen seit Jahren von einem zunehmenden Fachkräftemangel im medizinischen und vor allem pflegerischen Bereich in die Zange genommen. PwC beziffert für das Jahr 2030 den Mehrbedarf im deutschen Gesundheitswesen auf mindestens 400.000 Vollzeitfachkräfte. Zahlreiche politische Bemühungen, kurzfristig Abhilfe zu schaffen, sind bislang ohne Erfolg geblieben – zu groß sind die Versäumnisse der Vergangenheit.

Ähnliches gilt für die Einführung der elektronischen Patientenakte. Laut Bundesgesundheitsministerium werden die Kassen erst ab 2021 verpflichtet, elektronische Patientenakten zu führen, was den Austausch von Informationen zwischen den verschiedenen Playern im System einschließlich der Patienten erheblich erleichtern würde.

Tatsächlich ist die Diskussion um die elektronische Patientenakte symptomatisch dafür, wie wenig hierzulande die Digitalisierung im Gesundheitswesen angekommen ist. Dabei stellt sie die Voraussetzung für eine mögliche Automatisierung von routinemäßigen Prozessen dar und bietet damit ein ungeheures Potenzial für die Entlastung der Mitarbeiter von lästigen Tätigkeiten. Ärzte und Pflegekräfte hätten wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: die medizinische Versorgung der Patienten. Andere Länder sind uns hier weit voraus. Vor allem in Estland, Kanada, Dänemark und Israel, aber auch in Spanien und beim wegen chronischer Überlastung oft kritisierten nationalen Gesundheitsdienst NHS in Großbritannien sind digitale Technologien längst im Alltag von Praxen und Kliniken angekommen.

Einsparpotenziale durch RPA und Hyperautomation

McKinsey hat auf Basis der Daten des Jahres 2018 ein Sparpotenzial identifiziert, das mit konsequenter Digitalisierung und Automatisierung erzielt werden kann. Das reicht bis zum Einsatz von Software-Robotern (Robotic Process Automation, RPA), gegebenenfalls in Kombination mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML). Man spricht dann von Hyperautomation. Nach McKinsey brächte allein eine einheitliche elektronische Patientenakte Einsparungen in Höhe von mehreren Milliarden Euro jährlich. Elektronische Rezepte oder der Einsatz von Robotern im Krankenhaus könnten jeweils rund eine weitere Milliarde einsparen. Die vollständige Automatisierung der Arbeitsabläufe würde nicht nur die Ausgaben senken, sondern auch das Personal entlasten. Dieses hätte damit wieder mehr Zeit für die Arbeit mit den Patienten.

Vorteile herausstellen und Bedenken ausräumen

Wenn in Großbritannien bei mehr als der Hälfte aller Organisationseinheiten des NHS schon heute KI zum Einsatz kommt, warum sollte Hyperautomation nicht auch die überlasteten Pflegekräfte in Deutschland von lästiger Routine befreien? Übrigens würden laut McKinsey nur 30 Prozent der Einsparungen den Kostenträgern zu Gute kommen. Der große Rest nutzt den Leistungserbringern wie niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Sie sollten ihre oft geäußerten Bedenken wegen zusätzlicher Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung also noch einmal überprüfen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05-06/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo. 

Mit wachsendem Kosten- und Personaldruck wird das deutsche Gesundheitswesen am Einsatz von RPA-Lösungen, wie sie etwa UiPath anbietet, nicht vorbeikommen. Zudem gilt KI als die Schlüsseltechnik der Zukunft. Sie kann und wird auch die Medizin revolutionieren. Dafür benötigt man aber die Daten der Patienten. Hochsensible Daten, die selbstverständlich entsprechend geschützt werden müssen. Generell ist jeder zweite Deutsche schon heute bereit, seine Gesundheitsdaten mit Ärzten und Krankenkassen zu teilen. Eine Bereitschaft, die die Politik nicht länger ignorieren darf, sondern mit flankierten Maßnahmen begleiten muss. Best Practices dazu bietet Einblick in fast alle unserer Nachbarländer.

Um die Potenziale von RPA in Deutschland aufzuzeigen, nehme man exemplarisch ein allgemeines Krankenhaus. Aufgrund erheblicher Probleme resultierend aus den wachsenden Patientenzahlen bei veralteter Infrastruktur beschließt man durch die Einführung von RPA die betriebliche Kontrolle auf Dauer wiederzuerlangen. Ohne lästige Altlasten, die nicht mehr in moderne Systeme integrierbar wären. Medizinprodukte werden in diesem Krankenhaus nun automatisch auf Basis des früheren Bedarfs auf Lager gehalten. Software-Robots erledigen 80 Prozent der Rechnungen und Beanstandungen. 75 Prozent der Patienten zeigten sich aufgeschlossen gegenüber der Einführung innovativer und funktionaler digitaler Dienste wie einer Terminvergabe via Online-Plattformen.

Das Jahr 2020 wird zum Jahr der Entscheidung. Im besten Fall zu einer Entscheidung für einen konsequenten Weg zum Einsatz von Digitalisierung, RPA und Hyperautomation im deutschen Gesundheitswesen. Patienten und Mitarbeiter hätten es jedenfalls verdient. 

Bildquelle: GettyImages/iStock

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok