Smart Living

Komfort statt Chaos

Im Interview gibt Ali Reza Humanfar, Gründer und Geschäftsführer des Start-ups Hum Systems, ein paar Tipps, damit aus smarten Lösungen nicht plötzlich smarte Probleme werden.

Ali Reza Humanfar

„Unsere Smart-Living-Station kann sehen, hören, fühlen und riechen“, so Ali Reza Humanfar.

MOB: Herr Humanfar, viele Menschen verbringen so viel Zeit in ihren vier Wänden wie nie zuvor. Inwiefern spiegelt sich das auf dem Markt für Smart-Home-Lösungen wider?
Ali Reza Humanfar:
Mit Beginn der Pandemie haben viele Menschen ihr Zuhause neu denken müssen und das Thema „Homeoffice“ wurde zum Pflichtprogramm. Wer mehr Zeit daheim verbringt, der möchte es sich auch gemütlich machen. Komfort zeichnet sich heutzutage aber nicht mehr allein durch Mobiliar und Wohnaccessoires aus, sondern auch durch intelligente Vernetzung von Geräten, die automatische Szenen ermöglichen, und eine bequeme Steuerung per App. Insgesamt sind die Möglichkeiten von Smart-Home-Technologie vielfältig: Sie reichen vom Energie-Management bis zu Lösungen, die für eine gesunde Wohnumgebung sorgen. Gerade letzteres ist ausschlaggebend für ein produktives Arbeitsklima – auch in den eigenen vier Wänden. Was Pflanzen allein nicht schaffen, können smarte Geräte unterstützen: eine Überwachung der Luftwerte mit Auswertungen, die zum richtigen Heizen und Lüften animieren, automatisierte Frischluftzufuhr, die richtige Luftfeuchtigkeit oder Helligkeit im Raum. Das alles lässt sich smart steuern, um einen heimischen Bürotag komfortabel zu gestalten.

MOB: Welche Aspekte werden bei der Einrichtung eines Smart Home häufig übersehen?
Humanfar:
Wir gehen selbst aktiv in die Recherche und führen Befragungen unserer Kunden durch – natürlich um das Kundenerlebnis mit unseren Produkten zu verbessern, aber auch, um die Ansprüche und das Verständnis von Smart Home besser einzuordnen. Dabei zeigt sich, dass Einsteiger gerne auch mal überfordert sind mit der Bandbreite an Möglichkeiten. Welche Sensoren benötige ich? Muss ich mich für einen Hersteller entscheiden oder kann ich verschiedene miteinander koppeln? Oftmals werden dann gleich zu Beginn sehr viele verschiedene Geräte gekauft, die verschiedene Ansprüche abdecken sollen. Das Problem dabei: Viele Geräte heißt oft auch viel Aufwand. Lassen sich die Geräte nicht aufeinander konfigurieren oder sind nicht alle Geräte miteinander kompatibel, bedeutet dies, dass die Geräte einzeln mit verschiedenen Apps bedient werden müssen. Dann werden aus smarten Lösungen plötzlich smarte Probleme und aus Komfort eher Chaos. Kunden wünschen sich eine einfache, leicht bedienbare Lösung für ihr Zuhause, die genau den Mehrwert bietet, den sie verspricht. Zudem ist die Anschaffung vieler einzelner Komponenten oft sehr kostspielig und der Anschaffungspreis spiegelt nicht die Effizienz wider, die man sich verspricht.

MOB: Inwiefern kann das All-in-one-Modell Livy Alive hier aushelfen? Was genau hat es damit auf sich?
Humanfar:
Unsere Livy Alive kombiniert mehrere smarte Sensoren bzw. Geräte in einer kompakten Station und bietet gleichzeitig fast alle Schnittstellen zu anderen Smart-Home-Systemen. Der größte Vorteil unserer Station liegt in den vielen Anwendungsgebieten, die dank der Sensoren möglich sind, und der Kompatibilität zu anderen Systemen. Livy Alive vereint Kamera, Bewegungsmelder, Luft-, Licht-, Lärmsensoren, CO-Detektor, Sprechfunktion, LEDs und Gateway kompakt in einem einzigen Gerät. Dadurch sind smarte Anwendungen im Bereich „Einbruchs- und Brandschutz“ möglich. Aber auch für pflegebedürftige Menschen bietet die Station Funktionen, die ein langes und selbstbestimmtes Leben im eigenen Haushalt unterstützen. Dank unserer Community-Funktion lassen sich Familienmitglieder und Vertrauenspersonen, wie Nachbarn oder Pflegepersonal, miteinander vernetzen. Livy bietet mit dem Gerät vielfältige Möglichkeiten der barrierefreien Kommunikation per Video und Audio. Damit erlaubt es einen direkten Austausch in Alarmsituationen per Fernzugriff. Das Bild wird abgerundet durch eine benutzerfreundliche Bedienbarkeit. Die Smart-Living-Station ist in wenigen Minuten per App installiert und lässt sich ohne teure Monteure per Klebepad und Magnethalterung an der Wand oder Decke befestigen.

MOB: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Meldesystem zu entwickeln? Was waren die ersten Schritte auf dem Weg zur fertigen Lösung?
Humanfar:
Zwei der größten Herausforderungen unserer Zeit sind der demografische Wandel sowie der Fachkräftemangel in systemrelevanten Berufen wie Krankenpflege, Rettungsdienste, Erziehung, Sozialarbeit etc. Von den rund 82 Millionen in Deutschland lebenden Menschen sind rund 29 Millionen über 60 Jahre alt. Das bedeutet, dass 35 Prozent der Bevölkerung auf die Unterstützung der vor allem systemrelevanten Berufe angewiesen sind. Die Digitalisierung in Gebäude, z.B. um Angehörige und ihre Eltern oder systemrelevante Berufe dabei zu unterstützen, ihre tägliche Arbeit besser zu verrichten, kann die entscheidende Entlastung bringen und einen enormen Schub für ein neues gesellschaftliches Miteinander zur Folge haben. Dabei sind Themen wie häusliche Pflege genauso relevant wie intelligente Gebäudevernetzung. Über dem Ganzen steht für uns das Thema „Smart Living“. Wir wollten eine leistungsstarke und leicht bedienbare Lösung entwickeln, die in allen Umfeldern und Gebäuden eingesetzt werden kann. Sensorik stellt für alle Use Cases den Ausgangspunkt dar – ohne Sensor kein Aktor. Um unsere Vision zu verwirklichen, müssen alle Räume mit Sensoren ausgestattet werden. Daher haben wir uns entschieden, ein Gerät zu entwickeln, das ähnlich wie ein Mensch mit allen Sinnen ausgestattet ist. Unsere Smart-Living-Station kann sehen, hören, fühlen und riechen. Das allerwichtigste dabei ist, dass die durch die Sinnesorgane erkannten Situationen über standardisierte Schnittstellen für andere Systeme bereitgestellt werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

MOB: Welche Projekte stehen bei Ihnen in Zukunft auf der Agenda?
Humanfar: Dank unseres multidisziplinären Teams haben wir die Möglichkeit, inhouse sehr agil zu arbeiten und uns in unserer Weiterentwicklung stark an Kundenbedürfnissen zu orientieren. In naher Zukunft soll Livy Alive durch automatische Software-Updates Hilferufe, Inaktivität, Glasbruch und Stürze erkennen, um eine schnelle Hilfe für die Betroffenen zu sichern. Wir sind in der Lage, Menschen eine zukunftsfähige Lösung anzubieten, die viele aktuelle Problematiken im (Heim-)Pflegebereich adressieren kann. Wir wollen ein selbstbestimmtes Leben für viele pflegebedürftige Menschen maßgeblich erleichtern und arbeiten mit unserem Team daher an entsprechenden Funktionen. Außerdem wird Livy Alive als Sensorzentrale in Projekten anderer Lösungsanbieter zum Einsatz kommen.

Bildquelle: Hum Systems

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