„KI wird künftig eine immer größere Rolle spielen, sei es bei der Diagnostik oder bei der Therapie einer Krankheit“, sagt Daniel Amann von Edupression
MOB: Apps, die sich mit der psychischen und physischen Gesundheit von Usern befassen, waren vor nicht allzu langer Zeit in Deutschland kaum verbreitet. Inwieweit hat sich diese Situation verändert und wie ist heute der Stand?
Daniel Amann: Gerade in Deutschland ist in den vergangenen zwei Jahren ein Markt mit professionellen und medizinisch wirksamen Apps entstanden. Der Hauptgrund dafür ist ein geregeltes Zulassungsverfahren für sogenannte digitale Anwendungen (kurz DiGA); hier werden höchste Ansprüche an die medizinische Wirksamkeit und Datensicherheit gelegt.
MOB: Was sind die Gründe, die zu diesem Wechsel im Denken der Deutschen und auf dem App-Markt beigetragen haben?
Amann: Apps sind mittlerweile zu einem integralen Bestandteil unseres Lebens geworden. Jeder Besitzer eines Smartphones hat eine Vielzahl an Apps gespeichert oder nutzt diese auch täglich. Es lag daher nahe, auch in der medizinischen Versorgung auf Apps zuzugreifen.
MOB: Welche Arten von Gesundheits-Apps sind derzeit besonders beliebt? Welche gibt es besonders häufig auf dem Markt?
Amann: Laut BKK-Dachverband wurden die DiGA Kalmeda (8.600 Nutzende), Vivira (rund 8.000) und Zanadio (6.200) am häufigsten verschrieben; diese sind für die Diagnose Tinnitus, Schmerzen und Adipositas zugelassen. Aber auch im Bereich der psychischen Gesundheit gibt es eine ganze Reihe an medizinischen Apps.
MOB: In welchen Bereichen gibt es aktuell noch Marktlücken?
Amann: Wir sind der Ansicht, dass es in allen Fachgebieten noch Platz für neue, innovative Lösungen gibt. Wenn man sich vorstellt, dass derzeit nur rund 30 Apps im DiGA-Verzeichnis gelistet sind, wird der künftige Bedarf für viele zusätzliche Anwendungen noch deutlicher.
MOB: Worauf genau sollten Unternehmen achten, wenn sie eine Gesundheitsapplikation entwickeln und auf den Markt bringen wollen? Welche „Basics“ müssen Health-Apps erfüllen – vor allem mit Blick auf den Nutzerkomfort?
Amann: DiGAs müssen neben der medizinischen Evidenz auch den gesetzlichen Vorgaben zu Datenschutz und -sicherheit entsprechen; das Unternehmen selbst muss ein Informationssicherheitmanagementsystem zertifiziert haben, z.B. mit einer ISO 27001 Zertifizierung. Apps sollen ohne weitere Unterstützung durch Ärzte, bzw. Therapeuten verwendet werden können. Damit versteht es sich von selbst, dass an den Nutzerkomfort ein hoher Anspruch zu stellen ist. Das kann gerade bei komplexen medizinischen Themenstellungen nicht immer ganz einfach in der Umsetzung sein.
MOB: Welche Rolle spielen die Themen „Sicherheit“ und „Datenschutz“ im Bereich der Health-Apps und wie sicher sind diese z.B. vor Cyberkriminellen?
Amann: Datensicherheit und -schutz stellen ein sehr hohes Gut im Bewusstsein der Anwender dar. Ein hohes Maß an Datensicherheit wird mittels sogenannter Penetrationstests gewährleistet – diese sollten von unabhängiger Stelle durchgeführt werden. Sicherheitsaspekte müssen auch im Rahmen der relevanten Medizinproduktevorschriften und einer entsprechenden Risikobeurteilung und Qualitätsmanagement beachtet werden. Zum Datenschutz ist insbesondere auch das Erfordernis der Datenverarbeitung innerhalb der Europäischen Union zu erwähnen. Das bedeutet, dass keine Patientendaten in unsicheren Drittländern übertragen oder verarbeitet werden dürfen.
MOB: Inwiefern spielt Künstliche Intelligenz eine Rolle im Bereich der Health-Apps? Was kann KI generell im Bereich „Gesundheit“ leisten?
Amann: KI wird künftig eine immer größere Rolle spielen, sei es bei der Diagnostik oder bei der Therapie einer Krankheit. Mit entsprechenden Patientendaten können dann künftig z.B. depressive Episoden zu einem sehr frühen Zeitpunkt vorhergesagt werden, so dass es zu keiner vollen Ausprägung des Krankheitsbildes mehr kommen muss. Genauso werden dann Therapien noch stärker personalisiert, das heißt, an die Patienten angepasst werden können.
MOB: Wie sieht die Zukunft der Gesundheits-Apps aus, auch mit Blick auf Technologien wie Virtual Reality? Wird sich deren Akzeptanz weiter erhöhen und was können sie künftig noch leisten?
Amann: Virtual Reality kann sicherlich nochmals die Nutzerfreundlichkeit bei Apps erhöhen und das „Erlebnis“ App so noch greifbarer machen. Neben den technischen Voraussetzungen wird bei Nutzung der VR auch öfter von Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel und Desorientierung berichtet. Sind diese Herausforderungen überwunden, sollte jedoch einem entsprechenden Erlebnis nichts mehr im Wege stehen.
Bildquelle: Edupression