Homeoffice

Kommt bald das Recht auf Heimarbeit?

Homeoffice-Regelungen verbreiten sich nur langsam in den Unternehmen. Die SPD will mit einem Gesetz nachhelfen.

Mann sitzt entspannt mit Notebook auf dem Boden vor dem Sofa

Homeoffice macht zufrieden, findet die Hälfte der Beschäftigten in Unternehnen

Alle reden von Homeoffice, wir nicht - dieses Motto gilt für zahlreiche deutsche Unternehmen. Sehr viele Arbeitgeber sind skeptisch und halten an der Vorstellung fest, dass die Arbeit am besten auch am Arbeitsplatz erledigt wird. Zwar sagen nach einer Bitkom-Umfrage gut 39 Prozent der Arbeitgeber, dass sie an Mitarbeitern die Freiheit geben, auch abseits der klassischen Büroräume zu arbeiten. Im Umkehrschluss bedeutet das: Eine Mehrheit der Unternehmen bevorzugt immer noch die Anwesenheit der Mitarbeiter.

Das liegt häufig natürlich in der Natur der Arbeitsplätze, so sind natürlich Bürojobs in hohem Maße auch zu Hause auszuüben. Doch sehr viele Unternehmen sind der flexiblen Heimarbeit gegenüber generell kritisch eingestellt. Typische Gegenargumente: Die Mitarbeiter sind nicht jederzeit ansprechbar (33%), die Arbeitszeit ist nicht zu kontrollieren (29%), die Datensicherheit ist bedroht (22%), die technische Ausstattung ist zu teuer (16%) und Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen könne sinken (9%).

Praktische und gesetzliche Hürden

Als großes Hindernis werden zudem gesetzliche Regelungen zum Arbeitsschutz gesehen. Der Digitalverband Bitkom setzt sich dafür ein, die Vorgaben ans digitale Zeitalter anzupassen. Gesetzliche Hürden wie der starre Acht-Stunden-Arbeitstag und die elfstündige Mindestruhezeit, wenn bei Home-Office-Regelungen zum Stolperstein. „Wer spätabends noch mal die Dienstmails checkt und am nächsten Morgen wieder am Arbeitsplatz ist, verstößt gegen die Gesetze“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Das Arbeitsrecht ist in diesen Punkten nicht mehr zeitgemäß und setzt Arbeitnehmer massenhaft ins Unrecht. Es ist höchste Zeit, diese aus der Zeit gefallenen Regeln zu ändern.“

Tatsächlich sind solche Regelungen auf den Arbeitsalltag in der Industrieproduktion zugeschnitten, wo die meisten Leute eher monotone und anstrengende Arbeiten ausführen mussten - bis die Werkssirene das Ende des als lästig empfundenen Arbeitstages anzeigt. Diese Art der Arbeit wird seit einigen Jahren immer seltener, in vielen Unternehmen haben die meisten Mitarbeiterbürojobs, die dank der modernen Technik ein gewisses Maß an Freiheit erlauben. So findet laut D21-Digital-Index 2018/2019  fast die Hälfte der Berufstätigen, dass zeitlich und räumlich flexibles Arbeiten die Lebensqualität steigert.

Homeoffice verbessert das Arbeitgeber-Image

Obwohl der Anteil der Unternehmen mit Home-Office-Regelungen langsam steigt, können trotzdem nur 16 Prozent aller für den Digital Index befragten Mitarbeiter zu Hause oder anderswo arbeiten. Bei etwa 56 Prozent ist Homeoffice laut eigener Auskunft nicht mit der jeweiligen Arbeit vereinbar. Je nach Branche und Art des Arbeitsplatzes steigt der Anteil der Mobil- und Heimarbeiter. Bei Bürotätigkeiten sind es 30 Prozent.

Dass die Zahl nicht höher ist, liegt häufig an den Rahmenbedingungen: Lediglich 44 Prozent bekommen von ihrem Arbeitgeber ein Notebook gestellt, 25 Prozent ein Smartphone und 14 Prozent Software-Werkzeuge für die gemeinsame Arbeit an Dokumenten. Diese Zahlen werden sich wohl langsam zum positiven entwickeln, denn viele Unternehmen haben die Werbewirkung von digitalen Tools entdeckt. Um Bewerber für sich zu begeistern, verspricht so gut wie jedes zweite Unternehmen laut einer Bitkom-Umfrage inzwischen potentiellen Mitarbeitern neue hochwertige Technologie am Arbeitsplatz.

Die SPD will ein Recht auf Heimarbeit

Trotzdem bleibt der Anteil der Mobil- und Heimarbeit hinter den Möglichkeiten zurück, wenn er auch langsam wächst. 2014 ermittelte der Digitalverband Bitkom, dass erst jedes fünfte Unternehmen Homeoffice ermöglicht, 2016 war der Anteil schon auf ein Drittel angestiegen. Seitdem ist das Wachstum allerdings etwas gebremst. Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass gut 40 Prozent aller Beschäftigten ihre Arbeit auch digital von zu Hause oder einem anderen Ort aus erledigen können.

Um diese Zahl zu erreichen, will die SPD ein Recht auf Homeoffice als Gesetz erlassen. Die Deutsche Presseagentur DPA berichtete über ein entsprechendes Konzept der Partei. Damit ist allerdings laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel kein schrankenloser Anspruch des Arbeitnehmers gemeint, der Arbeitgeber könne den Wunsch mit hinreichender Begründung ablehnen. Immerhin eine kleine Verbesserung: Ausreden gelten dann nicht mehr.

Bildquelle: Thinkstock 

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