Vernetztes Fahrzeug

Konnektivität zwischen Smartphone und Boardcomputer

Aktuelle Entwicklungen in Sachen Konnektivität zwischen mobilem Endgerät und Bordcomputer des Automobils

  • Als erster deutscher Automobilhersteller bringt Mercedes-Benz das Infotainmentsystem Car Play von Apple ins Auto.

  • Mithilfe von Mirror Link, ein Standard für Car Connectivity, soll die Verbindung zwischen Infotainmentsystemen von neuen Toyota-Fahrzeugen mit Smartphones funktionieren.

Für viele Autofahrer sind die Konnektivität und insbesondere die Integration von personalisierten Daten in die Umgebung ihres Fahrzeugs wichtiger als die Motorleistung – so eine repräsentative Bitkom-Umfrage zum Thema „intelligente Mobilität“. Seit einigen Jahren wird deshalb in der Automobilbranche an Anbindungen von Smartphones an den Bordcomputer gearbeitet. Kunden-Apps sollen im Fahrzeug verwendet werden können, ohne den Fahrer abzulenken. Visionär betrachtet, würden Fahrzeuge, die untereinander und mit der Umgebung vernetzt sind, auf den Verkehrsfluss und Aktionen des Vordermanns besser reagieren, um Unfälle zu verhindern oder vermeidbare Wartezeiten zu reduzieren. Doch wie ist der aktuelle Entwicklungsstand diesbezüglich?

Kooperationen wollen den Markt entwickeln

Neben Automobilherstellern arbeiten auch Smartphone-Hersteller, App-Entwickler und Web-Service-Provider mit Hochdruck am vernetzten Fahrzeug. Dabei haben sich viele Unternehmen in großen Gemeinschaften zusammengefunden, um Standards zu entwickeln. Die erfolgversprechendsten scheinen derzeit Mirror Link, Car Play und Android Auto zu sein.

Mirror Link existiert seit 2012 und ist ein Standard für Android. Von den als kompatibel gelisteten Smartphones sind real jedoch nur wenige wirklich reibungslos anschließbar. Im VW Polo oder im Toyota Corolla wird ein Mirror-Link-kompatibles Infotainmentsystem bereits serienmäßig verbaut.

Car Play wurde im Juni 2013 von Apple vorgestellt und wird in der neuen Mercedes-C-Klasse und im Volvo XC90 verbaut. Aber auch Audi und weitere Hersteller sind mit ihren Entwicklungen bezüglich der Integration des Standards weit fortgeschritten.

Android Auto wurde Juni 2014 von Google vorgestellt. Aufgrund der Kurzfristigkeit und vermutlich auch wegen der Verfügbarkeit von Mirror Link ist die Integration bei den Fahrzeugherstellern derzeit noch nicht ganz so weit vorangeschritten. Besonders erwähnenswert ist der Volvo XL 90. Er soll neben Car Play auch Android Auto unterstützen. Doch nicht nur die neusten Automodelle können von derartigen Entwicklungen profitieren. Auch für Gebrauchtwagen wird es entsprechende Lösungen zum Nachrüsten geben. Wie gut sich diese Aftermarket-Systeme jedoch tatsächlich integrieren lassen, ist von den Fahrzeugherstellern abhängig und lässt sich heute nicht generell vorhersagen.

Vorreiter „BMW Connected“

Einen unabhängigen Weg schlugen Ford und die BMW Group ein. Die beiden Hersteller haben jeweils eine eigene Anbindung entwickelt und diese bereits seit 2013 als Sonderausstattung im Angebot. BMW hat in seinem laufenden Programm „Apps for Automotive“ die Apps „BMW Connected“ und „Mini Connected“ für das Betriebssystem Android und iOS veröffentlicht und die dazugehörige erweiterte fahrzeugseitige Telematikschnittstelle entwickelt. Mit diesen Anwendungen werden die Kommunikation und die Autorisierung geregelt. Damit liegt die End-To-End-Anbindung vollständig in einer Hand und bietet dem Hersteller mehr Möglichkeiten. Autorisierte Apps können Fahrzeugdaten für ihre Zwecke nutzen und diese auch anderen Systemen zur Verfügung stellen. Ergänzend zu dem bidirektionalen Datenfluss gibt es eine eigene Schnittstelle für Oberflächenbeschreibungen. Damit können Anwendungen nahtlos integriert und über die gewohnte Menüführung im Infotainmentsystem mittels der Fahrzeugperipherie angesteuert werden. Mit dieser Anbindung schafft sich die BMW Group die Möglichkeit, eigene Entwicklungen schnell und unabhängig ins Fahrzeug zu bringen. Da diese Anbindung vollständig in der Hand des Herstellers liegt, sollen Probleme der Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit entfallen.

Weitere Entwicklungen

Zukünftig soll Entwicklern ein hauseigenes Development Kit (SDK) an die Hand gegeben werden, mit dem sich Daten, Dienste und Steuerbefehle mit dem Fahrzeug austauschen lassen. Bei diesem Vorhaben hat BMW eine Kooperation mit der IT-Beratung Acando geschlossen. Diese unterstützt insbesondere bei der Entwicklung des SDK sowie bei der Wartung des Frameworks und einiger bereits vorhandener Apps.



Bildquelle: Acando

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok