Bargeldloses Bezahlen

Kontaktlos? Sicher!

Noch vor der Pandemie war den Deutschen ihr Bargeld äußerst wichtig und es herrschte ein gewisses Misstrauen gegenüber mobilen Zahlungslösungen. Das hat sich inzwischen – nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise – drastisch verändert.

  • Bargeld – ja oder nein?

    „Bargeld – ja oder nein?“ ist eine Frage, die jeder Deutsche aktuell noch anders beantwortet. Die Tendenz geht derzeit allerdings eher in Richtung „Mobile Payment“. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))

  • Oliver Hommel

    „Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen ist durch die Pandemie zwar stärker in Fahrt gekommen, aber er ist kein Kind der Pandemie“, betont Oliver Hommel von Euro Kartensysteme. ((Bildquelle: Euro Kartensysteme GmbH/Nicole Matschoss))

  • Nicole Defren

    „Mobiles und kontaktloses Bezahlen sollte für Kunden so bequem und unkompliziert wie möglich gestaltet sein“, hebt Nicole Defren von Klarna hervor. ((Bildquelle: Klara))

  • Victor Bergmann

    „Ob es eine bargeldlose Zukunft in Deutschland geben wird, sollen die Verbraucher entscheiden“, sagt Victor Bergmann von Google Pay. ((Bildquelle: Victor Bergmann, privat))

Immer mehr Menschen zahlen elektronisch. Ein Hauptgrund dafür scheinen die nach wie vor hohen Corona-Fallzahlen zu sein, die sich auf das Bezahlverhalten vieler auswirken. Die fortschreitende Digitalisierung tut ihr übriges: So sind neben Giro- und Kreditkarten mittlerweile auch Smartphones und Smartwatches beliebte Mittel für das kontaktlose Bezahlen geworden.

Die steigende Tendenz zum kontaktlosen Bezahlen belegt u.a. eine Studie von Evo Payments in Kooperation mit Visa: Rund 80 Prozent der europäischen Umfrageteilnehmer bestätigen, dass sie zunehmend elektronisch zahlen. Bereits im vergangenen Jahr stellte der Digitalverband Bitkom zudem in einer Studie fest, dass 79 Prozent der Einzelhändler inzwischen die Möglichkeit anbieten, bargeldlos zu zahlen. All das weist darauf hin, dass die Corona-Pandemie deutliche Auswirkungen auf den gesamten Bereich „Mobile Payment“ hat.

Schnell, sicher, hygienisch

Auch Victor Bergmann, Head of Partnerships bei Google Pay, DACH und MENA, sieht diese Entwicklung: „Immer mehr Menschen wollen neben Bargeld auch die Möglichkeit nutzen, mit ihrem Smartphone zu zahlen. So hat eine repräsentative Umfrage der GfK vom Juni 2021 im Auftrag von Mastercard gezeigt, dass mehr als ein Fünftel der Menschen bereits mobiles Bezahlen mit Handy und Smartwatches nutzt“, untermauert er.

„Mit dem kontaktlosen Bezahlen fühlen sich die Menschen heute einfach wohler als damit, Geldscheine und Münzen mit ihren Mitmenschen auszutauschen“, ergänzt Nicole Defren, Director Commercial DACH bei Klarna. Eine Studie ihres Unternehmens belege, dass die Mehrheit der Deutschen bereits ab Beträgen von 11 Euro zu kontaktlosen Bezahllösungen greift. Dass dieser Trend bereits vor der Pandemie absehbar war, berichtet Oliver Hommel, Mitglied der Geschäftsführung der Euro Kartensysteme GmbH. Eine kontaktlose Kartenzahlung sei schnell, sicher und hygienisch – dies sei für Kunden, Händler und Kassenpersonal aktuell besonders wichtig.

Bei der Wahl der digitalen Payment-Lösung spielt vor allem die Customer Experience eine große Rolle. „Zuallererst fällt mir da natürlich das Stichwort ‚Komfort‘ ein“, betont Oliver Hommel. Eine gute Lösung sei so gestaltet, dass sie für Kunden und Händler gleichermaßen intuitiv und einfach zu nutzen ist. „Eine Basisvoraussetzung dafür ist, dass die Bezahllösung verlässlich funktioniert und die Kunden ein gutes Gefühl mit ihr haben.“ Was zudem zum Komfort gehöre: „Wir haben ein sehr breites Akzeptanznetz in Deutschland.“

Nicole Defren rät zu einer Vielfalt von Zahlungsmöglichkeiten, um einen reibungslosen Einkauf zu gewährleisten – dieser sei essenziell für die Customer Experience. „Zudem müssen Apps und mobile Webseiten unbedingt für die Nutzung mit dem Smartphone optimiert sein“, betont sie. Das heißt: Buttons in entsprechender Größe, automatisches Anzeigen passender Eingabefelder für E-Mail, Telefonnummer und Geburtsdatum. Auch mit Blick auf mobile Bezahllösungen im stationären Handel sollten Anbieter breit aufgestellt sein.

Vertrauen schafft Vertrautheit

Neben der Customer Experience ist das Thema „Sicherheit“ aktuell in aller Munde. Immer häufiger gibt es Fälle von Cyberangriffen, die Logistikketten und Unternehmensprozesse stören. Sicherheit im Zahlungsprozess ist ein entscheidender Faktor, doch sind mobile Lösungen so sicher wie Standardbezahlmöglichkeiten? Laut den Experten jedenfalls schon. „Mobile-Payment-Lösungen stehen den Standardbezahllösungen in nichts nach“, betont Defren. Denn: „Beim bargeldlosen Bezahlen werden sensible Daten nicht auf dem Endgerät selbst gespeichert, sondern nur in Form eines verschlüsselten Tokens. Außerdem ist z.B. jedes Klarna-Konto durch biometrische Erkennungsdaten, einschließlich Gesichtserkennung und Fingerabdruck, gesichert“, erklärt sie.

„Es gilt der Grundsatz: Zusätzlicher Komfort im Mobile Payment darf nicht zu Lasten der Sicherheit gehen“, hebt auch Hommel hervor. „Für den Erfolg im Markt ist das Vertrauen der Kunden genauso wichtig wie die Sicherheit der Technologie. Vertrauen schafft Vertrautheit – das haben wir schon früh beim kontaktlosen Bezahlen gesehen.“ Er sähe bereits eine zufriedenstellende Entwicklung des mobilen Bezahlens. „Zum Beispiel finden schon 57 Prozent, dass die digitale Girocard im Smartphone sicher ist.“ Noch vor zwei Jahren seien nur 23 Prozent davon überzeugt gewesen.

Nicht nur ein Puzzlestück

Google Pay hat laut Bergmann einen mehrschichtigen Ansatz gewählt. „Neben der Sicherheitsinfrastruktur von Google erhalten Verbraucher auch weiterhin alle Schutzmaßnahmen, die sie von ihrem Kartendienstanbieter gewohnt sind“, erklärt er. „Wenn sie mit ihrem Handy in Geschäften bezahlen, sendet Google Pay nicht ihre tatsächlichen Kartendaten. Stattdessen erhält der Händler eine eindeutige verschlüsselte Nummer, die virtuelle Kartennummer.“ Diese werde erstellt, wenn eine Karte über die Google-Pay-App oder eine Banking-App hinzugefügt wird. Da die Kartendaten nicht auf dem Telefon gespeichert werden, kann niemand, der das Telefon findet oder stiehlt, auf diese Daten zugreifen.

Die grundsätzliche Sicherheit des mobilen Bezahlens ist gegeben – doch an so manch anderer Stelle gibt es noch Verbesserungsbedarf. „Bis heute bieten einige Banken die Integration ihrer Karten in Google Pay und Apple Pay noch nicht an, hier besteht also Nachholbedarf“, verdeutlicht etwa die Klarna-Expertin. Darüber hinaus spiele das transparente Management der eigenen Finanzen eine zentrale Rolle. „Verbraucher erwarten zunehmend ihre Bankgeschäfte, also ihre Ein- und Ausgaben, an einem Ort übersichtlich im Blick zu haben.“ Im Rahmen von All-in-One-Applikationen, die die Bedürfnisse der Verbraucher in einem 360-Grad-Ansatz adressieren, könnten etwa mehrere Funktionen abgedeckt werden: die Bezahlung selbst, die Übersicht über Geldein- und -ausgänge sowie Bestellungen, aber auch die Möglichkeit, Geld zu sparen – z.B. in Form von integrierten Festgeldkonten. Langfristig gehe es darum, die komplette Customer Journey für die Kunden abzudecken und Payment nicht nur als einzelnes Puzzlestück zu verstehen.

Die Integration z.B. der digitalen Girocard in Apple Pay ist laut Hommel bereits gegeben. So ist es inzwischen zum ersten Mal möglich, auch direkt im E-Commerce mit ihr zu bezahlen. „Damit werden Online-Einkäufe, kostenpflichtige App-Downloads oder die Pizzabestellung beim Lieferdienst direkt online getätigt“, betont er. „Und das einfach mit der Karte, die von der Ladenkasse bekannt ist.“ Diese Kundenerfahrung solle künftig auch Nutzern anderer Smartphones ermöglicht werden. „Außerdem arbeiten wir daran, den Jugendschutz zu stärken, indem wir die Altersverifikation in den Bezahlprozess integrieren.“ Dies solle bei Zahlungen mit der digitalen Girocard am Automaten oder auch im stationären Handel und im E-Commerce zum Tragen kommen.

Eine Altersfrage?

Ob sich das mobile Bezahlen auch nach der Pandemie durchsetzen und das Bargeld irgendwann komplett ersetzen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. „Neue Technologien benötigen immer eine gewisse Zeit, um sich durchzusetzen. Ein großer Faktor dabei ist das Vertrauen“, betont Bergmann. Deshalb würden aktuell vermehrt jüngere Nutzer auf Mobile Payment zurückgreifen. „Junge Menschen sind mit Smartphones aufgewachsen, die Skepsis ist dementsprechend geringer und das Vertrauen größer“, erklärt er.

Auch Oliver Hommel sieht Veränderungen in der Bezahlgewohnheit vor allem bei Jüngeren. Eine Studie des Allensbach-Instituts, die im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme jährlich durchgeführt wird, weise vor allem im Bereich der 16- bis 29-Jährigen interessante Ergebnisse auf. „2015 zahlten in dieser Altersgruppe 61 Prozent am liebsten bar, 32 Prozent mit Karte und erst 3 Prozent mit ihrem Smartphone. 2021 lagen nun allein Bargeld (42 Prozent) und Zahlung mit einer klassischen Karte (39 Prozent) schon etwa gleichauf.“ Nehme man noch hinzu, dass knapp jeder Sechste an der Kasse grundsätzlich am liebsten mit dem Smartphone zahle, lägen die elektronischen Verfahren heute klar vorn. „Das zeigt: Auch wenn kontaktloses Bezahlen mit der klassischen Karte – nicht zuletzt wegen seiner einfachen Nutzung – in allen Altersgruppen beliebt ist, ist die Frage nach der Nutzung von Mobile Payment tatsächlich noch immer eine Altersfrage.“

Komfort siegt

Nicole Defren berichtet hingegen, dass Klarna entlang aller Altersgruppen eine stark zunehmende Akzeptanz hinsichtlich mobiler Zahlungsmethoden sieht. „Jüngere Konsumenten waren auch schon vor der Pandemie offener für ein bargeldloses Leben, doch in den vergangenen zwei Jahren konnten wir feststellen, dass auch ältere Nutzer zunehmend gerne auf Karten- oder Mobile-Payment-Optionen statt auf Bargeld zurückgreifen“, sagt sie. Seit 2020 führt Klarna jährlich eine deutschlandweit repräsentative Umfrage durch. Dabei werden Deutsche befragt, wie viel Bargeld sie in der Tasche haben. „Im Jahr 2020 waren es im Schnitt 89,23 Euro, während es im Jahr 2021 nur noch 74,80 Euro waren. Ein Unterschied von 15 Euro.“ Dennoch haben die Deutschen ihrer Ansicht nach ein besonderes Verhältnis zum Bargeld. „In Schweden oder auch in den Niederlanden ist man bei der Adaption von alternativen Bezahlmethoden schon sehr viel weiter“, hebt sie hervor. In Schweden würden beispielsweise nur noch 15 Prozent der Zahlungen bar abgeschlossen. „Während dort die Verbraucher bereits nahezu ‚cashless‘ unterwegs sind, greift man hier noch gerne zu Münzen und Scheinen.“

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 01-02/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Egal ob das Bargeld in Zukunft in Deutschland Bestand hat oder nicht – der Trend „Mobile Payment“ wird auch nach der Krise bestehen bleiben, da sind sich alle drei Experten einig. „Wer diese unkomplizierte und schnelle Bezahlmöglichkeit einmal für sich entdeckt hat, wird sein Verhalten nicht wieder zurückdrehen“, ist sich Victor Bergmann sicher. Auch Nicole Defren betont: „Es ist kein Geheimnis, dass generelle Trends – wie die Digitalisierung – durch die Pandemie nochmals beschleunigt wurden. Mobile Payment ist Teil dieser Entwicklung. Einige Aspekte, wie z.B. bargeldloses Bezahlen oder die Tatsache, dass eine Vielzahl an Einkäufen jetzt online getätigt wird, bleiben sicher bestehen.“ Darüber hinaus seien Social Commerce und die zunehmende Verschmelzung von Online- und Offline-Handel zusätzliche Trends, die sich immer deutlicher abzeichneten.

„Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen ist durch die Pandemie zwar stärker in Fahrt gekommen, aber er ist kein Kind der Pandemie“, erklärt Oliver Hommel abschließend. Insofern werden mobile Lösungen seiner Meinung nach im post-pandemischen Alltag weiter Bestand haben. Wie Bergmann und Defren vermutet er, dass sich Kunden und Händler an den Komfort gewöhnt haben: „Der neue Höchststand von fast einer Million aktiver Girocard-Terminals und knapp sechs Milliarden Transaktionen im deutschen Einzelhandel 2021 spricht für sich und zeigt die enorme Akzeptanz von Kartenzahlungen.“ Dennoch müssten sich aktuelle Zahlungsangebote noch weiterentwickeln. „Ziel muss es sein, dem Kunden, egal ob im stationären Handel oder im E-Commerce, die gleiche User Experience und den gleichen hohen Grad an Bequemlichkeit und Sicherheit bieten zu können. Hinzu kommt, dass wir unsere Zahlungsverfahren flexibler gestalten müssen, um künftig noch schneller und besser auf Kundenwünsche reagieren zu können.“

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