Digitale Identifizierung

Kontoeröffnung per Video-Chat

Wie Video-Ident als neue Legitimationsverfahren etwa bei der Eröffnung eines Kontos helfen, berichtet Michael Sittek, Managing Director bei IDnow, im Interview

Michael Sittek, IDnow

„Während der Verarbeitung speichern wir persönlichen Informationen in unseren deutschen Rechenzentren. Sobald die Kundendaten an die Bank ausgeliefert worden sind, löschen wir sie auf unseren Servern“, erläutert Michael Sittek, Managing Director bei IDnow.

Herr Sittek, was verbirgt sich hinter Video-Ident und welche Vorteile ergeben sich für Endkunden durch die Identifikation via Live-Video-Chat?
Michael Sittek:
IDnow Video-Ident ist eine Technologie für Unternehmen, um die Identität ihrer Kunden zu verifizieren. Die Lösung eignet sich beispielsweise für Banken oder Versicherungen. Verbraucher können sich damit rechtssicher und innerhalb weniger Minuten online identifizieren, etwa um ein Konto zu eröffnen oder eine Rentenversicherung abzuschließen. Dabei werden der Ausweis und die Identität des Nutzers in einem Video-Chat überprüft. Das Verfahren macht den Gang zu einer Bank oder Postfiliale sowie eine Zustellung per Brief überflüssig. Unternehmen erzielen mit dem Verfahren wesentlich höhere Konversionsraten als mit herkömmlichen ID-Verfahren.

Welche technischen Anforderungen müssen seitens des Verbrauchers z.B. bezüglich Browser oder Internetverbindung gegeben sein?
Sittek:
Endkunden müssen über ein Smartphone, Tablet oder Computer mit Kamera verfügen. Außerdem benötigen sie eine Internetverbindung mit einer Geschwindigkeit von mindestens einem Megabit pro Sekunde beziehungsweise 3G im mobilen Einsatz. Die Lösung lässt sich ohne Zusatzsoftware direkt in einem gängigen Webbrowser anwenden. Darüber hinaus können Nutzer die Lösung über eine native iOS- oder Android-App starten. Während des gesamten Vorgangs unterstützt die Applikation durch eingeblendete Hilfestellungen. Bei Fragen hilft ein Spezialist persönlich im Video-Chat.

Wie erfolgt die Verarbeitung der Daten und wie wird die Sicherheit garantiert bzw. verhindert, dass sich Hacker dazwischen schalten?
Sittek:
Alle via Video-Ident erhobenen Daten werden ausschließlich zur Geldwäschegesetz-konformen Identifizierung der Endkunden verarbeitet. Während der Verarbeitung speichern wir die persönlichen Informationen in unseren deutschen Rechenzentren. Sobald die Kundendaten zum Beispiel an die Bank ausgeliefert worden sind, löschen wir sie auf unseren Servern. Daten werden generell nicht lokal gespeichert. Die Übertragung findet stets verschlüsselt statt. Wir setzen eine komplett eigene technische Infrastruktur ein, die die Kommunikation innerhalb Deutschlands hält. Wir verzichten unter anderem auch deshalb komplett auf Video-Chat-Services wie beispielsweise Skype. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, setzen wir eine Zertifikat-basierte Authentifizierung ein. Damit lassen sich Man-in-the-Middle-Angriffe verhindern. Unsere zutrittsgeschützten Ident-Center sind über sichere VPN-Tunnel angebunden. Auch das macht die Datenübertragung sehr viel sicherer. Wir lassen unsere Geschäftsprozesse regelmäßig durch Datenschutzbeauftragte, interne Revisionen und externe Wirtschaftsprüfer kontrollieren.

Welche Anforderungen müssen diese Verfahren laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistung (BaFin) generell erfüllen?
Sittek:
Die aktuellen Anforderungen der BaFin ergeben sich aus ihrem derzeit gültigen Rundschreiben 01/2014. Dazu gehören zum Beispiel Ausbildung, Qualifikation und ergänzende Anforderungen an die Mitarbeiter, die eine Identifikation durchführen. Außerdem existieren technische und prozessuale Vorgaben an die Sicherheit, wie etwa die Beschaffenheit der Räume und Zugangskontrollen. Außerdem regelt das Rundschreiben den gesamten Identifikationsprozess per Video-Chat. Das beginnt bei den Eigenschaften der Ausweisdokumente und führt sich fort bis hin zu den relevanten Fragen. Bild- und Tonqualität müssen ebenfalls bestimmte Kriterien erfüllen. Die Richtlinien regeln Fälle, in denen sich ein Ident-Prozess nicht erfolgreich zu Ende führen lässt. Es handelt sich also um einen umfangreichen Katalog an Anforderungen. Sie dienen der Sicherheit und der Betrugsvermeidung.

Gibt es weitere Anwendungsgebiete über den Finanzbereich hinaus?
Sittek:
Neben Banken und Versicherungen profitieren unter anderem auch Krankenkassen von unserer Lösung. Überall wo eine Regulierung nach dem Geldwäschegesetz besteht, kann das Produkt zum Einsatz kommen. Über die Video-Identifikation hinaus bieten wir mit „IDnow eSign“ die Möglichkeit, Verträge innerhalb unseres Video-Chats mit einer elektronischen Signatur zu unterzeichnen. Das geht ganz einfach per Smartphone oder Desktop-Browser. Eine vorherige Anmeldung oder Vorbereitung ist nicht notwendig. Der Prozess dauert etwa vier bis fünf Minuten. Ein Ident-Spezialist begleitet dabei den Kunden und beantwortet Fragen. Mit dieser neuen Art der elektronischen Vertragszeichnung kann man zum Beispiel beim Onlinekauf einen Ratenkredit innerhalb von wenigen Minuten abschließen und die Ware am gleichen Tag erhalten. Bisher dauerte ein solcher Prozess bis zu 14 Tage. Verbraucher mussten Dokumente ausdrucken, unterschreiben und zur Post bringen. Mit modernen Lösungen geht das fast jederzeit und an jedem Ort mit jedem Smartphone, das unter iOS oder Android läuft.

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