Frühes und häufiges Testing

Kosten sparen bei der App-Entwicklung

Eine gute Möglichkeit, die Kosten bei der App-Entwicklung einzusparen, ist es, Tests früher und öfter in den Software Development Life Cycle (SDLC) zu integrieren oder „in-cycle“ zu testen. Was sich dahinter verbirgt, erklärt Rainer Gawlick, President bei Perfecto Mobile, im Interview.

Rainer Gawlick, Perfecto Mobile

App-Entwickler wollen Apps schneller und vor allem ohne Einbußen in der Qualität auf den Markt bringen, weiß Rainer Gawlick von Perfecto Mobile.

Herr Gawlick, inwieweit haben Unternehmen erkannt, dass sie das eigene Geschäft mit mobilen Applikationen unterstützen können?
Rainer Gawlick:
Für Unternehmen, die wachsen möchten, wird ein konsistentes digitales Anwendererlebnis immer wichtiger. Denn der Umsatz über die digitalen Kanäle wie Webseiten oder mobile Applikationen überwiegt. Mobile Apps fungieren dabei als Kundendienstmitarbeiter, persönliche Einkaufsassistenten, Reisebüros, Händler und Kassierer; diese Verschiebung hin zum Digitalen wird vor allem von Endnutzern selbst angetrieben. Auf Unternehmensseite gaben 81 Prozent der Befragten einer aktuellen Umfrage an, dass auch sie die erfolgreiche digitale Entwicklung als entscheidend für den Geschäftserfolg sehen.

Welche Branchen sind hier (was den Einsatz von Mobile-Apps anbelangt) eher noch zurückhaltend – und warum?
Gawlick:
Wir haben beobachtet, wie die Finanzindustrie an der vordersten Front der „digitalen Revolution“ Innovationen schnell vorangebracht hat. Viele Branchen sind dem Beispiel gefolgt, wie etwa die Reisebranche und das Gastgewerbe, die Medienbranche und auch der Bereich E-Commerce. Die Gesundheitsbranche wiederrum hat jetzt erst mit der Digitalisierung begonnen, allerdings ist es gerade dort aufgrund der vielen rechtlichen Beschränkungen und der Hochrisikokomplexität auch schwieriger, die neuen Technologien umzusetzen.

Wie gestaltet sich der derzeitige Anspruch der Business-Anwender hinsichtlich ihrer genutzten Apps? Was ist ihnen besonders wichtig?
Gawlick:
Business-Anwender können verschiedene Anforderungen an Benutzerfreundlichkeit oder Design für ihre Apps haben, aber mehr noch als das, erwarten sie vor allem, dass die App funktioniert, dass sie gut funktioniert und, dass sie besonders dann funktioniert, wenn sie sie wirklich brauchen. Das wiederrum zeigt, wie wichtig es ist, dass Apps auf Funktionen und Performance getestet werden und dass die App im Entwicklungsstadium ausreichend überwacht wird. Wenn eine App gar nicht funktioniert, nicht gut funktioniert oder nicht verfügbar ist, dann werden die Anwender sie nicht mehr benutzen. Im Durchschnitt haben Anwender gerade einmal zwei Sekunden Geduld, wenn etwas mit der App nicht funktioniert. Wenn eine Funktion zu lange braucht, wenn die App abstürzt oder wenn sie einfach down ist, dann machen Anwender kurzen Prozess und werden die App nicht mehr benutzen.

Welche Ziele streben die App-Entwickler demnach anno 2016 hauptsächlich an?
Gawlick:
Die Ziele der App-Entwickler sind folgende: Sie wollen die Apps schneller und vor allem ohne Einbußen in der Qualität auf den Markt bringen. Wie schaffen sie das? Unter anderem durch die Implementierung von Automatisierungen im Verlauf des Entwicklungszyklus, aber auch durch frühzeitigeres Testen und indem sie einen Blick auf die neuesten Tools auf dem Markt haben.

Und welcher Trend ist hinsichtlich Programmiersprache oder App-Typ (native, hybrid...) erkennbar?
Gawlick:
Responsive Webdesign ist ein Trend, den wir mehr und mehr beobachten. Native App-Entwicklung ist sowohl für Webanwendungen als auch für jedes mobile Device, egal ob Tablet oder Smartphone, sehr gut durchführbar, aber schwierig zu verwalten. Responsive Websites sind immer weiter verbreitet. Diese werden einmal programmiert und passen sich dann in der Größe und Auflösung verschiedenen Geräten an.

Welche Herausforderungen bringen neue Technologien wie Wearables, Datenbrillen & Co. für die App-Entwicklung mit sich?
Gawlick:
Neue Technologien wie Wearables bringen verschiedene Herausforderungen mit sich. Es ist ebenfalls eine große Herausforderung, zu entscheiden, wie sich die Funktionalitäten und Anwendungsszenarien zwischen mobilen Endgeräten und Wearables, wie beispielsweise einer Smartwatch, unterscheiden sollen. So ist beispielsweise die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Reisender seine Flüge auf einem Tablet recherchiert – während die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Flüge auf dem kleinen Smartwatch-Display auswählt, sehr gering ist. Auf der anderen Seite ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Reisender am Flughafen seine Flug-Updates auf der Smartwatch empfängt sehr viel höher, als dass er auf der Reise dauernd auf sein Tablet schaut. Der Markt expandiert derzeit ungemein schnell, was Unternehmen ebenfalls vor immer neue Herausforderungen stellt. Mit den Endgeräten mitzuhalten, war zunächst für mobile Entwickler eine große Aufgabe. Aber die Tatsache, dass das Internet of Things (IoT) einen immer größeren Stellenwert einnimmt und sich mit weiteren mobilen Anwendungen vermischt, stellt Unternehmen und ihre Entwickler abermals vor große Herausforderungen.

Wie lassen sich die Kosten bei der App-Entwicklung möglichst gering halten? Inwieweit müssen dabei ggf. Abstriche gemacht werden?
Gawlick:
Eine gute Möglichkeit, die Kosten bei der App-Entwicklung einzusparen, ist es, Tests früher und öfter in den Software Development Life Cycle (SDLC) zu integrieren oder „in-cycle“ zu testen, wie wir sagen. Testautomationen spielen ebenfalls eine große Rolle bei der Geschwindigkeit. „In-Cyle Testing“ bedeutet, dass man schon früher stärkere Codes vorliegen hat, welche wiederum zu schnelleren Veröffentlichungen in besserer Qualität und mehr Kosteneffektivität führen.

Wie sollte sich die Testing-Phase einer neuen App gestalten, um deren Qualität zu sichern?
Gawlick:
Die Testing-Phase sollte bereits in den aktuellen SDLC integriert werden, um qualitativ hochwertigere App-Konstruktionen sicherzustellen. Die meisten Unternehmen testen jedoch außerhalb des SDLC. Wenn man die Testing-Phase allerdings integriert, können Entwickler gleich sehen, was sie noch verbessern können, und das steigert wiederum die Qualität der Software, die Entwicklung kann schneller abgeschlossen werden und man kann kosteneffizienter neue Software entwickeln.

Welche Faktoren werden die App-Entwicklung Ihrer Meinung nach zukünftig stark beeinflussen?
Gawlick:
Viele verschiedene Faktoren werden in Zukunft eine Rolle bei der App-Entwicklung spielen. Ein Bereich, der für uns momentan sehr interessant ist, ist alles rund um das Thema „Connected Car“. Die spannendste Frage dabei ist, wie Qualität ein Unterscheidungsmerkmal für Autohersteller wird, die ihre Customer Experience mit mobilen Apps oder einem digitalen Infotainment-System im Auto erweitern möchten. Die Customer Experience bringt derzeit jede Menge digitale Innovationen in den Automotive-Bereich, was sich vorerst auch nicht ändern wird.

Bildquelle: Perfecto Mobile

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