Apple Pay & Co.

Kräftiger Schub fürs Mobile Payment?

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinkt Deutschland beim Mobile Payment noch immer deutlich hinterher. Allerdings könnten die jüngst auch hierzulande eingeführten mobilen Bezahlmethoden Apple Pay, Google Pay und Co. der Zahlung per Smartphone einen kräftigen Schub verleihen.

  • Illustration eines Apfels mit einer Goldmünze

    Der Markteintritt von Apple Pay, Google Pay und Co. führt zusätzlich zu weiteren Bezahlmethoden wie Payback Pay, Starbucks Pay und Bluecode dazu, dass Konsumenten noch stärker und intensiver mit dem Thema „Mobile Payment“ in Berührung kommen. ((Bildquelle: Thinkstock/iStock))

  • Georg von Waldenfels, Wirecard

    „Auch wenn das Thema ‚mobiles Zahlen‘ dank Apple Pay und Google Pay für immer mehr Menschen in Deutschland ein Begriff ist, liegt Deutschland bei den Nutzungsraten immer noch weit hinter Staaten wie Großbritannien, den Niederlanden und den nordischen Ländern.“ Georg von Waldenfels, Wirecard ((Bildquelle: Wirecard))

  • Max Schertel, N26

    „Viele Kassen-Terminals für Kartenzahlungen sind mittlerweile flächendeckend NFC-fähig; es kann also kontaktlos und auch per Smartphone bezahlt werden. Das war vor ein paar Jahren noch undenkbar.“ Max Schertel, N26 ((Bildquelle: N26))

  • Dr. Peter Schönweitz, Petafuel

    „Sicherheit und Datenschutz sind das Herzstück von Apple Pay. Die echte Karten- nummer der hinterlegten Karte wird nirgends gespeichert, sondern in einen sogenannten Token umgewandelt, welcher stets einzigartig ist und nur vom User selbst genutzt werden kann.“ Dr. Peter Schönweitz, Petafuel ((Bildquelle: Petafuel))

Bislang nutzen rund 20 Prozent der Deutschen mobile oder kontaktlose Bezahlmethoden – lautet eines der Ergebnisse der repräsentativen „Postbank Digitalstudie 2018“. Damit habe sich die Nutzung im Vergleich zu 2016 immerhin verdoppelt. Dennoch „hinken wir Deutschen im Bereich ‚Mobile Payment‘ hinterher, wenn wir uns mit anderen Ländern in Europa vergleichen“, betont Dr. Peter Schönweitz, Geschäftsführer des Unternehmens Petafuel, das mit seiner App Vimpay bargeldlose Transaktionen ermöglicht. Noch größer sei der Abstand zu Ländern wie Indien oder China, wo das mobile Bezahlen mit dem Smartphone schon lange zum Alltag gehöre.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Deutschland ist eben ein Bargeldland, was Experten zufolge größtenteils den Sicherheitsbedenken der Deutschen geschuldet ist. Sie haben Angst vor Internetbetrügern und Datenklau, daher konnte sich das mobile Bezahlen hierzulande bislang nicht durchsetzen. Als weitere Bremsklötze sehen die Experten die bis dato fehlende Bekanntheit der Angebote und Anbieter. „Außerdem war lange Zeit keine zufriedenstellende NFC-Infrastruktur im Handel gegeben, so dass man mit dem mobilen Bezahlen nicht weit gekommen ist“, ergänzt Georg von Waldenfels, EVP Consumer Solutions bei Wirecard, einem Spezialisten für Zahlungsabwicklungen. Gerade letzteren Punkt mag Ercan Kilic von GS1 nicht bestätigen. Seiner Aussage nach hat der Handel sehr früh und flächendeckend damit begonnen, seine Terminals mit der NFC-Technologie auszustatten „Alle großen Handelsketten setzen schon seit einiger Zeit NFC-Terminals ein“, meint der Leiter Competence Center E-Commerce und Payment. Unternehmenseigene Studien hätten ergeben, dass spätestens in diesem Jahr über 80 Prozent der Kassen-Terminals in deutschen Läden NFC-fähig sein werden.

Kilic spielt den Ball eher den Banken und kartenausgebenden Finanzinstituten zu: Sie hätten es tatsächlich verpasst, ihre eigenen Lösungen frühzeitig in den Markt einzuführen. Die Ursache liegt seiner Ansicht nach „bei den doppelten Kosten, die für Banken entstehen, wenn ein Bankkunde seine Käufe statt wie bisher über Karte nun auch über das Smartphone begleichen möchte“. Die Banken hätten hier zusätzliche Kosten für einen Service, den sie ihren Kunden anbieten, ohne dabei mehr Umsatz mit eben diesen Kunden zu generieren.

Max Schertel von der mobilen Bank N26 sieht das Problem eher in den vielen sogenannten Insellösungen auf dem Markt. Sprich: Viele Banken hätten zwar an eigenen Lösungen gearbeitet, diese seien aber untereinander kaum kompatibel. „Niemand möchte 20 verschiedene Bezahl-Apps auf seinem Smartphone haben“, ist sich der Head of Business Operations sicher.

Treibende Faktoren

Generell nehmen Mobilgeräte im Leben aller einen immer höheren Stellenwert ein. Die Jugend von heute kennt keine Welt ohne die smarten Telefone. „Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass man mit dem Smartphone seine Finanzen verwaltet und damit bezahlt“, so Dr. Peter Schönweitz. Die zunehmend digitale und vernetzte Welt sowie die der Dinge durch Smartphones seien die treibenden Faktoren fürs Mobile Payment in Deutschland.

Außerdem soll der Bezahlvorgang mit dem Smartphone „deutlich schneller und unkomplizierter“ vonstatten gehen als das Bezahlen mit Bargeld. Laut Georg von Waldenfels spare das kontaktlose Bezahlen dem Verbraucher 45 Minuten an Zeit im Jahr im Vergleich zu Barzahlungen. „Darüber hinaus hat man die Transaktionen auf seinem Smartphone jederzeit im Blick und es macht Spaß, mit dem Handy oder der Smartwatch zu bezahlen“, findet der Experte.

Bustickets schnell gekauft
Flixbus will seinen Kunden mit Apple Pay nun eine einfache und anonyme Zahlungsweise bieten.

Sicherheit und Datenschutz sollen bei der neuen Bezahlmethode im Mittelpunkt stehen. Wird eine Kredit- oder EC-Karte in Apple Pay verwendet, werden die tatsächlichen Kartennummern weder auf dem Gerät noch auf Apple-Servern gespeichert, heißt es. Stattdessen werde eine eindeutige „Device Account Number“ zugewiesen, verschlüsselt und sicher im Secure-Element des Geräts gespeichert. Jede Transaktion werde mit einem einmaligen und eindeutigen dynamischen Sicherheitscode autorisiert.

„Wir freuen uns, unseren Fahrgästen die bestmögliche Reiseerfahrung bieten zu können, indem wir Apple Pay in unsere App integrieren“, sagt Daniel Krauss, Mitgründer und CIO von Flixmobility. „Nutzer der Applikation sehen ab sofort eine ‚Zahlen mit Apple‘-Schaltfläche, die es ihnen ermöglicht, mit nur wenigen Klicks ein Ticket zu kaufen, da die Zahlungsdetails in der Apple-Wallet-App hinterlegt sind.“

Nicht zuletzt dürfte aber auch die Einführung der Bezahlmethoden Google Pay im Juni 2018 und Apple Pay im Dezember letzten Jahres ein treibender Faktor fürs Mobile Payment hierzulande sein. Da sind sich die Händler, Banken und Dienstleister einig: „Wenn institutionsübergreifende Tech-Konzerne ihre eigenen Bezahlmethoden gleichzeitig mehreren Millionen Kunden zur Verfügung stellen, dann hat das natürlich einen enormen Einfluss“, bekräftigt denn auch Max Schertel. Man nehme etwa die Marke „Apple“, die heute als eine der „wertvollsten Marken der Welt“ gelte. „Nutzer lieben die Usability, für sie stellt der Anbieter ein Lebensgefühl dar“, so Schertel. Wenn das Unternehmen nun eine mobile Bezahlmethode auf den Markt bringt, löst das natürlich etwas bei den Nutzern aus: Mobile Payment wird plötzlich für eine breitere Gruppe interessant. „In Deutschland nutzten im vergangenen Jahr rund 57 Millionen Menschen das Smartphone“, meint der N26-Experte. Lösungen wie Apple Pay seien da schon sehr naheliegend – schließlich sei hier die Hemmschwelle viel geringer, etwas Neues auszuprobieren. Schertel geht fest davon aus, dass mit der Einführung dieser Bezahlmethode in Deutschland die Nutzerzahl von Mobile Payment nochmals stark ansteigen wird.

An dieser Stelle wirft Chris Ziemann, Payments and Financial Services beim Kassensystemanbieter Orderbird, jedoch ein, dass weder Apple noch Google konkrete Zahlen kommunizieren. Allerdings soll es Hochrechnungen geben, die besagen, dass allein am Starttag von Apple Pay mehr Nutzer generiert wurden, als viele Mobile-Payment-Lösungen bis dato überhaupt hatten.

Im Grunde führt der Markteintritt von Apple Pay, Google Pay und Co. zusätzlich zu weiteren Bezahlmethoden wie Payback Pay, Starbucks Pay und Bluecode dazu, dass Konsumenten noch stärker und intensiver mit dem Thema „Mobile Payment“ in Berührung kommen. Laut Ercan Kilic werden die große Kommunikationsreichweite und Marketing-Power der Global Player voraussichtlich die Wahrnehmung der Kunden stärken. Die mobilen Bezahllösungen werden somit zu noch mehr Dynamik im Markt beitragen und dem Mobile Payment einen kräftigen Schub verleihen.

Verspätung mit Kalkül?

Fragt sich nur, warum Apple so lange damit gewartet hat, seine Bezahlmethode auch in Deutschland einzuführen, während andere Länder schon länger von der Payment-Lösung profitieren können. Hierfür hat Kilic folgende Erklärung: Deutschland sei mit einem Marktanteil von unter 20 Prozent kein „iOS-Land“. Das Potential für die Payment-Lösung war also aufgrund des geringen Marktanteils bei den Smartphones verglichen mit anderen Ländern wie der Schweiz oder Dänemark relativ niedrig.

Ein weiterer Punkt ist, dass Kreditkartenzahlungen hierzulande noch immer gering verbreitet sind. Zudem hat Deutschland – verglichen mit anderen Märkten – eine recht vielfältige und komplexe Bankenlandschaft. „Damit haben wir insgesamt drei Kriterien, die ursprünglich nicht unbedingt für Deutschland als wichtigen Markt gesprochen haben“, bemerkt Patrick Brienen, CRO von Orderbird. Dr. Peter Schönweitz vermutet indes folgendes Kalkül: „Vielleicht war es auch gezielt so geplant, um die Vorfreude zu schüren und einen Marketing-Buzz auszulösen, wie vergleichsweise, wenn ein neues iPhone auf den Markt kommt.”

Weg in die mobile Zukunft
Auch die Deutsche Tamoil GmbH mit ihrer Marke „HEM“ hat Apple Pay als weitere Zahlungsmethode im gesamten Netzwerk von über 400 Tankstellen eingeführt. Damit soll der mobile Zahlungsverkehr schneller werden.
 „Gemeinsam mit Apple Pay erschaffen wir schon heute, was sich die Kunden von morgen wünschen“, sagt Carsten Pohl, Geschäftsführer der Deutsche Tamoil GmbH. Ein einfacher und sicherer Zahlungsverkehr sei des Unternehmens Beitrag, der Gesellschaft den Weg in eine mobile Zukunft zu erleichtern. Apple Pay selbst benutze eine verschlüsselte, gerätespezifische Nummer sowie einen für jeden Bezahlvorgang einzigartigen Transaktionscode. Mittels Touch ID und Face ID werden sämtliche Bezahlungen autorisiert.

Allgemein soll bei Apples Produkten und Services immer die Nutzerfreundlichkeit im Vordergrund stehen – „genauso ist es auch bei Apple Pay“, meint Chris Ziemann. Bei der Lösung sei es kinderleicht und intuitiv, seine Karteninformationen zu hinterlegen und diese dann mit den jeweiligen Geräten zu nutzen. Auf diese Weise sei es „wesentlich einfacher, das iPhone oder die Apple Watch an das Bezahl-Terminal zu halten, anstatt die Karte selbst herauszukramen“. Ähnlich sieht es Schönweitz: „Wie man es von Apple kennt, ist auch Apple Pay eines: schlicht und einfach.“ Jedes Kind könne die Payment-Lösung bedienen. „Nachteile gibt es keine. Generell empfinden wir aber auch die anderen Mobile-Payment-Lösungen als sehr gelungen“, so der Petafuel-Chef.

Macht der Gewohnheit

Und auch hinsichtlich der Sicherheit jener Bezahlmethode haben die Experten nichts auszusetzen. Schließlich komme hier modernste Technologie zum Einsatz. Bei der Verwendung einer Kredit- oder Debitkarte mit Apple Pay werden die tatsächlichen Kartennummern weder auf dem Mobilgerät noch auf irgendwelchen Servern des Anbieters gespeichert, heißt es. Stattdessen werde eine eindeutige Gerätekontonummer zugewiesen, verschlüsselt und im Sicherheitselement auf dem Gerät gespeichert. Jede Transaktion werde mit einem einmaligen und individuellen dynamischen Sicherheitscode autorisiert. Während des Bezahlvorgangs werde dann ein einmalig generierter Token an das Terminal übertragen. Außerdem kann der Nutzer selbst zur Sicherheit seiner Daten beitragen, indem er verschiedene Sicherheitsstufen einstellt. „So ist bei Beträgen unter 25 Euro die Transaktion durch Touch-ID gesichert“, erklärt Ercan Kilic. Bei Beträgen darüber sei die Eingabe einer PIN-Nummer auf dem Terminal erforderlich und die Transaktion zuvor zusätzlich durch Touch-ID gesichert.

Mobil bezahlen an der Supermarktkasse
Besitzer eines iPhones oder einer Apple Watch können nun auch in allen rund 4.200 Netto-Filialen bundesweit mit Apple Pay bezahlen.

Mit der Einführung der neuen Bezahlmethode möchte Netto nach eigenen Angaben seine „Vorreiterrolle im Mobile Payment“ ausbauen und seinen Kunden einen „noch besseren Service“ bieten. Im Mittelpunkt stünden dabei Sicherheit und eine einfache Bedienung – so Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount.

Apple Pay lasse sich leicht einrichten und Kunden könnten alle Vorteile einer Kredit- und EC-Karte weiterhin nutzen. An der Kasse im Supermarkt funktioniere die Bezahllösung mit dem iPhone SE, iPhone 6 und höher sowie mit der Apple Watch.

Max Schertel ist zuversichtlich, dass sich Apple Pay und Google Pay hierzulande durchsetzen werden. Selbstverständlich müssen sich die Nutzer erst an die neuen Möglichkeiten gewöhnen, was bedeutet, dass zunächst wohl vor allem kleinere Beträge in unregelmäßigen Abständen mobil bezahlt werden. „Aber daraus entwickeln sich Gewohnheiten und irgendwann sind diese Zahlungsweisen Alltag“, meint er. „Nach unseren eigenen Erfahrungen, die wir mit unseren Vimpay-Usern und Apple Pay gemacht haben“, fügt Dr. Peter Schönweitz an, „sehen wir großes Potential in Apple Pay. Wir denken, dass die Einführung der große Startschuss für das Mobile Payment in Deutschland war.“ Das Feedback der Nutzer bestätige dies.

2019 könnte jedenfalls ein gutes Jahr für die Anwender sein, die bestehenden Lösungen auszuprobieren, sie auf Herz und Nieren zu testen und sich schließlich an diese zu gewöhnen. Mit Sicherheit wird Mobile Payment aber nicht mit einem Male das gesamte Bezahlverhalten revolutionieren. Denn die Deutschen lieben einfach ihr Bargeld und werden wohl auch noch eine ganze Weile daran festhalten. Aber Mobile Payment wird weiter wachsen, ist sich Max Schertel sicher: „Laut einer Prognose steigen die Nutzerzahlen von Mobile Payment 2019 im Vergleich zum Vorjahr um gut 15 Prozent und das Transaktionsvolumen soll bei 914 Millionen Euro liegen.“ Natürlich stehe Deutschland damit noch am Anfang, für 2023 werde aber schon mit einem Transaktionsvolumen von über drei Milliarden gerechnet.

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