Playmobil-Produktion per Tablet steuern

Lagerlogistik mit Tablets am Gabelstapler

Einst fest auf Gabelstaplern installierten Panel-PCs werden beim Playmobil-Hersteller durch mobile Tablet-PCs ersetzt.

  • Die neuen Tablet-PCs sind in einer Docking-Station am Gabelstapler montiert und unterstürtzen die Mitarbeiter in der Lagerlogistik.

Fantastische Ritterburgen, verwegene Piratenschiffe oder ein voll ausgestattetes Feuerwehrhauptquartier – seit 1974 ist Playmobil fester Bestandteil in vielen Kinderzimmern. Hinter dem beliebten Systemspielzeug steckt die Geobra Brandstätter GmbH & Co. KG mit Sitz in Zirndorf. Das Unternehmen ist mit Playmobil zum größten Spielzeughersteller Deutschlands geworden. Das Portfolio umfasst u.a. über 30 Spielwelten, die weltweit in über 80 Länder vertrieben werden – was mit einer komplexen Lagerlogistik verbunden ist. Für bestmögliche Effizienz der innerbetrieblichen Warenlogistik ist deshalb IT-Unterstützung unverzichtbar. Der Warenfluss von der -annahme bis zur Verladerampe wird dabei über eine selbst entwickelte Webapplikation gemanaget. Die Mitarbeiter dokumentieren dabei jede Materialbewegung. Neben stationären Systemen kommen dabei auch insbesondere mobile Systeme auf den Staplern zum Einsatz.

Die stetige Verfügbarkeit dieser Informationen über den innerbetrieblichen Warenfluss ist für effiziente Logistikprozesse essentiell. Diese war in der Vergangenheit jedoch nicht immer gegeben. So kam es bei den Stapler-PCs immer wieder mal zu Systemausfällen oder Abbrüchen der WLAN-Verbindung. Aus diesen Gründen sollten im Zuge der Modernisierung der Shopfloor-IT neue, hochverfügbare Systeme angeschafft werden. Geobras EDV-Administrator Rafael Kaczmarczyk bestätigt: „Unsere Gabelstapler-PCs waren nicht mehr so zuverlässig, wie wir es uns gewünscht haben. Einbußen bei der Verfügbarkeit der Systeme führten zu einer suboptimalen Effizienz des Staplereinsatzes.“ Das Unternehmen wollte sich aber nicht alleine mit einer Ersatzbeschaffung mit besserer Verfügbarkeit begnügen. Vielmehr setzte man sich in einem IT-Workshop damit auseinander, ob und wie man die Gabelstaplerlogistik noch weiter optimieren könne. „Um die Flexibilität unserer Lagerlogistik noch weiter zu steigern, wollten wir prüfen, ob wir nicht völlig neuen Weg einschlagen können“, erklärt Kaczmarczyk. Smartphones und Tablet-PCs, die fast alle Mitarbeiter mittlerweile auch privat einsetzen, haben dabei den Stein ins Rollen gebracht.

Tablet-PCs halten Einzug

Die bisher fest in den Staplern installierten Logistik-PCs werden nun im Zuge der Erneuerung der Produktionsstätten im fränkischen Dietenhofen durch Tablet-PCs der Penta GmbH ersetzt. Diese kann man sowohl auf dem Stapler als auch abseits vom Stapler nutzen. Mitarbeiter können die Systeme beispielsweise zum Abhaken einer Stückliste auch im LKW nutzen oder aber Lagerbestände bei der Inventur fußläufig erfassen. Zudem kann jeder Mitarbeiter „seinen“ Tablet-PC auf jedem Stapler mitführen, sodass ein Job auch über mehrere Fahrzeuge hinweg bearbeitet werden kann. „Wir können allerdings keine Standard-Tablet-PCs einsetzen“, erklärt Kaczmarczyk. „Unsere Anforderungen an Robustheit können Standard-Tablets nicht erfüllen. Zudem wollten wir auch eine x86er-Lösung, die es uns ermöglicht, die bestehenden IT-Investitionen ohne große Migrationskosten weiter zu nutzen.“ Dazu benötigt der Tablet-PC eine Docking-Station, die man auf dem Stapler befestigen kann und die auch Spannungsschwankungen abfedern kann.

PCs, die auf Gabelstaplern zum Einsatz kommen, müssen besonders robust gebaut sein, denn Stöße und Erschütterungen gehören zum Alltag. Auch sind direkte Schläge gegen das Systemgehäuse nicht auszuschließen – die neuen Tablet-PCs bei Geobra können dies vertragen. Sie besitzen ein geschlossenes Gehäuse und sind IP65 geschützt. Dieser Schutzgrad sagt aus, dass die Geräte rundum staubdicht und zudem in der Lage sind, Strahlwasser standzuhalten.

Um Systemausfälle zu verhindern, ist die Docking-Station mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) ausgerüstet.Diese schützt das System und die Daten bei Spannungseinbrüchen. Sinkt die Versorgungsspannung unter einen kritischen Wert ab, wird der Tablet-Rechner von der integrierten Batterie mit Strom versorgt, bis die externe Betriebsspannung wiederhergestellt ist. Spannungseinbrüche im Bordnetz können so nicht mehr auf die Stapler-PCs durchschlagen. Verbindungsabbrüche des WLANs und somit Beeinträchtigung der Datenintegrität bis hin zu möglicher -verfälschung oder -verlust lassen sich so auszuschließen. Diese Funktion hatten die bisherigen Stapler-PCs zwar auch, doch funktionierte sie nicht immer einwandfrei. Für Rafael Kaczmarczyk hat sich die Investition nach einer dreimonatigen Testphase bereits bezahlt gemacht: „Wir haben jetzt schon nahezu alle Altgeräte ausgetauscht. Und da weitere Gebäude geplant bzw. bereits im Bau sind, haben wir vor, in absehbarer Zeit weitere Geräte anzuschaffen.“

 

Geobra Brandstätter GmbH & Co. KG

Branche: Spielzeug
Sitz: Zirndorf bei Nürnberg
Mitarbeiter: 3.700
Umsatz: 591 Mio. Euro (2012)
Weitere Werke: Deutschland (Dietenhofen, Selb), Malta, Tschechien, Spanien
Sonstiges: Insgesamt hat das Unternehmen bisher 2,6 Mrd. Playmobil-Figuren hergestellt. Allein im Stammwerk im fränkischen Dietenhofen werden täglich bis zu 10 Mio. Einzelteile gespritzt, 250.000 Teile bedruckt, bis zu 65.000 Playmobil-Packungen verpackt und 100 Lkw beladen.

www.playmobil.de

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