Lukas Wrede, Senior Manager und Experte für Last Mile and City Logistic bei MHP.
Für DHL, Fedex, UPS und all die anderen KEP-Dienstleister nehmen mit dem steigenden Sendungsvolumen allerdings auch die Herausforderungen zu: In vielen Städten kommt die Verkehrsinfrastruktur an ihre Grenzen: Die Straßen sind voll, Möglichkeiten für das Be- und Entladen sind kaum noch vorhanden und auch die Lagerfläche wird immer knapper. Die ersten Kommunen greifen bereits zu drastischen Mitteln wie Fahrverbote für bestimmte Gebiete oder explizite Anlieferungszeiten. Der Trend zur Regulierung wird zunehmen, da sich ein großer Teil der ansässigen Menschen mehr Klima- und Umweltschutz, saubere Luft und weniger Lärm wünscht.
Gleichzeitig bestellen immer mehr Menschen online und tragen ihren Teil zur Belastung bei. Die Serviceanforderungen sind hoch: Sie erwarten „Same Day Delivery“, die Zustellung zum Wunschzeitpunkt und eine Paketumleitung in letzter Minute. Für die KEP-Dienstleister nimmt damit die zu bewältigende Komplexität enorm zu, das Modell der Zustellung durch Menschen stößt an seine Grenzen, die Kosten steigen.
Zu dieser ohnehin schon diffizilen Lage kommt hinzu, dass der Wettbewerbsdruck steigt. E-Commerce-Giganten wie Amazon oder Ebay bauen bereits eigene Flotten auf und nutzen dafür – zumindest testweise – auch innovative Transportmittel wie Drohnen. Zudem drängen neue Player auf den Logistikmarkt, die mit smarten Ansätzen für Wirbel sorgen.
Im Spannungsfeld dieser drei Herausforderungen müssen die etablierten Unternehmen Lösungen finden, die die städtische Infrastruktur, Klima und Umwelt möglichst wenig belasten, Flexibilität und Komfort bieten und bei all dem auch noch günstig sind. Im Zentrum steht dabei die letzte Meile zum Kunden – insbesondere in den Städten.
Die Digitalisierung von Prozessen trägt einerseits zu einer effizienteren In- und Outbound-Logistik bei. Andererseits unterstützt sie auch bei der Optimierung der letzten Meile, indem Pakete auf Wunsch jederzeit und überall zugestellt werden können. Die Basis hierfür stellen Smart-Services-Plattformen wie Smile, ein Sharing-Konzept mit Partnern von Not-for-Profit-Organisationen. Dadurch ist z.B. eine kollaborative Zustellung wie Crowd Logistics mit einer Vielzahl von Stakeholdern möglich. Eine andere Option ist, die gemeinschaftliche und herstellerübergreifende Nutzung von Daten. MHP und der Tüv Rheinland haben hierzu ein Konzept über eine digitale Plattform für Fahrzeug- und Verkehrsdaten entwickelt. Hierbei werden Daten von Unternehmen miteinander geteilt. Darauf können KEP-Dienstleister, aber auch Flottenbetreiber sowie Städte zugreifen. Somit lassen sich die innerstädtische Verkehrsinfrastruktur besser planen, Flotten optimieren und effizientere Routen planen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Mit Blick auf autonome Transportmittel bestehen für die KEP-Dienste prinzipiell drei Möglichkeiten, eine emissionsfreie Flotte aufzubauen. Sie können eigene Vehikel entwickeln bzw. Unternehmen übernehmen, die bereits in der Entwicklung sind: So hat die Schweizer Post das Start-up Starship Technologies akquiriert. Sie können Vehikel bei Herstellern kaufen, was dem bislang üblichen Vorgehen entspricht. Oder sie können Partnerschaften oder Kooperationen eingehen.
Auch bei der Zustellung auf der letzten Meile lassen sich Maßnahmen – seitens der Kommunen unternehmen. Bisherige Ladezonen können in privilegierte Zonen in den Innenstädten umgewandelt werden. Eine andere Möglichkeit sind alternative Lade- und Lieferzonen, die sich via App buchen lassen, beispielsweise Parkhäuser, die über die Nacht als Mikrologistik-Hubs umfunktioniert werden.
Den einen Königsweg gibt es für die KEP-Dienstleister nicht, jeder einzelne Anbieter wird abhängig von seiner spezifischen Situation verschiedene Möglichkeiten miteinander kombinieren müssen. Wichtig ist dabei immer ein ganzheitlicher Ansatz, der stark getrieben ist von dem Ökosystem, in des verschiedene Ansätze und letztlich Maßnahmen mitreinspielen.
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