Vor zehn Jahren wäre ein derart offenes Smart-Home-System noch undenkbar gewesen.
Die Zeiten, in denen Insellösungen den Smart-Home-Markt dominierten, sind längst vorbei. Anwender wünschen sich offene Lösungen, die sie je nach individuellem Bedarf Schritt für Schritt erweitern können – und das möglichst unabhängig vom Anbieter der einzelnen Komponenten. Sicherheit und Stabilität sowie ein geringer Energieverbrauch sind ebenfalls wichtige Faktoren. Und so nutzen immer mehr Hersteller und Anbieter den ULE-Standard.
Zu den prominentesten Anbietern gehört die Deutsche Telekom, die vor drei Jahren 170.000 Haushalte in Deutschland über Nacht Smart-Home-fähig gemacht hat. Der Konzern hatte damals ganz einfach die entsprechenden Router mit integrierter Dect-Technologie per Software-Update aktualisiert. Zusätzlich wurden seitdem Millionen von Telekom-Gateways mit ULE-Technologie ausgeliefert. Bereits zuvor hatte AVM alle Fritz!Box-Router, die über eine integrierte Dect-Basis für Schnurlostelefone verfügen, kostenlos per Software-Upgrade auf ULE aufgerüstet. Gemeinsam decken die beiden Unternehmen den Großteil aller Breitbandanschlüsse in Deutschland ab. Wer sich hierzulande ein Smart Home aufbauen will, kann dies dank ULE also zumeist problemlos tun ohne sich eine neue Basis anschaffen zu müssen.
Die Idee hinter dem Funkstandard geht auf den Chiphersteller Dialog zurück, der bereits vor zehn Jahren mit dem Gedanken spielte, einen energiesparenden Low-Energy-Standard fürs Smart Home zu entwickeln. Im Rahmen des Dect-Forums wurde dieser Ansatz debattiert, bevor unter der Regie von Jochen Kilian, damals Entwicklungsleiter bei der DSP Group, mit ULE ein entsprechender Standard verabschiedet wurde.
Vor allem die Funkdisziplin und das geschützte Frequenzband sorgen dafür, dass die Technologie immer häufiger genutzt wird. „Mit ULE hat das Dect-Forum damals einen cleveren und strategisch wichtigen Schritt gemacht“, sagt Klaus Milczewsky, Experte für Endgeräte im Smart Home. „Der weltweit für Dect reservierte Funk bei 1,7 bis 1,9 Gigahertz würde sich auch für 100 andere Anwendungen wie beispielsweise für den Mobilfunk bestens eignen. Daher stand Dect unter Druck, ob es dieses Frequenzband behalten darf“, erinnert sich Klaus Milczewsky. „Schließlich war mit der Dect-Telefonie absehbar, dass es immer weniger entsprechende Geräte geben würde. Mit ULE kommen nun neue Geräte dazu, die helfen, das Privileg des exklusiven Frequenzbereichs zu rechtfertigen“, erläutert Milczewsky.
Andere Smart-Home-Standards wie Zigbee oder Bluetooth nutzen dagegen Frequenzen wie das 2,4-GHz-Band, das sie sich untereinander sowie mit nahezu allen Wlan-Geräten im Haus teilen müssen. So kann es schnell zu Interferenzen kommen, sodass die gewünschten Anwendungen nicht immer einwandfrei funktionieren. „Z-Wave spielt in Europe keine Rolle. Das ist ein Standard, der keinen Wettbewerb auf der Chipseite kennt und daher einschläft“, erklärt Klaus Milczewsky, der bereits für den Vorläufer der Telekom, die Deutsche Bundespost, gearbeitet hat. „Zigbee wäre gut, aber die haben ein großes Problem mit der Kompatibilität untereinander. Es gibt nur eine sehr eingeschränkte Kompatibilität der Zigbee-Produkte untereinander, was an einer Fülle von Optionen im Standard liegt, die mit der jeweiligen Lösung zusammenpassen müssen“, so der Experte.
Hinzu kommt, dass sich spätestens im Feldtest zeigt, dass der ULE-Funkstandard bei der Stabilität und Reichweite die Nase vorn hat. „Häufig testen die Hersteller erst andere Standards, müssen dann aber feststellen, dass es in der Praxis zu Interferenzen und Störungen kommt“, berichtet Jochen Kilian. Anbieter könnten sich laut Kilian viel Zeit und Entwicklungsarbeit sparen, wenn sie dies früher erkennen würden. Im Zweifelsfall genügt auch ein Blick auf Unternehmen wie Gigaset. „Wir haben die verschiedenen Optionen ausführlich analysiert und eine bewusste Wahl getroffen“, blickt Roland Maesing, VP Smart Home bei Gigaset, auf die Entwicklungsphase zurück. Die ULE-Technologie habe im Vergleich zu anderen Technologien ganz einfach die meisten Vorteile. Für den Funkstandard sprach laut Maesing von vornherein, dass den Kunden von Gigaset die Sicherheit ihrer Daten sehr wichtig sei. Weitere wichtige Faktoren sind Maesing zufolge die einzigartige Funkdisziplin, die hohe Reichweite, der geringe Energieverbrauch sowie die idealen Eigenschaften für Batterie-betriebene Sensoren.
Geräte, die von der ULE Alliance zertifiziert wurden bzw. das HAN-FUN-Protokoll des ULE-Standards unterstützen, lassen sich vom Anwender über Herstellergrenzen hinweg miteinander kombinieren. Vor zehn Jahren wäre ein derart offenes Smart-Home-System noch undenkbar gewesen.
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