Interview mit Dirk Ellenbeck, Vodafone

LTE für Millionen

Interview mit Dirk Ellenbeck, Leiter Kommunikation unter anderem für Technik & Innovationen bei Vodafone Deutschland, über den LTE-Ausbau und die flächendeckende Versorgung mit Mobilfunk

Dirk Ellenbeck, Vodafone

Interview mit Dirk Ellenbeck, Leiter Kommunikation unter anderem für Technik & Innovationen bei Vodafone Deutschland

Herr Ellenbeck, wie viele Mobilfunksendeanlagen haben Sie hierzulande bereits installiert?
Dirk Ellenbeck: Wir betreiben mehr als 23.000 Basisstationen (BTS) für GSM und mehr als 14.000 Basisstationen für UMTS und HSPA.

Wie viele neue Mobilfunkstationen werden Sie voraussichtlich 2012 in Deutschland in Betrieb nehmen? Und wie viele werden davon bereits LTE unterstützen?

Ellenbeck: Für den LTE-Ausbau werden so gut wie keine neuen Basisstationen benötigt. Die ehrgeizigen Ziele, die wir uns beim Ausbau des LTE-Netzes gesetzt haben, werden erreicht und schon heute können deutschlandweit rund 14 Mio. Haushalte in mehreren Tausend Orten und Gemeinden auf mehr als 40 Prozent der Fläche in Deutschland die neue Mobilfunkgeneration nutzen. Wöchentlich kommen zahlreiche neu versorgte Orte und Gemeinden hinzu und in den nächsten Monaten sollen die weißen Flecken auf der Internet-Landkarte verschwunden sein. In 12 von 16 Bundesländern sind die Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur bereits erfüllt und LTE wächst vom Land nun auch in die Städte.

Gibt es einen Unterschied zwischen der bisherigen UMTS- und der künftig verbreiteten LTE-Strahlung? Wenn ja, welchen?
Ellenbeck: Ein wichtiger Unterschied besteht hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und den maximal möglichen Datenübertragungsraten, die bei LTE höher liegen. Technische Unterschiede zeigen sich vor allem im verwendeten Frequenzbereich und in dem Übertragungsverfahren.

Für UMTS verwenden wir hauptsächlich die Frequenzbereiche um 2000 MHz, während LTE zunächst im Frequenzbereich der "Digitalen Dividende" zwischen 791 und 862 MHz ausgebaut wird. Dabei nutzt UMTS die Übertragungsverfahren WBCDMA (Wide-band Code Division Multiplex Access), LTE dagegen OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplex). Näherer Informationen hierzu finden Sie unter hier.

In welchen hiesigen Großstädten ist die Verbindung hervorragend, wo besteht noch Verbesserungsbedarf?
Ellenbeck: Vodafone Deutschland hat allein in den letzten zehn Jahren 20 Mrd. Euro investiert, um seinen Kunden ein mehrfach ausgezeichnetes leistungsstarkes Netz bieten zu können. Die hohe Netzqualität bei Sprache und Daten wurde durch die Stiftung Warentest bestätigt. In deren umfangreichen Test schloss Vodafone mit der begehrten Note „Gut“ ab. Um dem aktuellen Smartphone-Boom mit rasant steigenden Datenmengen ausreichende Netzkapazität gegenüber zu stellen, wird das Netz weiter ausgebaut, so dass noch mehr Kunden gleichzeitig mit Highspeed im Web surfen können.

Kern des neuen millionenschweren Ausbauprogramms ist ein beschleunigter Ausbau von breitbandigen Glasfaser- und IP-Richtfunkanbindungen der Basisstationen in ganz Deutschland. Dies wird die Übertragungsbandbreite von den Basisstationen ins Festnetz verzehnfachen und so dafür sorgen, dass deutlich mehr Daten in kürzerer Zeit von den im Mobilfunknetz genutzten Smartphones, Tablets und Surfsticks transportiert werden können. Durch das Ausrollen der so genannten SRAN-Technologie (Single-Radio-Access-Networks) bringt Vodafone zudem zusätzliche Kapazität für die Mobilfunkstandards GSM (2G) und UMTS (3G), da mit ihr alle Basisstationen flächendeckend auf die gleiche Basisarchitektur gebracht werden. Von außen betrachtet ändert sich an den Basisstationen übrigens kaum etwas. Denn die Umbaumaßnahmen betreffen vor allem die inneren Werte, also die Technik selbst. Nur, wer genau hinsieht, wird an immer mehr Basissationen neue Antennen erkennen, über die ganz Deutschland mit der vierten Mobilfunkgeneration Long Term Evolution (LTE) versorgt wird.

Im Band der so genannten Digitalen Dividende hat sich Vodafone Deutschland zwei Frequenzblöcke gesichert und wird in den kommenden Monaten die Auktionsauflagen erfüllen und die nicht versorgten Regionen mit schnellem Internet über Funk erschließen. Mit den ersteigerten 20 MHz im gepaarten 2,6 GHz-Band garantieren wir Spitzengeschwindigkeiten bei der Zukunftstechnologie LTE in den Städten. Weitere 25 MHz ungepaartes Spektrum im 2,6 GHz-Band bieten darüber hinaus zusätzliche Kapazitätsreserven für das erwartete Wachstum der Zukunft.

Der schnelle Ausbau von LTE bietet neben kabellosem Breitbandinternet auch in bislang unterversorgten Gebieten eine deutlich verbesserte Netzverfügbarkeit und Smartphone-Performance für alle Kunden. Wir haben als erstes Unternehmen in Europa LTE im Massenmarkt eingeführt und schon heute rund ein Jahr nach dem kommerziellen Start von LTE sind an die 2.700 Basisstationen mit LTE ausgestattet und versorgen jeden 5. Haushalt in Deutschland kabellos mit einem schnellen Internetzugang, der kabelgebundenen Lösungen wie DSL in vieler Hinsicht überlegen ist. In Summe können bereits mehr als 14 Millionen Haushalte auf 30 Prozent der Fläche Deutschlands die mobilen Datendienste der 4. Generation nutzen.

Auch in den nächsten Jahren werden wir mit einem breit angelegten Ausbauprogramm unsere Netzinfrastruktur weiter modernisieren – in Richtung "all-IP". Dabei werden wir den Austausch aller alten Komponenten gegen neue Elemente weiter vorantreiben, um unser Netz robuster und zukunftssicherer zu machen. Mit den neuen Frequenzblöcken im Bereich des 2000er-Bandes baut Vodafone seine bestehende starke Position bei UMTS aus. Bereits kurzfristig kann durch die Ersteigerung dieser Frequenzen die Kapazität um rund 50 Prozent erhöht werden.

Wie kann sich eine Dauerbestrahlung durch Mobilfunk auf den menschlichen Körper auswirken?
Ellenbeck: Die Grenzwerte sind so ausgelegt, dass auch bei dauernder Exposition keine gesundheitlichen Wirkungen zu erwarten sind. Hierzu liegt ebenfalls eine Reihe von Untersuchungen vor, die speziell Langzeiteffekte untersucht haben (z.B. epidemiologische Untersuchungen, Mehr-Generationen-Studien an Tieren etc). Die Weltgesundheitsorganisation sagt hierzu: Die gesundheitlichen Langzeiteffekte der Nutzung von Mobiltelefonen ist ein anderer Bereich vieler heutiger Forschungen. Bisher ist kein offensichtlicher, schädlicher Effekt der Exposition durch schwache hochfrequente Felder gefunden worden.

Zahlreiche Studien untersuchten bereits die Folgen von Mobilfunkstrahlung auf den menschlichen Organismus – mit den unterschiedlichsten Ergebnissen. Wie kommt es zu den teils drastisch abweichenden Studienergebnissen?
Ellenbeck: In der Tat existiert mittlerweile eine erhebliche Datenbasis an Forschungsergebnissen über biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder. Aktuell listet die Forschungsdatenbank der RWTH Aachen über 15.000 Studien und Forschungsberichte hierzu auf www.emf-portal.de. Die Weltgesundheitsorganisation meint hierzu sogar: „Im Gebiet biologischer Effekte und medizinischer Anwendungen nichtionisierender Strahlung sind während der vergangenen 30 Jahre circa 25.000 Artikel veröffentlicht worden. Auch wenn manche Leute das Gefühl haben, es müsste mehr Forschung betrieben werden, sind die wissenschaftlichen Kenntnisse auf diesem Gebiet heute umfangreicher als die über die meisten Chemikalien.“

Das Gesamtbild wird von allen berufenen Gesundheitsschutzgremien einheitlich so gesehen, dass unterhalb einer gewissen Wirkungsschwelle für die Intensität der elektromagnetischen Felder keine gesundheitlichen Wirkungen nachgewiesen werden konnten. Eine Liste dieser Expertenkommissionen und deren Hauptaussagen findet sich z.B. unter: www.gsma.com. Entscheidend für die objektive und umfassende Bewertung der Forschungsergebnisse ist dabei die Berücksichtigung des gesamten Wissensstandes.

Außerhalb des etablierten Wechselwirkungsmechanismus der thermischen Erwärmung gibt es kein gesichertes Wirkungsmodell. Weiterhin ist man auf der Suche nach sehr schwachen Effekten und sehr geringen Wirkungen. Im Rahmen des breiten qualitativen und thematischen Spektrums ist es aus diesen Gründen auch zu Forschungsergebnissen gekommen, die dem allgemeinen Kenntnisstand wiedersprechen und deshalb einer besonderen Überprüfung bedurften. Als ein Beispiel seien hier Effekte auf die Blut-Hirn-Schranke bei Labornagern genannt, für die Salford und Mitarbeiter 2003 eine erhöhte Durchlässigkeit gegenüber Albumin nach einer Feldexposition gefunden haben. Hierzu wurden im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms Folgestudien durchgeführt, die das ursprüngliche Ergebnis nicht bestätigen konnten. Zitat:(http://www.emf-forschungsprogramm.de/forschung/biologie/biologie_abges/bio_035.html): „Ein nachteiliger Effekt auf die Integrität der Blut-Hirn-Schranke oder auf Nervenzellen war insgesamt nicht erkennbar, weder für GSM noch für UMTS. Die Ergebnisse von Salford et al. (2003) werden nicht gestützt.“

Im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms wurden einige dieser potenziellen Verdachtsmomente überprüft. Die Deutsche Strahlenschutzkommission hat hierzu 2008 Stellung bezogen: „Auch wenn eine endgültige Bewertung des DMF erst nach Vorliegen der noch in Bearbeitung befindlichen Studien möglich ist, zeigen die bisherigen Ergebnisse, dass die ursprünglichen Befürchtungen über gesundheitliche Risiken nicht bestätigt werden konnten. Es haben sich durch die Forschungsergebnisse des DMF auch keine neuen Hinweise auf bisher noch nicht bedachte gesundheitliche Auswirkungen ergeben. In Übereinstimmung mit anderen internationalen Gremien (WHO, ICNIRP) kann festgestellt werden, dass die den bestehenden Grenzwerten zugrunde liegenden Schutzkonzepte nicht in Frage gestellt sind.“

Die Grenzwerte für eine Strahlenbelastung durch Mobilfunk sind hierzulande seitens des Gesetzgebers klar geregelt. Inwieweit sind diese Vorgaben ausreichend?
Ellenbeck: Wie oben beschrieben, besteht unter den berufenen nationalen und internationalen Expertengremien Konsens, dass die derzeit in Deutschland gültigen Grenzwerte den Schutz der Bevölkerung sicherstellen. Aufgrund dieser stabilen und fundierten Bewertung hält auch die Bundesregierung eine Veränderung der Grenzwerte nicht für notwendig, wie sie in der Bundestagsdrucksache 17/6709 vom 29.7.2011 bestätigt: „Da die vorliegenden wissenschaftlichen Studien keine belastbaren Hinweise erbracht haben, dass unterhalb der bestehenden Grenzwerte eine gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung besteht, wird eine Änderung der geltenden Grenzwerte der 26. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (26. BImSchV) nach Auffassung der Bundesregierung derzeit für nicht erforderlich gehalten.“

Wie sorgen Sie als Betreiber von Mobilfunksendeanlagen für die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte?
Ellenbeck: Der Betrieb von Mobilfunksendeanlagen oberhalb einer gesetzlich festgelegten Sendeleistung von 10 Watt EIRP ist ohne Zustimmung der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (BNetzA) nicht zulässig. Auf Grund der konkreten technischen Standortdaten prüft die Bundesnetzagentur in einem festgelegten Verfahren, ob die beantragte Anlage die gültigen Grenzwerte zum Schutz von Personen vor elektromagnetischen Feldern einhält; und das bei der theoretisch maximal möglichen Leistung. Im Standortbescheinigungsverfahren werden die Sicherheitsabstände um die jeweilige Antennenanlage ermittelt. Zur Ermittlung dieser Sicherheitsabstände stellt Vodafone alle für die Sicherheitsbetrachtung relevanten Betriebsdaten der Anlage der Bundesnetzagentur zur Verfügung. Wir stellen sicher, dass diese Sicherheitsbereiche nicht von der allgemeinen Bevölkerung betreten werden können. Außerhalb der Sicherheitsbereiche können sich Personen unbesorgt dauerhaft und uneingeschränkt aufhalten.

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