Businesskunden im Fokus von Telefónica

LTE verändert Mobilfunkmarkt

­Im Interview berichtet Helge Weiß, Director ­Product & Marketing B2B, warum der LTE-Ausbau, die Überarbeitung von veralteten Mobilfunkverträgen und ein verbesserter Service vor allem für Businesskunden ausschlaggebend bei der Wahl des Mobilfunkanbieters ist.

„Bisher waren die LTE-Netze nur für Datendienste ausgelegt. Doch mit Voice over LTE steht nun eine neue Technik zur Verfügung, die auch IP-gestützte Sprachtelefonie über das LTE-Netz ermöglicht.“

Herr Weiß, in welche Richtung entwickelt sich der Mobilfunkmarkt generell? Welche Trends sehen Sie?
Helge Weiß:
Der Fokus verlagert sich immer mehr auf die Datennutzung. Telefonieren und SMS sind nur noch einzelne Funktionen unter vielen. Das Smartphone als Fernbedienung des Lebens wird den ganzen Tag und für jeden erdenklichen Zweck genutzt. Deshalb geht es heute in der Telekommunikation vor allem um Mobilität und Konnektivität: also immer und überall kommunizieren und das Internet benutzen zu können.

Neue Entwicklungen führen auch dazu, dass Sprach- und Datenkommunikation sowie Mobilfunk und Festnetz stetig zusammenwachsen. Außerdem kommt es zu immer mehr Überschneidungen zwischen der Telekommunikation sowie der Informations- und Kommunikationstechnik (ICT). Allein der für Telefónica adressierbare ICT-Markt, den wir momentan verstärkt mit unseren Cloud- und Softwarelösungen angehen, bietet Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent pro Jahr.

An welchen Produkten und Lösungen arbeiten Sie?
Weiß:
Wir haben ein neues Produktportfolio für Geschäftskunden herausgebracht, das alles abdeckt, was für das moderne und mobile Arbeiten nötig ist. Es besteht aus Mobilfunk, Festnetz, Software, Collaboration und Security. Aus diesen Komponenten erstellen wir integrierte Angebote aus einer Hand.

Wie gestaltet sich die Eingliederung von E-Plus?
Weiß:
Der Zusammenschluss von Telefónica Deutschland und E-Plus ist nun rechtlich vollzogen und beide Gesellschaften sind Teil des erweiterten Unternehmens. Wir haben die Vision, zusammen das führende digitale Telekommunikationsunternehmen in Deutschland aufzubauen. Der Umbau wird schrittweise erfolgen. Ziel ist es, mit attraktiven Produkten und einem marktführendem Preis-Leistungsverhältnis das beste Angebot für die mobile, digitale Welt zu bieten.

Worauf legen (potentielle) Businesskunden denn heute besonderen Wert?
Weiß:
Die Arbeitswelt der Geschäftskunden wird immer digitaler. Neue Technologien machen die Produktion und den Vertrieb immer effizienter und verschärfen somit die Konkurrenzsituation. Dadurch ändern sich auch die Anforderungen an uns: Im vergangenen Jahr zeigte unsere Marktforschung beispielsweiss, dass die meisten befragten Mittelständler vor allem auf Flexibilität, „alles aus einer Hand” und Einfachheit achten. Diese Faktoren lagen weit vor dem vielleicht vermuteten „Kosten sparen“.

Zwei Drittel fanden damals bereits das Pooling-Konzept interessant, das wir mit der Befragung überprüfen wollten: Statt einzelne Mobilfunkverträge für jeden Mitarbeiter abzuschließen, kaufen Unternehmen lieber Kontingente an Gesprächsminuten, SMS und Daten für die ganze Firma, die alle Mitarbeiter gemeinsam nutzen können.

Aus den Ergebnissen dieser Überlegungen entstand mit O2 Unite das erste Pooling-Angebot für den deutschen Mittelstand. Statt einzelner Verträge bekommt jede Firma einen maßgeschneiderten Pool. Wir peilen den Bedarf nicht über den Daumen, sondern stellen die Größe bis auf die Minute und das Megabyte genau ein, indem wir die Kunden exakt über die Nutzung ihrer Mitarbeiter befragen.

Hört sich kompliziert an …
Weiß:
Ist es aber nicht. Das Produkt ist sehr individuell und dennoch einfach, weil es nur noch eine gemeinsame Rechnung für das gesamte Unternehmen gibt. Die Anzahl der SIM-Karten ist dabei egal. Sie können jederzeit flexibel hinzugebucht oder abgeschaltet werden. Denn die SIM-Karten haben weder eine Laufzeit noch eine Grundgebühr.

Am Monatsende werden die nicht verbrauchten Einheiten aus dem Pool in die Folgemonate übertragen und ein Monitoring-Tool liefert jederzeit einen genauen Überblick über den Verbrauch der Firma. Es gilt immer derselbe monatliche Gesamtpreis, der die Verbindungen aller Mitarbeiter abdeckt. Das gilt auch für das Roaming im Ausland. Der Pool lässt sich zudem im Falle kurzfristigen Bedarfs flexibel aufstocken, ohne dass er dadurch dauerhaft teurer wird. So können Geschäftskunden spontan auf jede Anforderung reagieren und bleiben konkurrenzfähig.

Inwieweit geben sich Businesskunden mit den alten Mobilfunkvertragsmustern, vor allem hinsichtlich Mindestlaufzeit und schwierigem Anbieterwechsel, überhaupt noch zufrieden?
Weiß:
Im Geschäftskundenbereich gibt es keine homogene Nutzung mehr. Fast jeder Mitarbeiter nutzt sein Smartphone oder Handy irgendwie anders. Das Kommunikationsverhalten ist, abhängig von der Ausrichtung und Organisationsstruktur des jeweiligen Unternehmens sowie der vorhandenen Wertschöpfungsketten, sehr heterogen. In der Fertigung herrscht beispielsweise ein ganz anderes Telefonierverhalten als im Vertrieb. Warum sollten diese Mitarbeiter also dieselben Flatrates nutzen?

Dennoch hängen viele Unternehmen immer noch in Altverträgen fest und zahlen zu hohe Preise. Sie scheuen den Anbieterwechsel, weil sie den Aufwand fürchten. Tatsächlich jedoch läuft der Wechsel zu dem neuen Mobilfunkanbieter für den Nutzer fast automatisch. Als beispielsweise Daimler unser Kunde wurde, erfolgte der Umstieg auf das O2-Netz bei jedem Handy über Nacht. Die Anwender schalten lediglich am Abend ihre Mobiltelefone aus und legen am nächsten Morgen ihre neue SIM-Karte von Telefónica ein, wobei die Nummern mithilfe unseres Rollout-Service portiert werden.

In jeder Region Deutschlands haben wir eigene Account- und Service-Manager. Sie kennen jeden Geschäftskunden persönlich und stehen ständig in Kontakt. Auf diese spezielle Behandlung legen Unternehmen großen Wert. Sie ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass Geschäftskunden zu uns wechseln.

Wie werden sich Tarife und Tarifoptionen in Zukunft entwickeln? Worauf kommt es an?
Weiß:
In Deutschland gibt es bereits heute mehr SIM-Karten als Einwohner. Wachstum ist fast nur noch durch Verdrängung oder eben durch Innovationen möglich. Deshalb kommt es da-rauf an, faire und transparente Angebote zu präsentieren, um Bestandskunden zu behalten und Neukunden zu gewinnen.

Geschäftskunden benötigen Produkte und Services, die individuell zugeschnitten sind, sich einfach und flexibel managen lassen und ihnen helfen, konkurrenzfähiger zu werden. Das geht einerseits mittels neuer digitaler Technologien wie Cloud-Applikationen und andererseits durch Mobilfunkangebote wie O2 Unite.

Mit unseren neuen Cloud-Produkten des Geschäftskundenbereiches können nun auch kleinere Mittelständler digitale Angebote für modernes Arbeiten nutzen, die bisher nur Unternehmen mit eigenen IT-Abteilungen vorbehalten waren.

Ein Beispiel ist unsere Telefonanlage Digital Phone: Statt eine unflexible Hardwaretelefonanlage zu installieren, die Tausende von Euro für Anschaffung oder Leasing kosten kann und sich oft nur schwer erweitern lässt, telefonieren die Unternehmen über die Cloud. Es sind lediglich ein Internet-Anschluss und passende Endgeräte nötig, was die Anschaffungskosten niedrig hält. Neue Nebenstellen lassen sich jederzeit hinzubuchen oder abbestellen, damit sich die Telefonanlage flexibel der Entwicklung von Unternehmen anpasst. Dies ist in wenigen Minuten erledigt.

Wie weit sind Sie mit dem Ausbau des LTE-Netzes?
Weiß:
Seit April erreicht unser LTE-Netz jeden zweiten Einwohner in Deutschland und schon seit Sommer 2013 sind alle Ballungsräume, die sogenannten High Speed Areas, angeschlossen. Rund um die Großstädte erreichen wir 90 Prozent der Bevölkerung, und auch in der Fläche geht der Ausbau voran.

Momentan optimieren wir vor allem den Indoor-Empfang in den Städten und verdichten die LTE-Versorgung in der Fläche. Und daneben werden natürlich längst neue Funktechniken erprobt, wie beispielsweise die Carrier-Aggregation. In unseren Testnetzen haben wir damit schon Übertragungsraten von bis zu 225 Megabit pro Sekunde erreicht.

Auch bei „Voice over LTE“ (VoLTE) gibt es große Fortschritte. Bisher waren die LTE-Netze nur für Datendienste ausgelegt. Doch mit VoLTE steht nun eine neue Technik zur Verfügung, die auch IP-gestützte Sprachtelefonie über das LTE-Netz ermöglicht. VoLTE ist deswegen ein sehr wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Mobilfunk der Zukunft.

LTE wird erst durch VoLTE komplett, weil der bisher für Telefonate benötigte Wechsel auf 3G oder 2G entfällt. Dadurch wird der Rufaufbau stark beschleunigt, während die Datenübertragung ­para­llel im Hintergrund mit hoher Geschwindigkeit weiterläuft. Ein weiterer Nebeneffekt: VoLTE schont den Akku, weil für Anrufe kein Wechsel mehr auf andere Funkfrequenzen nötig ist. Im O2-Netz ist VoLTE bereits deutschlandweit technisch verfügbar.

Wie meistern Sie das Zusammenschmelzen von klassischer Festnetztelefonie und Mobilfunk?
Weiß:
Diese beiden Bereiche wachsen immer mehr zusammen. Mit unserer Cloud-Telefonanlage Digital Phone von O2 lassen sich beispielsweise normale Handys in die Telefonanlage von Unternehmen einbinden, die sich dann verhalten, als ob sie Festnetztelefone wären.

Für die Anrufe werden Tischtelefone für Internet-Telefonie oder PC oder sogar eine App auf dem Smartphone verwendet. So sind die Mitarbeiter überall auf der Welt mit derselben Festnetznummer und ihrer Nebenstelle erreichbar, wo sie einen Zugang zum Internet haben. Dabei ist es völlig egal, ob sie nun Mobilfunk nutzen oder das Festnetz im Büro. Auch Homeoffice-Mitarbeiter lassen sich einfach integrieren, indem sie beispielsweise Anrufe auf ihrer Nebenstelle mit dem Handy beantworten können.

Doch die Entwicklung geht noch viel weiter. Nicht nur Festnetz und Mobilfunk verschmelzen, sondern auch die Telekommunikation und Computertechnik: Telefonanlagen, Speichertechnik, Sicherheitslösungen und Office-Software, die bisher immer lokal installiert waren, wandern in die Cloud und lassen sich immer und überall auch mobil nutzen. Für alle diese Anwendungsfälle haben wir passende Lösungen im Angebot. Deshalb nennen wir unser Portfolio nur noch den Digital Workplace, denn bei uns bekommen Geschäftskunden alles aus einer Hand, was für das moderne Arbeiten nötig ist: Office-Software, Content-Sharing-Plattform, Festnetz, Mobile Device Management und Mobilfunk.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Wann legen Sie Ihr Smartphone auch einmal beiseite oder schalten es aus?
Weiß:
So richtig ausgeschaltet ist es nie. Doch ich lege es gern einmal weg, um mich auf andere Sachen zu konzentrieren – beispielsweise am Abend oder am Wochenende, wenn ich mit meiner kleinen Tochter spiele. Dabei würde das Smartphone nur stören. Ins Schlafzimmer nehme ich es auch nicht mit; in der Nacht bleibt es immer in seiner Ladestation im Flur. Das ist wichtig, um auf andere Gedanken zu kommen und neue Kraft zu tanken.

 

Helge Weiß ...
... ist 37 Jahre alt und arbeitet seit zehn Jahren bei Telefónica Deutschland. Seine Karriere begann er dort im Produktmarketing für den Consumer-Bereich. Ab 2008 arbeitete Helge Weiß dann im Wholesale, wo er dafür verantwortlich war, dass sich die Kundenzahl mehr als verzehnfachte. In diesen starken Wachstumsjahren brachten vor allem die Kabelnetzbetreiber und Service-Provider wie Drillisch hunderttausende von neuen Kunden für diesen Geschäftsbereich.

Im vergangenen Jahr wechselte Weiß in den Geschäftskundenbereich, wo er den Vertrieb für Mittelständler und Großkunden übernahm. Seit Oktober ist er als Director Product & Marketing B2B für alle Businessprodukte und -lösungen sowie ihre Vermarktung verantwortlich.

Helge Weiß ist verheiratet und hat eine Tochter. An den Wochenenden fährt er gerne Mountainbike oder widmet sich seinem Hobby: Sushi rollen. In seiner heimischen Küche probiert er immer wieder neue Varianten der japanischen Köstlichkeit aus und erfindet auch gern eigene Kreationen der leckeren Fischspezialität. 


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