Neue Geschäftsfelder der Machine-2-Machine-Kommunikation

M2M-Projekte im Gesundheitswesen

Interview mit Christian Methe, CEO des IT-Sicherheitsanbieters Exceet Secure Solutions, über die Sicherheitsthematik der M2M-Technologie und warum der Gesundheitsbereich diese verstärkt einsetzt.

„Das Thema M2M ist eindeutig in den Chefetagen angekommen und entsprechende Projekte werden daher ganz anders priorisiert“, so Christian Methe.

Herr Methe, welche neuen Geschäftsfelder konnten M2M-Technologien in letzter Zeit erschließen und wie werden diese dort eingesetzt?
Christian Methe:
Neben den klassischen Anwendungsfeldern im Bereich Industrie 4.0 sehen wir eine Ausweitung in „echte“ M2M-Projekte im Gesundheitswesen. Der hohe Kostendruck, die Zunahme der Komplexität der Medizinprodukte, die steigenden Behandlungszahlen und letztendlich die Abnahme an qualifiziertem Personal zwingt hier M2M-Lösungen nahezu auf.

Die bisherige Orientierung auf medizinische Geräte wird zunehmend auf verbrauchsorientierte Abrechnung umgestellt. Durch diesen neuen „Pay-per-Use“-Ansatz im medizinischen Umfeld ergeben sich neue Geschäftsfelder, bei denen die Gerätedaten selber zum Produkt für die Kunden bzw. Patienten werden.

Sie sprachen Industrie 4.0 an – inwiefern können vor allem Industrieunternehmen von M2M profitieren?
Methe:
Industrieunternehmen erhalten zum einen natürlich wertvolle Nutzungsdaten für Forschung und Entwicklung. M2M bzw. das „Internet der Dinge“ ist ein Megatrend der letzten Jahre und zieht, nicht zuletzt aufgrund der Globalisierung, in fast allen Geschäftsfeldern der Unternehmen ein.
Insbesondere wird M2M große Veränderungen auf die Entwicklungsprozesse von Produkten haben. Wir beobachten, dass gerade Unternehmen mit langen Entwicklungszyklen auf M2M aufmerksam werden. Viele Produkte, Produktentwicklungsprozesse und Geschäftsmodelle sind heute nicht mehr zeitgemäß. Ich kann daher nur jedem Unternehmen raten, die eigenen Prozesse frühzeitig auf neue  Geschäftsmöglichkeiten basierend auf M2M zu untersuchen.

Vor allem mittelständische Industrie­unternehmen besitzen nach wie vor Sicherheitsbedenken, wenn sie von der Vernetzung ihrer „heiligen“ Produktions­anlagen hören. Inwieweit sind diese berechtigt?
Methe:
Ja, das ist ein großes Thema, da die meisten Anbieter zum Thema Sicherheit nur die Transportsicherheit im Portfolio haben. Das alleine reicht bei sensiblen Daten jedoch nicht aus. Hier ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gefragt. Diesen Aspekt erkennen viele Unternehmen nicht – für uns als IT-Sicherheitsanbieter wirkt das etwas blauäugig, denn Daten sind heutzutage doch eines der am besten zu schützenden Objekte.

Dazu hören wir die Argumentation bezüglich Sicherheitsbedenken im Allgemeinen nur von den Unternehmen, die sich nicht von Beginn an mit dem Thema „Sicherheit“ auseinander gesetzt haben. Dieses Thema gehört bei unseren M2M-Projekten bereits beim ersten Gespräch mit auf die Agenda. Sicherheit bedeutet dabei nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen und ein M2M-Projekt mit Sicherheitslösungen, -konzepten und -zertifizierungen aufzublähen. Sicherheit bedeutet in erster Linie Transparenz und die Kenntnisse über mögliche Risiken den Kunden näher zu bringen.

Wohin wird die Entwicklung hinsichtlich M2M in Zukunft gehen?
Methe:
Aus technischer Sicht verstärkt sich die Forderung der Unternehmen, M2M-Lösungen sicher und konform beispielsweise mit Datenschutzanforderungen zu machen. Hier sind Themen, wie Sicherheitskonzepte, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, z.B. durch Public-Key-Infrastruktur-Lösungen, und Datenschutzkonzepte gefragt.

Zukünftig entsteht darüber hinaus eine neue sicherheitstechnische Herausforderung durch die starke Vermischung von Informationen unterschiedlicher Dimension und Qualität. Wir werden verstärkt einem Mix aus professionell erhobenen Daten, z.B. aus dem medizinischen Bereich, und Daten aus dem Konsumentenbereich, z.B. Fitnessdaten, gegenüberstehen.

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