Digitalisierung in der Verwaltung endet nicht beim Rollout
Dennis Reif, Director Technology & Services bei Converge Germany
Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung schreitet voran. Immer mehr Leistungen werden digital angeboten, Prozesse modernisiert und Fachverfahren miteinander vernetzt. Doch mit jedem neuen Service wächst auch die Belastung im Hintergrund: IT-Teams müssen komplexere Infrastrukturen betreiben, steigende Sicherheitsanforderungen erfüllen und gleichzeitig den laufenden Betrieb stabil halten. Managed Services rücken daher zunehmend ins Zentrum moderner Verwaltungs-IT.
Neun von zehn deutschen Großstädten verfügen laut dem Bitkom Smart City Index 2025 inzwischen über digitale Serviceportale, knapp ein Viertel nutzt in allen Ämtern die eAkte. Das zeigt: Die Digitalisierung der Verwaltung ist im operativen Alltag angekommen. Gleichzeitig wachsen jedoch die Anforderungen an den sicheren und dauerhaft stabilen Betrieb dieser Systeme. Denn nur 48 Prozent der Kommunen haben bislang ein umfassendes IT-Sicherheitsmanagementsystem implementiert. Viele Verwaltungen digitalisieren also schneller, als ihre Betriebsstrukturen mitwachsen können.
Verfügbarkeit und Datenschutz sind jedoch keine Zusatzanforderungen, sondern bilden die Grundlage für moderne Verwaltungsarbeit. Denn mit jedem neuen digitalen Service steigen die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger. Verwaltungsleistungen müssen zuverlässig erreichbar sein, stabil funktionieren und sensible Daten sicher verarbeiten.
Wie stark sich die Belastung im laufenden IT-Betrieb verändert hat, zeigen auch die Ergebnisse der aktuellen Converge-Studie „IT im öffentlichen Sektor”, für die mehr als 200 IT-Verantwortliche aus Verwaltung sowie Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen befragt wurden: 80 Prozent von ihnen geben an, dass im Tagesgeschäft kaum noch Zeit für strategische Zukunftsthemen bleibt. Gleichzeitig berichten 68 Prozent von einem dauerhaften „Feuerwehrmodus“ im IT-Betrieb. IT-Abteilungen im öffentlichen Sektor stehen also unter doppeltem Druck: Einerseits wächst die technische Komplexität, andererseits fehlen vielerorts die personellen Ressourcen, um diese Entwicklung dauerhaft aufzufangen.
Der Fachkräftemangel im öffentlichen IT-Bereich ist längst strukturell. Während die Anforderungen an Betrieb, Security und Support steigen, bleiben viele offene Stellen in Kommunen und Behörden über Monate hinweg unbesetzt. Parallel dazu wachsen die Systemlandschaften in die Breite. Klassische On-Premise-Infrastrukturen, Cloud-Dienste und historisch gewachsene Fachverfahren müssen heute parallel betrieben und miteinander integriert werden. Unterschiedliche Herstellerplattformen, hybride Betriebsmodelle und komplexe Abhängigkeiten erhöhen die Anforderungen an Monitoring, Lifecycle-Management und Betriebssteuerung erheblich.
Die Folgen sind im Alltag spürbar: Während wichtige Routineaufgaben liegen bleiben, geraten strategische Projekte – von der Cloud-Transformation bis zur Modernisierung von Fachverfahren – ins Stocken. Parallel dazu werden Sicherheitsbedrohungen professioneller. Ransomware-Angriffe auf Kommunen, gezielte Attacken auf öffentliche Einrichtungen oder Social-Engineering-Kampagnen gegen Mitarbeitende nehmen sowohl quantitativ als auch qualitativ zu.
Verzögerte Updates eröffnen Angreifern zusätzliche Angriffsflächen. Fehlende Transparenz über Systemzustände erschwert die Früherkennung von Problemen. Wenn das Monitoring lückenhaft erfolgt oder die Dokumentationen veraltet sind, lassen sich Sicherheitsvorfälle oft weder schnell erkennen noch sauber nachvollziehen. Hinzu kommen regulatorische Anforderungen, die den Druck auf den laufenden Betrieb weiter erhöhen. Reaktionszeiten müssen dokumentierbar sein. Sicherheitsvorfälle benötigen nachvollziehbare Protokolle. Zuständigkeiten müssen klar definiert und Betriebsprozesse auditierbar gestaltet werden.
Die eigentliche Herausforderung liegt also weniger in fehlender Technologie als in der Fähigkeit, komplexe digitale Infrastrukturen dauerhaft sicher, nachvollziehbar und effizient zu betreiben. Allzu häufig enden Projekte mit dem erfolgreichen Rollout, während der langfristige Betrieb organisatorisch in getrennten Zuständigkeiten verbleibt. Infrastruktur, Netzwerk, Clients, Security und Support werden vielerorts von verschiedenen Dienstleistern parallel betreut. Gerade an diesen Schnittstellen entstehen operative Risiken: Informationen gehen verloren, Verantwortlichkeiten verschwimmen und Betriebsprozesse werden unnötig komplex.
Hinzu kommt eine strukturelle Besonderheit des öffentlichen Sektors: Neue Technologien lassen sich häufig nur projektbezogen oder über Förderprogramme finanzieren. Der dauerhafte Betrieb digitaler Infrastrukturen benötigt jedoch langfristig planbare Ressourcen, klare Verantwortlichkeiten und Strukturen, die auch unter wachsender Last stabil bleiben. Für die Digitalisierung sind deshalb nicht nur Investitionen in neue Technologien nötig. Sie braucht vor allem einen dauerhaft verlässlichen Betrieb.
Als effizientes Modell für einen transparenten, planbaren und dauerhaft belastbaren IT-Betrieb haben sich Managed Services etabliert. Bei diesem Modell werden Betrieb, Überwachung, Wartung und Support in einem klar definierten Rahmen mit festen Zuständigkeiten und planbaren Reaktionszeiten gebündelt. Das schafft konkrete Vorteile im laufenden Betrieb:
Das Ergebnis ist eine spürbar höhere Betriebsstabilität: geringere Ausfallrisiken, bessere Security-Resilienz, klare Verantwortlichkeiten und eine IT, deren Betrieb auch langfristig planbar bleibt.
Im operativen Alltag hat sich ein integrierter 360-Grad-Ansatz bewährt, bei dem die Bereiche Beratung, Umsetzung und Betrieb organisatorisch zusammengeführt werden. In ein konsistentes Betriebsmodell werden dabei Infrastruktur-, Netzwerk-, Client- und Security-Services integriert. Ziel ist der Übergang von einer projektgetriebenen IT hin zu einem Betrieb mit klaren Zuständigkeiten und dauerhaft verlässlichen Strukturen. Zentrale Service-Desks, regionale Vor-Ort-Services sowie kombinierte Remote- und Hands-on-Supportmodelle gewährleisten eine schnelle Reaktionsfähigkeit, auch in komplexen föderalen Strukturen. Durch risikoarme Übergabemodelle werden Betriebsunterbrechungen beim Wechsel von Betriebsstrukturen minimiert.
Ein Beispiel für spezialisierte Betriebsunterstützung in heterogenen IT-Umgebungen ist der Mobile Device Management (MDM)-Service von Converge Germany, in den AppleCare OS Support integriert ist. Einrichtungen erhalten so direkten Zugang zu erfahrenen Apple-Engineers, etwa bei der Integration von Apple-Technologien in bestehende Infrastrukturen, bei Netzwerk- und Konfigurationsfragen oder bei komplexen Fehleranalysen. Individuell abgestimmte Supportmodelle und unbegrenzte Supportanfragen ermöglichen schnellere Problemlösungen und einen professionelleren Betrieb hybrider Client-Umgebungen.
Die Digitalisierung der Verwaltung gewinnt weiter an Dynamik. Neue Plattformen, Fachverfahren und Services stellen zusätzliche Anforderungen an den Betrieb, die Sicherheit und die Integration. Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt somit nicht allein in der Einführung neuer Technologien, sondern in ihrer langfristigen Betriebsfähigkeit. Stabile Betriebsmodelle, standardisierte Prozesse und integrierte Managed Services bilden somit das Fundament moderner Verwaltungs-IT. Dies ist jedoch kein Selbstzweck: Digitale Services funktionieren nur dann zuverlässig, wenn die Strukturen dahinter dauerhaft tragfähig bleiben.
Quellen:
Converge Technology Solutions Germany: „IT im öffentlichen Sektor – Von Cybersecurity bis Cloud-Readiness“. Studie, September 2025 (n = 217). Online-Befragung von 217 IT-Spezialistinnen und -Spezialisten aus öffentlicher Verwaltung, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie weiteren öffentlich-rechtlichen Organisationen in Deutschland.
Bitkom e. V.: „Smart City Index 2025“. Studie zur Digitalisierung deutscher Großstädte mit Kennzahlen zu digitalen Verwaltungsservices, IT-Sicherheit und kommunaler Digitalisierung.
Bild: DC Studio / Magnific