SportsTech

Mehr als 1.000 Startups in Europa

Der Markt für SportsTech ist gigantisch, insgesamt wächst er jährlich um 20 Prozent, sagt Christoph Sonnen, CEO des SportsTech-Investors leAD, im Interview.

Christoph Sonnen, CEO des SportsTech-Investors leAD

Christoph Sonnen, CEO des SportsTech-Investors leAD

Der digitale Sportmarkt heißt SportsTech zeigt seit einigen Jahren ein rasantes Wachstum. Das interessiert inzwischen auch Investoren, wie beispielsweise leAD oder ausgeschrieben „Legacy of Adi Dassler“. Gegründet haben ihn die Enkel des legendären Adidas-Gründers. In welche Startups sie investieren und wie sich der SportsTech-Markt entwickelt, beschreibt leAD-CEO Christoph Sonnen im Interview.

Sportstech ist im Trend, wie die Verkaufszahlen von Fitness-Gadgets zeigen. Aber ist dieser Trend auch nachhaltig? Was erwarten Sie von der Entwicklung in den nächsten Jahren?
SportsTech ist tatsächlich voll im Trend. Aber Fitness Gadgets sind nur ein kleiner Teil eines gigantischen Markts, dessen große technische Disruption noch ganz in den Anfängen steckt. Wir sehen derzeit einen 8,9 Milliarden US-Dollar Markt, der jährlich um über 20% wächst und in fünf Jahren mehr als 30 Milliarden schwer sein wird. In unseren Augen ist der SportsTech-Markt einer der wenigen Märkte, der erst in den nächsten Jahren von technologischen Neuerungen profitieren wird. Fitness Gadgets dienen daher als schöner Einstieg in den Markt, da sie den Konsumenten direkt erreichen.

Doch besonders das immense Potenzial von Apps und Plattformen rund um das Fan-Engagement und neuer Sportarten wie eSports, zeigt den zukünftigen Boom eindrucksvoll. Hier zeigt sich, dass die Technik neue Standards definieren wird. Viele der bisher bekannten traditionellen Sportarten müssen sich anpassen, um ihre Spitzenstellung nicht zu verlieren.

Welche Märkte oder Technologien haben im Moment das größte Potenzial?
Wir sehen für drei Marktsegmente besonders großes Potential: Connected Athletes, Fan Engagement und eSports & Derivative Markets, also neu entstehende Sportarten. Im Bereich Connected Athletes geht es besonders darum, wie Athleten und Hobbysportler ihre persönlichen Leistungen in gesundem Maße steigern können. Durch eine neue Art von Vernetzung mit direktem Feedback der Sensorik oder Trainingsinstrumenten kann so ein kontinuierlich neuer Reiz geschaffen werden, der nicht nur Leistungen verbessert, sondern das Training vor allem besser verständlich und abwechslungsreicher macht. Aber auch im Bereich Live-/Videostreaming schaffen künstliche Intelligenz und Augmented Reality neue Möglichkeiten. Im Bereich Fan Engagement geht es um innovative Möglichkeiten, wie Vereine besser mit Fans kommunizieren können. So wird der Fan noch näher an seinen Club herangeführt. Aber auch in der Kommunikation untereinander steht der Fan und sein Erlebnis im Vordergrund. Hierzu gehört der Bereich Social Betting auf speziellen Wettplattformen, bei denen zwei Personen gegeneinander wetten.

Wie ist der Trend hier in Deutschland? Gibt es genügend Gründungsinteressierte, gibt es genügend innovative Ideen? Haben deutsche Startups überhaupt eine Relevanz?
Laut dem European SportsTech Report gibt es alleine in Europa weit mehr als tausend Startups – und in Deutschland sitzt jedes zehnte. Zwar sind uns Großbritannien und auch die skandinavischen Staaten ein wenig voraus, doch wenn man sich besonders die Investitionen in Startups anschaut, stellt man schnell fest, dass der überwiegende Teil der insgesamt 135 Millionen Euro in der DACH-Region investiert wird. Auch unser eigenes Portfolio ist ein gutes Beispiel. Wingfield revolutioniert gerade die Tennisbranche und bietet ein selbst für Amateurspieler erschwingliches System, was mit Hilfe Künstlicher Intelligenz eine Analyse liefert, die bisher nur Profispieler zur Verfügung stand. So wird der Tennissport schon in seiner Basis revolutioniert und Spieler bekommen ein Werkzeug an die Hand, was sie unterstützt, das eigene Spiel zu verstehen und schneller als zuvor zu verbessern. Oder wir nehmen SkillYoga, ein Berliner Startup, welches als erstes weltweit ein Programm für Männer bietet, die Yoga kennenlernen und von den Übungen, der Beweglichkeit und der mentalen Balance profitieren möchten.

Auf welche Bereiche von SportsTech und welche Art von Startups konzentriert sich der leAD Sports Accelerator (und warum)?
Wir fokussieren uns auf die genannten Bereiche mit dem stärksten Marktpotential: Connected Athletes, Fan Engagement, eSports und Derivative Markets. Unter Derivative Markets fassen wir all die neu aufkommenden Sportarten und -technologien zusammen, sei es eSport oder Virtual- und Augmented-Reality.

Im Accelerator investieren wir hier in frühphasige Startups (pre-seed). Hier gibt es zwar auch ein Investment, jedoch steht vor allem unsere unterstützende Sport und Business-Expertise im Vordergrund. Darüber hinaus profitieren die Startups von unserem globalen Netzwerk, aufgeteilt in Experten, Sportclubs und Sportorganisationen. Unser Business Builder investiert dann eine Phase später (seed), während unser ADvantage Sports Tech Fund über 50 Millionen verfügt und reine Series A Investments tätigt. So bilden wir durch unser geschaffenes Ökosystem sämtliche Investitionsphasen in der Frühphase ab, die es den besten unserer Startups ermöglicht, erste Kunden zu akquirieren sowie erfolgreich und aggressiv im Markt zu expandieren.

Sie haben ja nun schon drei Jahre Erfahrung beim Aufbau der Betreuung von Startups. Welche Tipps würden sie einer Sportorganisation geben, die mit Startups kooperieren möchte?
Ich glaube, das Einzigartige der SportsTech-Branche ist, dass man wirtschaftliche Rationalität und Sportleidenschaft nicht einfach trennen kann. Gerade wenn man mit jungen Unternehmen zusammenarbeitet, darf diese geteilte Motivation nicht fehlen. Man muss den Gründer, seine Aspiration und seine Vision verstehen können, um bestmöglich auf ihn einzugehen und unterstützen zu können. Hier hilft natürlich ebenfalls die Passion aller anderen Mitspieler im Markt – seien es Sportvereine, Organisationen, strategische Partner oder Co-Investoren anderer Risikokapitalgeber oder Accelerator-Programme.

Bildquelle: leAD

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