Datenmanagement

Mehr Datenschutz bringt mehr Datenverarbeitung

Die DSGVO kommt und bringt wie andere Richtlinien neue Anforderungen an die IT. Ein Wachstum bei Cloud und Storage wird die Folge sein.

Papierunterlagen im Durcheinander

Mehr Daten, mehr Datenchaos?

Daten sind der entscheidende Treibstoff der Digitalwirtschaft. Und damit sind nicht herkömmliche Kontaktdaten gemeint, sondern umfassende Informationen über potentielle und tatsächliche Kunden. Diese hohe Bedeutung von Daten hat auch die Regulierer in Brüssel auf den Plan gerufen. Die Unternehmen müssen sich mit allerlei neuen Richtlinien herumschlagen: Der vielzitierten DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) und der NIS-Richtlinie (Netz- und Informationssicherheit). Bei Firmen im Finanz- und Versicherungsbereich kommt sogar noch eine weitere Richtlinie mit Bedeutung für die Datenverarbeitung hinzu: MiFID II ((Markets in Financial Instruments Directive).

Neue Abk. aus Brüssel: DSGVO, NIS, MiFID II 

Die DSGVO bringt neue Verbraucherrechte mit ganz konkreten Auswirkungen auf die IT. So müssen Unternehmen nun über die von ihnen gespeicherten Daten eines Kunden Auskunft geben und sie auf Verlangen auch löschen. Solche Ansinnen waren aber bisher in den Unternehmen nicht vorgesehen. Kaum ein herkömmliches IT-System beherrscht DSGVO-konforme Auskünfte oder Löschoperationen. Denn die Krux ist die Vollständigkeit der Auskunft. Die Unternehmen müssen tatsächlich alle noch so versteckt gespeicherten Datenschnipsel erfassen können - zum Beispiel in E-Mails, Warenkörben oder CRM-Systemen.

Ein wichtiger Teil der DSGVO ist die Meldepflicht bei Datenpannen, die zusammen mit der Meldepflicht von Sicherheitsbrüchen nach NIS-Richtlinie den Unternehmen einige Lasten aufbürdet. Die Regulierer wollen hier Transparenz schaffen, denn bisher sind Pannen und Lecks zumeist als „Geschäftsgeheimnis“ behandelt und nicht in jedem Fall bekannt worden. Das geht nicht mehr, im Gegenteil: Verletzungen der Meldepflicht sind mit empfindlichen Geldstrafen bewehrt.

MiFID II betrifft zwar nur den Finanzsektor, sorgt hier aber für Veränderungen in der IT: Die Richtlinie enthält einige neue Anforderungen für die Transaktionsberichterstattung. Statt nur die Handelsteilnehmer zu melden, müssen Unternehmen dann auch Kundendaten hinzufügen und angeben, ob die Transaktionen automatisch zwischen IT-Systemen oder manuell zwischen Personen durchgeführt wurden. Die Transaktionsdaten werden aber in Märkten erfasst, in denen Tausende von Transaktionen pro Sekunde geschehen. Hier ist also ein weiteres Datenwachstum vorprogrammiert - und das alles bitteschön DSGVO-konform.

Datenmanagement an die Situation anpassen

Spötter bezeichnen so etwas als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Entwickler und Subvention für Storage-Hersteller. Denn die neuen Regelungen werden sicher eine anhaltende Nachfrage nach Datenplattformen erzeugen, die schnell und flexibel skalierbar sind. Analysten prognostizieren daher deutlich höhere Ausgaben für lokale Speicher-, Indizierungs- und Datenerfassungssysteme. Dabei gerät die traditionelle Festplatte langsam aber sicher ins Hintertreffen, denn die Datenzugriffe müssen teils in Echtzeit erfolgen, damit es nicht zu einem Rückstau kommt. Vor allem MiFID II setzt leistungsfähige Hardware voraus. Das freut die spezialisierten Hersteller von hochmodernen Flash-Arrays wie Pure Storage, die denn auch selbstbewusst von den Unternehmen fordern: „Hört auf, jahrzehntealte Legacy-Technologien zu kaufen“.

Der zweite wichtige Datenspeicher für Unternehmen heißt Cloud und hat sich inzwischen weit verbreitet. Viele Unternehmen setzen auf CRM in der Cloud oder haben angefangen, Tools wie Slack oder Trello intensiv zu nutzen. „Sie kratzen erst an der Oberfläche“, meint Chris Wahl, Cheftechnologe bei Rubrik, einem Anbieter von Cloud-Datenmanagement. Er geht davon aus, dass Cloud-Dienste wesentlich näher an die Unternehmen rücken und im Idealfall verstärkt mit bestehenden Anwendungen und Infrastrukturen integriert werden. 

Bei den drei großen Cloud-Anbietern ist eine Erweiterung des Angebots und verstärkte Unterstützung durch Partner (Azure mit Azure Stack, Google Cloud Platform mit Nutanix und AWS mit VMware) im Gange. Letztlich heißt das: Lokale und Cloud-Storage wachsen parallel und werden gleichzeitig genutzt. Auch das Datenwachstum wird wohl exponentiell bleiben. Denn gerade die neuen EU-Regelungen bedeuten mehr Daten. Um alle Anforderungen umzusetzen, müssen die Unternehmen nun mehr Daten länger und detaillierter speichern - ein typisches Regulierungsparadox, bekannt vom „Bürokratieabbau“, der seine eigene Bürokratieabbaubürokratie erzeugt.

Bildquelle: Thinkstock

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