Pläne der Bundesregierung

Mehr Klarheit für Influencer-Marketing

Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz klare Regeln für die Werbeaktivitäten von Influencern schaffen.

Bleistifte formen einen Hashtag neben einem Smartphone

Die Regierung muss sich mit der Frage beschäftigen, wie bei Personen des öffentlichen Lebens zwischen privaten und gewerblichen Social-Media-Aktivitäten unterschieden werden soll.

"Dass Beiträge, die bezahlt werden, als Werbung gekennzeichnet werden müssen, ist eine Selbstverständlichkeit und muss auch in Zukunft erfolgen", sagte Gerd Billen, Staatssekretär im Justizministerium, dem ZDF. Würden Inhalte ohne Gegenleistung veröffentlicht werden, könne man Rechtssicherheit schaffen, so dass nicht einfach pauschal jeder Beitrag aus Angst vor Abmahnungen als Werbung gekennzeichnet wird. Dieses Vorgehen wurde spätestens im vergangenen Jahr gängige Praxis, als der Verband Sozialer Wettbewerb mit einer ausgewachsenen Abmahnwelle für große Verunsicherung sorgte. Zu den betroffenen gehörte auch eine Berline Bloggerin, die das Vorgehen des Verbandes öffentlichkeitswirksam kritisierte und gegen ein Urteil des Landgerichts Berlin Einspruch einlegte. Die Folge: eine einstweilige Verfügung wurde im vergangenen Januar aufgehoben.

Einen ähnlichen Erfolg konnte Cathy Hummels im vergangenen April verbuchen. Auch hier war die Verlinkung einer Marke innerhalb eines Instagram-Postings der Stein des Anstoßes. Die Moderatorin musste sich vor dem Münchener Landgericht gegen den Vorwurf der Schleichwerbung wehren und ging siegreich aus dem Prozess hervor. Die zuständige Kammer wies die Zivilklage des Verband Sozialer Wettbewerb allerdings ab. Instagram-Nutzern müsse klar sein, dass eine Person des öffentlichen Lebens mit einer derartigen Reichweite auch kommerzielle Interessen verfolge, so die Argumentation der Vorsitzenden Richterin.

Zunehmende Forderung nach Transparenz

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) weist ebenfalls auf die Defizite bei der Rechtsprechung hin und forderte einheitliche, praxisgerechte und lebensnahe Entscheidungen der Gerichte. Die pauschale Kennzeichnung von Beiträgen führe viel mehr dazu, dass der Nutzer am Ende gar nicht mehr unterscheiden könne, welche Inhalte werblicher Natur sind, und welche aus privater Motivation veröffentlicht werden.

„Ob und vor allem wie ich meine Beiträge in sozialen Medien dann auch als Werbung kennzeichnen muss oder nicht, darf nicht davon abhängen, ob ich in Berlin oder in Düsseldorf wohne“, so Anke Herbener (Digital Changers), Lableiterin Influencer Marketing im BVDW. Voraussetzung für die grundsätzliche Kennzeichnungspflicht im Influencer Marketing müsse eine eindeutige geschäftliche Handlung des Influencers sein. „Wenn also ein Influencer Geld oder eine Gegenleistung für eine vereinbarte Leistung wie Posten oder Taggen erhält, dann besteht die Pflicht, den Beitrag als werblich zu kennzeichnen“, sagt Herbener. „Influencer müssen aber eben auch privat sein dürfen.“

Staatssekretär Gerd Billen kündigte im ZDF an, noch in dieser Legislaturperiode eine Regelung auf den Weg bringen zu wollen. Zuvor müsse man sich noch mit den Ministerien abstimmen.

Bildquelle: Getty Images/iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok