Silicon Berlin

Mehr Professoren und Hochschulen für Berlin

Startups sind nur die eine Hälfte des Silicon Valley, die andere sind Hochschulen. Berlin will das jetzt nachbauen.

Startups werten die traditionell etwas maue Wirtschaft Berlins auf. Das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) hat vor kurzem die aktuelle Startup-Szene der Hauptstadt untersucht. Dabei legt sie eine einfache Definition von Startup zugrunde: Es handelt sich um ein Unternehmen, das weniger als fünf Jahre alt ist, ein skalierbares Geschäftsmodell besitzt und auf dem Internet aufsetzt.

2015 gab es insgesamt 26 Unternehmen dieses Typs in Berlins, die insgesamt 13.200 Mitarbeiter beschäftigten. Zum Vergleich: 2012 gab es nach diesen Kriterien erst 270 Startups mit 6.700 Mitarbeitern. Damit rückt die Szene in die Top Ten der Berliner Arbeitgeber auf, auf Platz fünf hinter Deutsche Bahn, Charité, Vivantes und BVG. Wenn die Definition auf zehn Jahre alte Unternehmen erweitert wird, dann sind es schon 30.000 Beschäftigte. Nach Ansicht des IFSE kann die Startup-Szene in Berlin innerhalb der nächsten beiden Jahre zum größten Arbeitgeber aufsteigen.

Zusammenarbeit von Wissenschaft und Gründern

Natürlich ist Berlin damit noch ziemlich weit vom Silicon Valley entfernt, aber es ist deutlich zu sehen, dass sich die Startup-Szene deutlich weiterentwickelt. Dies gilt auch für einen Aspekt am Silicon Valley, der gerne übersehen wird: Die starke Zusammenarbeit und Integration von Wissenschaft und Gründern. Viele Studenten in Stanford und anderen Universitäten beginnen ihr Studium mit dem Ziel, es am Ende als Unternehmensgründer und Startup-CEO zu verlassen – und sie werden dabei von den Hochschulen unterstützt.

Ganz so weit ist Berlin noch nicht, aber immerhin haben Senat und Landesregierung die Probleme erkannt. Vor einigen Jahren gründete das Land Berlin die Einstein-Stiftung Berlin mit dem Zweck, Wissenschaft und Forschung auf internationalem Spitzenniveau zu fördern. Hierzu wurden kürzlich eine Reihe von Einstein-Zentren ins Leben gerufen, die wissenschaftliche Kompetenz in Forschungsschwerpunkten bündeln soll.

Das im Moment in Gründung befindliche Einstein-Zentrum für digitale Zukunft soll interdisziplinär zur Digitalisierung forschen. Finanziert wird es in einer Public-Private-Partnership: Zu jedem Euro von privaten Geldgebern gibt die Einstein-Stiftung 50 Cent dazu. Bisher sollen etwa 20 Unternehmen daran beteiligt sein. Das Zentrum wird von allen Berlinern Unis sowie anderen wissenschaftlichen Organisationen getragen. Das Konzept sieht vor, dass am Einstein-Zentrum 50 zusätzliche, auf sechs Jahre befristete IT-Juniorprofessuren eingerichtet werden.

Fachhochschule für Entwickler und Gründer

Doch das ist noch nicht alles. Berlin bekommt ab dem Wintersemester 2017/2018 eine neue Hochschule: Die in Gründung befindliche CODE University of Applied Sciences. Das unter anderem von dem Kölner Seriengründer Thomas Barren vorangetriebene Projekt will mit den drei Bachelor-Studiengängen Software Engineering, Interaction Design und Product Management Entwickler, Designer und Unternehmer praxisnah ausbilden. Dabei orientiert sich die CODE mit ihren überwiegend englischsprachigen Studiengängen am Bedarf der Digitalwirtschaft, deren Nachwuchs in einem projektbasierten und anwendungsbezogenen Studium ausgebildet wird.

Der größte Teil der neuen Professoren soll im Robert-Koch-Forum in der Wilhelmstraße angesiedelt sein. Um tatsächlich die Gemengelage in der Bay Area nachzubilden, müssten auch Studenten dort arbeiten dürfen und die neue Universität möglichst in der Nachbarschaft angesiedelt werden. Denn eines der Erfolgsgeheimnisse des Silicon Valley ist die räumliche Nähe und der dadurch mögliche, unkomplizierte Austausch zwischen Studenten, Professoren und erfolgreichen Gründern. Das lässt sich nicht durch Senatsbeschluss herbeizaubern, sondern muss wachsen – wie im Silicon Valley.

Bildquelle: Thinkstock

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