Zu einer ordentlichen Wlan-Planung gehört laut Matthias Peter von Peter Communication Systems ein Konzept, wie die Investition refinanziert werden kann.
MOB: Herr Peter, Stichwort „öffentliches Wlan/Hotspots“: Wie gut ist Deutschland im internationalen Vergleich bereits vernetzt?
Matthias Peter: Deutschland hinkt im internationalen Vergleich seit vielen Jahren hinterher. Seit dem Wegfall der Störerhaftung im Jahr 2017 holen wir glücklicherweise schneller auf. Während mittlerweile in großen öffentlichen Einrichtungen (wie z.B. Fußballstadien, Flughäfen, etc.), aber auch bei kleinen Betreibern (wie Cafés) freies Wlan Standard ist, sind wir hinsichtlich Wlan-Abdeckung im kommunalen Bereich immer noch Entwicklungsland: Öffentlichen Krankenhäusern, Innenstädten und insbesondere unseren Schulen fehlt es immer noch an flächendeckendem und funktionsfähigem Wlan.
MOB: Worin bestehen die Vorteile und Möglichkeiten solch einer öffentlichen Vernetzung – vor allem für die Bürger?
Peter: Interessanterweise werde ich auch von Seiten potentieller Wlan-Betreiber häufig gefragt, warum es Wlan-Hotspots in Zeiten von Flatrates überhaupt noch braucht. Wlan schließt die zahlreichen Lücken in der Mobilfunkabdeckung, insbesondere dort, wo auch mit dem weiteren Netzausbau nicht mit einer Verbesserung zu rechnen ist: Tiefgaragen, Ladengeschäfte und Bereiche mit hoher Besucherzahl können über Mobilfunk nicht ohne Weiteres versorgt werden. Für den Nutzer erschließen sich eine Reihe von Mehrwerten: Neben der tatsächlich verfügbaren höheren Bandbreite und der kostenfreien Nutzung (Mobilfunkflatrates haben immer noch Nutzungsbegrenzungen) gibt es Mehrwertdienste, die nur über Wlan angeboten werden. Hierzu zählen insbesondere sogenannte Location-based Services, mit denen z.B. eine Indoor-Navigation ermöglicht wird, aber auch der Zugang zu lokalen Angeboten. So können z.B. bei Sportereignissen Mehrwertdienste geboten werden, wie der direkte Zugriff auf die Live-Berichterstattung mit hochauflösendem Videomaterial.
MOB: Im Rahmen einer Eco-Umfrage gaben 44,9 Prozent der Befragten an, öffentliche Wlan-Hotspots im Ausland eindeutig häufiger oder eher häufiger zu nutzen als in Deutschland. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Peter: Die direkten Zugangsvoraussetzungen (wie vorherige Registrierung, Beschränkung der Nutzungsdauer), die ein Hindernis für Nutzer darstellen, sind mittlerweile geringer geworden. Hauptgrund ist meiner Meinung nach die oftmals technisch unzureichende Umsetzung öffentlicher Wlans. Es ist ein Armutszeugnis für den Betreiber, wenn z.B. eine Wlan-SSID ausgestrahlt wird, aber nach dem Verbinden keine Daten fließen – dass dann die Nutzung ausbleibt, ist kein Wunder. Letztlich ist es die Schuld der Betreiber, wenn für die Einrichtung keine Fachfirmen für öffentliche Wlans beauftragt werden – Fachwissen und Erfahrung sind Grundvoraussetzungen einer funktionierenden Installation.
MOB: Was sind Bremsfaktoren für die Bereitstellung öffentlicher Wlan-Netze? Welche Rolle spielen hier etwa Netzsperren, Störerhaftung, Kosten...?
Peter: Ich sehe mehrere Faktoren, die sich nachteilig auswirken: Technischerseits kommt regelmäßig Equipment zum Einsatz, das sich für diesen Zweck überhaupt nicht eignet. Auch namhafte Hersteller allein sind keine Garantie dafür, dass sich deren Geräte für den zuverlässigen Betrieb eines öffentlichen Wlans eignen. Auch ein Wlan benötigt einen Internetzugang. Bei Installationen im öffentlichen Bereich ist es für uns oft eine Herausforderung, einen ausreichend schnellen Internetzugang vor Ort zu erhalten, und wir müssen immer wieder z.B. über Richtfunk zunächst eine Anbindung herstellen. Kosten werden oft als Bremsfaktor vorgeschoben. Zu einer ordentlichen Wlan-Planung gehört aber auch ein Konzept, wie die Investition refinanziert werden kann.
MOB: Mit welchen generellen Herausforderungen und welchem zeitlichen, finanziellen und personellen Aufwand ist die Realisierung eines öffentlichen Wlan-Spots für den jeweiligen Betreiber (z.B. Kommune, Café, Bücherei...) verbunden?
Peter: Das hängt wesentlich von der abzudeckenden Fläche, der vorhandenen Bausubstanz und der zu erwartenden Nutzeranzahl ab. Wenn uns eine Kundenanfrage erreicht, gehört z.B. eine professionelle Funkmessung im Vorfeld dazu. Diese kostet zwar im Vorfeld etwas Zeit, ist aber unverzichtbar, wenn das Wlan im Betrieb auch die daran gestellten Anforderungen erfüllen soll. Darüber hinaus haben wir umfangreiche Erfahrungen, wie die Kosten refinanziert werden können. Im Idealfall kann der Betreiber mit seinem Wlan dann sogar Geld verdienen (und ich meine damit nicht, für die Wlan-Nutzung Geld zu verlangen!). Der personelle Aufwand im Betrieb lässt sich verringern, wenn die Wlan-Infrastruktur „as a Service“ von einem professionellen Anbieter gemietet wird. Gerade für kleine Installationen bieten wir daher schon immer Kauf- und Mietvarianten an.
MOB: Welche konkreten Gefahren birgt ein öffentliches Netz für die Bürger?
Peter: Grundsätzlich gelten die gleichen Sicherheitsregeln wie sonst im Internet. Zusätzlich kommt in öffentlichen Wlans hinzu, dass die Datenübertragung i.d.R. unverschlüsselt stattfindet. Weiterhin sind Geräte ohne aktive Firewall auch für andere Nutzer erreichbar und eine aktivierte Dateifreigabe wäre ein wahrscheinliches Angriffsziel.
MOB: Immer neue Studien sollen die Gesundheitsgefahren, die von Mobilfunk- und eben auch Wlan-Strahlung ausgehen, untermauern. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Peter: Das Gegenteil ist der Fall. Wenn ein Smartphone schlechten Empfang über Mobilfunk hat (z.B. in Fahrzeugen, Gebäuden, etc.), kompensiert es das, in dem es die Sendeleistung erhöht. Wenn gleichzeitig ein funktionierendes Wlan vorhanden ist, werden die Daten mit wesentlich geringerer Leistung hierüber übertragen. Es mag paradox klingen, aber in diesem Fall sinkt mit mehr Sendern die elektromagnetische Strahlungsexposition.
MOB: Wie können sich Nutzer effektiv schützen, wenn sie sich mit ihren Mobilgeräten in öffentliche Wlan-Netzwerke einloggen? Worauf sollten sie achten?
Peter: Der Nutzer muss sich selbst um die Verschlüsselung kümmern – beispielsweise sollten Webseiten nur mit vorangestelltem „https“ aufgerufen werden (was mittlerweile glücklicherweise fast Standard ist). Im Browser ist das z.B. an einem vorangestellten Schloss erkennbar. Den besten Schutz bietet die Nutzung eines VPNs, da hierüber sämtliche Daten verschlüsselt übertragen werden können. Darüber hinaus ist die räumliche Position eines Endgeräts im Wlan verfolgbar. Das gleiche gilt aber auch für das Mobilfunknetz. Hiergegen hilft nur Abschalten.
MOB: Welchen Einfluss wird 5G zukünftig auf die Wlan-Infrastruktur ausüben?
Peter: 5G bringt die gravierendsten Verbesserungen im M2M-Bereich, also in der Kommunikation zwischen Maschinen (häufig genanntes Beispiel ist die Kommunikation von Fahrzeugen im Straßenverkehr). An den Gründen, die für die Nutzung eines Wlans sprechen, ändert das nichts – zumal mit WiFi 6 gerade auch die nächste Weiterentwicklung des Wlan-Standards im Kommen ist. Außerdem ist die Reichweite einer typischen 5G-Funkzelle noch geringer als in den anderen Mobilfunkstandards. So wird 5G eher nützlich für die Verbreitung von Wlans sein, weil über das 5G-Netz der Datentransfer des Wlan-Access-Points weitergeleitet werden kann. Ganz nebenbei wird es noch Jahre dauern, bis die überwiegende Zahl der Smartphones 5G beherrscht.
Bildquelle: Peter-CS