Digitales Zuhause

Mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens

Im Interview wirft Andreas Wahlich, General Manager Europe von Ecovacs Robotics, einen Blick auf den Smart-Home-Markt in Deutschland und erläutert, was intelligente Reinigungslösungen anno 2019 leisten müssen, um auch skeptische Anwender zu überzeugen.

  • Mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens

    Bislang beherrscht AIVI etwa 500 Objekte und lernt ständig dazu. ((Bild: Ecovacs Robotics))

  • Mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens

    Andreas Wahlich steht seit 2016 an der Spitze des Unternehmens. ((Bild: Ecovacs Electronics))

Herr Wahlich, welche Themen standen vor wenigen Wochen auf der CES 2019 im Fokus?
Andreas Wahlich:
Wie immer standen die großen Zukunftsvisionen im Rampenlicht: vom selbstfahrenden Auto bis hin zum ausrollbaren Fernseher. Aber natürlich hatten auch ganz handfeste Smart-Home-Lösungen für alle Lebensbereiche auf der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) einen wichtigen Stellenwert. Egal, um welche Anwendungsbereiche es letztlich geht – eines haben sie fast alle gemeinsam: Sie werden dank immer ausgereifterer Smart-Home-Betriebssysteme immer einfacher anwendbar. Das spielt uns natürlich in die Karten, denn gerade für Produkte im Bereich „Haushaltsrobotik“ sind einfache Anwendungen und eine für unsere Kunden gut nutzbare Infrastruktur entscheidend.

Welchen Stellenwert besitzt in Ihren Augen das Thema „Smart Home“ im europaweiten Vergleich?
Wahlich:
Im europäischen Vergleich gibt es noch sehr große Unterschiede in der Ausstattung der Haushalte. Die nordischen Länder sind aktuell schon etwas weiter als wir in Deutschland, wenn man sich den gesamten Smart-Home-Bereich anschaut. In Dänemark gibt es bereits etwa 18 Prozent smarte Haushalte, in Deutschland sind wir aktuell bei ca. 12 Prozent, während Frankreich, Spanien und Italien noch einstellig sind. Für 2019 liegt die Prognose der Haushaltsdurchdringung laut Statista allein für Deutschland bei knapp 20 Prozent, bis 2023 bei knapp 35 Prozent. Das zeigt: Smart Home hat ein riesiges Potential!

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3-4/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.


Wie groß ist das Interesse konkret in Deutschland an entsprechenden Lösungen? Wer ist hier die Zielgruppe?
Wahlich:
In Deutschland besaßen laut Statista Ende 2017 rund 14,2 Prozent einen Staubsaugerroboter (die natürlich noch nicht alle in smarte Anwendungen eingebunden sind), während fast jeder zweite Interesse an einem Gerät hat. Das zeigt auch hier ein enormes Potential – und die Weiterentwicklung immer nutzerfreundlicherer und smarter Geräte lässt das Interesse natürlich weiterwachsen.

Moderne Haushaltsroboter sind einfach zu bedienen. Eine gewisse Technikaffinität ist hier zwar hilfreich, aber längst nicht mehr unbedingt notwendig. Deshalb ist die Zielgruppe eine sehr breite: Unsere Produkte richten sich an alle, die sich mit der Reinigung des Haushalts beschäftigen bzw. an all diejenigen, die so wenig wie möglich mit der Haushaltsreinigung zu tun haben wollen und die gewonnene Zeit lieber anderweitig nutzen. Hinzu kommen auch speziellere Anwendungen: Staubsaugerroboter werden z.B. sehr gerne von Haustierbesitzern genutzt. Unsere Produkte sind zudem für die besonderen Anforderungen von Allergikern geeignet, etwa weil der Putzvorgang stattfinden kann, während man gar nicht zu Hause ist.

Was müssen intelligente Reinigungslösungen anno 2019 leisten können, um sich am Markt gegen die Konkurrenz durchzusetzen? Was erwarten die Nutzer von solchen Lösungen?
Wahlich:
Die Kunden erwarten die Lösung ihrer Herausforderungen in der Bodenreinigung – und das smart, selbstständig, unauffällig, möglichst vollumfänglich, effizient, einfach in der Handhabung und technisch einwandfrei. Mit innovativen Reinigungslösungen ermöglicht man Kunden mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Wir sind davon überzeugt: Je weniger sich Nutzer mit der Bodenreinigung auseinandersetzen müssen, desto erfolgreicher sind die Produkte.

An welchen Stellen hakt es oftmals noch bei intelligenten Reinigungsrobotern?
Wahlich:
Die natürlichen Feinde eines Staubsaugerroboters sind Dinge wie Kabel, Socken, Legosteine und ähnliches. Deshalb muss alles, was nicht aufgesaugt werden soll, vorher beiseite geräumt werden. Das stellt für einige Menschen noch eine technologische Barriere dar. Genau hier haben wir aber mit der KI-Technologie eine Lösung gefunden.

Dann gibt es noch ein paar weitere Herausforderungen, mit denen sich die Produktentwicklung beschäftigt: Die Kartierung von mehreren Etagen ist nach wie vor in der Entwicklung. Beim Thema „größere Leistung“ z.B. auf Teppichen müssen wir immer wieder Kompromisse eingehen. Eine höhere Leistung ist kein Problem, beeinflusst aber u.a. die Akkuleistung, Laustärke und Gerätegröße. Es gibt also immer Verbesserungspotential.

Inwieweit lassen sich Haushaltsroboter denn mit Künstlicher Intelligenz (KI) versehen?
Wahlich:
Wir haben eigens dafür eine KI-Technologie entwickelt: Artificial Intelligence and Visual Interpretation, kurz AIVI. Ausgestattet mit einer Kamerasensorik erfasst das Modul laufend, welche Hindernisse im Weg stehen, und trifft dann die Entscheidung: Die Socke nicht einsaugen, die Vase nicht anfahren und die Katze möglichst großräumig umfahren. Diese Technologie wird im Deebot Ozmo 960 in diesem Jahr auf den deutschen Markt kommen.

Wie intelligent ist der Saugroboter?
Wahlich:
Er ist unser fortschrittlichstes Produkt und mit eben dieser neuen KI-Technologie ausgestattet. Mithilfe dieser Künstlichen Intelligenz erkennt der Saugroboter nicht nur einfach seine Umgebung, um einen Putzplan zu erstellen, sondern nimmt viele Hindernisse wie Kabel oder Socken wahr, um diesen effizient ausweichen. Für die Nutzer entfällt so das lästige Aufräumen vor dem Saugrobotereinsatz.
Bislang beherrscht AIVI etwa 500 Objekte und lernt ständig dazu. Im Laufe des Jahres werden immer mehr Fremdkörper und Hürden zum Portfolio ergänzt, Nutzer sparen Zeit und Energie.

Wie verhält es sich mit dem Datenschutz bzw. der Datensicherheit, wenn smarte Technologien wie Haushaltsroboter so viele Daten (darunter ggf. auch Bilder) sammeln und dann auch noch via Google Home, Amazon Echo oder per App gesteuert werden können?
Wahlich:
Alle Daten, die unsere KI erhebt, unterliegen selbstverständlich europäischen Datenschutzrichtlinien. Bilder werden nicht gespeichert oder an Dritte übertragen. Auf freiwilliger Basis können Nutzer ihre Daten aber mit uns teilen, um den Lernprozess bzw. die Entwicklung der Technologie zu unterstützen.

Wie lassen sich intelligente Smart-Home-Lösungen skeptischen Anwendern näherbringen?
Wahlich:
Die Entwicklung der Produkte geht immer weiter. Unsere Produkte sind heute beispielsweise schon um ein Vielfaches eigenständiger und effizienter als noch vor zwei oder drei Jahren. Je mehr sich die Reinigungsroboter durchsetzen, umso besser werden sie, weil wir auch vom Feedback der Kunden lernen. Außerdem legen wir, wie gesagt, großen Wert auf Datenschutz.

Welche strategischen Ziele hat sich Ecovacs Robotics für dieses Jahr im Rahmen von Smart-Home-Konzepten gesetzt?
Wahlich:
Ein wichtiges Ziel ist für uns die perfekte Integration unserer Saugroboter in die drei gängigen Smart-Home-Konzepte: Alexa, Google und Apple. Zudem wollen wir noch mehr Möglichkeiten der Sprachsteuerung nutzen. Wir arbeiten daran, den Saugroboter per Sprachbefehl in verschiedene ausgewählte Räume fahren zu lassen.

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