App-Entwicklung

Mehrwerte identifizieren

Ben Jeger, Managing Director Central Europe bei Appsflyer, im Interview über aktuelle App-Monetarisierung, neue Geschäftsmodelle und die Vormachtstellung von Google.

Ben Jeger, Managing Director Central Europe bei Appsflyer

„Die Entwicklung von Apps wurde durch einheitliche Stores und ihre Regeln vereinfacht”, sagt Ben Jeger von Appsflyer.

Die Veröffentlichung vieler wegweisender Anwendungen liegt bereits Jahre zurück. Wie viel disruptives Potential steckt heute noch in der App-Entwicklung?
Ich bin der Überzeugung, dass nicht in der App selbst, sondern in den Geschäftsmodellen dahinter das disruptive Potenzial steckt. Die App kann lediglich ein interessantes Medium sein, vor allem für „Direct-to-Consumer”-Produkte. App-Entwickler sollten gedanklich bei ihrer Zielgruppe anfangen, indem sie von vornherein klären, wie Nutzer zu ihnen finden, mit dem Service und der Marke interagieren und wie Mobilgeräte diese Interaktionen aufwerten oder verbessern können. Es geht also darum, herauszufinden, was dem Kunden wirklich einen Mehrwert bringt und welche Rolle eine App und die Funktionen eines Mobiltelefons, z. B. Kamera, Standort oder Push-Benachrichtigungen, dabei spielen können. Das Potenzial von mobilen Apps, unser Konsumverhalten zu verändern und bestehende Geschäftsmodelle zu durchbrechen und neue entstehen zu lassen, ist noch längst nicht ausgereizt.

Welche Kompetenzen muss ein App-Entwickler heutzutage neben der reinen Programmierung mitbringen?
Ohne User keine App. Ohne einen konkreten Plan, wie User die App später finden sollen, ist die App-Entwicklung zu kurz gedacht. Die Wahl der Distributionskanäle und der Monetarisierung haben massiven Einfluss auf die Produktentwicklung, etwa ob eine App über Werbung monetarisiert werden soll oder über bezahlte Inhalte wie Abos und In-App Käufe.  Die Marketingstrategie beeinflusst also sehr früh auch die technische Seite der Entwicklung, z.B. welche KPIs man mit welchen Tools messen will. Wie kann ich bestimmen, wer meine besten Nutzer sind, über welche Kanäle sie kommen und wie hoch ihr Engagement ist? Möchte ich auf Inhalte innerhalb der App verlinken (Deeplinking)? Sind User-Invites geplant, zum Beispiel über Promo-Codes? All diese Entscheidungen sind früh zu treffen und greifen tief in die Entwicklung ein. Je eher die Entwickler sich mit diesen Fragen auseinandersetzen, umso einfacher ist es, das Marktpotenzial einer App auch zu nutzen.

Welche Rolle spielt das Duopol von Android und Apple (iOS) für Entwickler? Vereinfacht die übersichtliche Situation bzgl. der Betriebssysteme den Entwicklungsprozess oder ergeben sich daraus vielleicht sogar erschwerende Abhängigkeiten?
Die Entwicklung von Apps wurde durch einheitliche Stores und ihre Regeln vereinfacht, was auch am phänomenalen Erfolg der App Stores erkennbar ist. User und App-Entwickler gleichermaßen profitieren von der Nutzer Experience durch die zwei großen Stores. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass auch die Vermarktung von Apps in der Hand großer Plattformen ist. Hier nimmt Google mit Google Ads und dem Play Store gleich eine doppelte Vormachtstellung ein. Für App-Entwickler oder Firmen, die auf Apps als Geschäftsmodell setzen, besteht immer das Risiko, in eine Abhängigkeit zu geraten. Nachteile werden spürbar, sobald eine Plattform die Spielregeln ändert und den Traffic-Hahn zudreht. Wichtig ist es daher, sich frühzeitig Gedanken zu machen, über welche Kanäle die App außerhalb der App Stores bekannt werden soll, organisch und paid, und den eigenen Marketing-Mix zu finden, um die Abhängigkeit von einzelnen großen Playern möglichst gering zu halten.

Bildquelle: Appsflyer

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