PowerApp und Flow

Microsoft bietet App-Entwicklung für jedermann

Microsoft mischt jetzt bei der Automatisierung von Webdiensten mit und möchte auch die App-Entwicklung vereinfachen.

"Citizen Development" ist in den USA die Bezeichnung für einen weit verbreiteten Trend: Immer mehr Business-Anwender entwickeln kleine Apps für ihre Aufgaben selbst. Dazu nutzen sie allerdings nicht die gängigen Programmiersprachen und Entwicklungsumgebungen, sondern spezielle Point&Click-Umgebungen, die Datenintegration und einfache Business-Apps erlauben.

Microsoft hat für diesen speziellen Markt bisher noch kein rechtes Angebot gehabt und das soll sich jetzt offensichtlich ändern: Der Software- und Cloud-Anbieter aus Seattle hat zwei neue Services gestartet, die eine einfache Entwicklung von Apps und Cloudintegrationen ermöglichen - bisher allerdings nur als Preview.

Flow - Die Cloud automatisieren

Der neue Dienst Flow hat grundsätzlich dieselben Aufgaben wie IFTTT, dass sich eher an Privatleute richtet, und das kostenpflichtige Zapier, das auf Business-Kunden zielt. Es geht darum, unterschiedliche Dienste in der Cloud miteinander zu verknüpfen. Einige Beispiele von Flow:

  • Erzeugen eines Eintrags in Wunderlist, wenn eine wichtige E-Mail ankommt.
  • Automatisches Sichern von Anhängen in der Dropbox.
  • Zusenden einer E-Mail, wenn eine neue Datei in SharePoint online hinzugefügt wird.
  • Bestimmte E-Mails als Message in Slack weiterschicken.

Das (bislang) kostenlose Flow hat noch den Preview-Status, sodass über den endgültigen Funktionsumfang vorläufig noch keine Aufgaben getroffen werden können. Insgesamt sind im Moment mehr als 30 Services in Flow integriert, unter anderem Microsoft-Dienste wie Share Point, Wunderlist, Azure, OneDrive, Dynamics und Office 365 sowie Cloudservices von Twitter, Trello, Facebook, GitHub, Google Drive und Salesforce.

Das Microsoft jetzt den eingeführten Platzhirschen in der Cloud-Automatisierung Konkurrenz macht, spricht für sich: Offensichtlich ist der Bedarf groß und Microsoft möchte seine Kunden in gewohnter Weise stärker an sich binden. In Abgrenzung zu IFTTT und ähnlich wie bei Zapier ist die Hauptzielgruppe der Unternehmensanwender.

Doch bis Flow eine echte Konkurrenz ist, muss Microsoft noch viel Aufbauarbeit leisten. So unterstützt Zapier über 500 verschiedene Webdienste und  SaaS-Anwendungen, darunter Online-Offices wie Zoho oder Google Docs sowie einige Microsoft-Produkte.

Doch Microsoft beabsichtigt offensichtlich, den Flow-Dienst flexibler als die Konkurrenten zu machen. So ist es in einigen Situationen möglich, mehr als nur eine App miteinander zu verknüpfen. Außerdem können beliebige URLs eingefügt werden, sodass der Zugriff auf eine nicht integrierte Webapp via API möglich ist. Zudem findet sich unter den unterstützten Diensten auch der ebenfalls neue Microsoft-Service PowerApps.

PowerApps - App-Baukasten für schnelle Entwicklung

PowerApps ist eine spezielle Point&Click-Umgebung für Anwender von Office 365. Sie können damit eigene Business-Apps erzeugen, die auf Dienste wie SharePoint, Salesforce oder Excel zugreifen. Jede erzeugte App kann in einer Version für Smartphone oder für Tablet genutzt werden und erlaubt bei Bedarf via Flow die Automatisierung der Aufgaben.

Ganz so einfach einzusetzen wie Flow ist der Baukasten allerdings nicht. So muss zunächst einmal eine Windows-App namens PowerApps-Studio heruntergeladen werden, die als Entwicklungsumgebung für die Business-Apps arbeitet. Es gibt zwar auch ein App-Verzeichnis im Web, das aber nicht für die Bearbeitung der Apps eingesetzt wird.

Anschließend können die Apps dann erzeugt werden. Sie bestehen aus einem oder mehreren Bildschirmseiten, die mit den typischen Elementen einer Benutzerschnittstelle wie Text, Buttons oder Bildern gefüllt werden können und zudem mit eine Datenquelle enthalten können. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Elemente wie Ereignisse oder Kollektionen für die Eingabe von beliebigen Daten.

Als Umgebung für die Entwicklung von Business-Apps, mit denen  beispielsweise Daten eingegeben, angezeigt oder ausgewertet werden können, ist PowerApps sehr gut geeignet. Sie bietet ein objekt-orientiertes Programmierparadigma an, mit dem recht schnell Ergebnisse erzeugt werden können.

Doch komplizierter und aufwendiger als Flow ist der neue Microsoft-Dienst auf jeden Fall. Wer noch überhaupt keine Erfahrung mit Programmentwicklung oder Scripting besitzt, wird zunächst einmal eine steile Lernkurve zu bewältigen haben.

Zum Schluss noch ein Hinweis: Um den Zugriff auf die Preview der beiden Webservices zu begrenzen, hat Microsoft eine Reihe von E-Mail-Adressen ausgeschlossen, etwa bekannte Provider wie GMX, Gmail, Hotmail, Outlook sowie die Standardadressen von Providern. Anmelden können sich Nutzer nur mit einer E-Mail-Adresse von einer Unternehmens-Domain.

Bildquelle: Thinkstock

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