Build 2018

Microsoft setzt auf KI, Windows tritt zurück

Die wichtigsten Technologien für Microsoft? Ganz einfach: künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und Cloud Computing.

Der Microsoft-Campus in Seattle

Der Microsoft-Campus in Seattle

Am ersten Tag der Microsoft Build 2018 machte der ehemalige Windows-Konzern deutlich, dass er seine Zukunft in Künstlicher Intelligenz und Cloud Computing sieht. Mehr als ein Dutzend neue oder aktualisierte Produkte mit dem Schwerpunkt KI auf Azure beherrschten die Ankündigungen. Unter anderem will Microsoft den Entwicklern mit dem Azure Bot Service das Entwickeln von dialogorientierten KI-Anwendungen erleichtern.

Sehr interessant ist auch die weitere Evolution des schon abgeschriebenen Kinect: Die ehemals für Gaming gedachte Gestensteuerung soll auf der Basis von Azure als KI-Tool ausgebaut werden. Mit Project Kinect for Azure sollen Entwickler Klänge, Gesten und Räume erfassen können und somit entsprechend ausgestattete KI-Anwendungen schreiben können.

Eine weitere KI-Ankündigung betraf programmierbare Schaltkreise (FPGAs) für Deep Learning, die als Beschleuniger für die Abläufe dabei wirken - ähnlich wie Grafikkarten. Das Project Brainwave soll so etwas wie Echtzeit-KI auf Azure ermöglichen. Damit die Programmierer das auch umsetzen können, gibt es spezielle Entwicklerwerkzeuge.

Zugänglichkeit, Sprachassistenten und Augmented Reality

Microsoft sieht künstliche Intelligenz als wichtige Hilfe für Menschen mit Behinderungen und hat deshalb ein spezielles Programm dafür in die Welt gerufen: AI for Accessibility. Das Unternehmen will dafür in den nächsten fünf Jahren 25 Millionen Dollar bereitstellen und damit die Entwicklung von KI-gestützten Hilfen zur Bewältigung von Alltag und Berufsleben beschleunigen. Eine App, die schon in diese Richtung geht, ist Seeing AI. Sie beschreibt mit KI-Hilfe und Sprachsynthese die von der Kamera erfasste Umgebung.

Sprachassistenten sind inzwischen sogar ein eigener Markt geworden, siehe Amazon Echo und Google Home. Microsoft war hier bisher zurückhaltend und hat Cortana auf Windows begrenzt. Das soll jetzt aufhören, Amazon und Microsoft haben eine Kooperation angekündigt und wollen Alexa und Cortana integrieren. Auf der Build gab es eine erste Demo zu sehen, bei der sich die beiden Assistenten gegenseitig aufrufen konnten. Nach Meinung von Beobachtern war das aber eine sehr hakelige Beta, die Integration wirkt noch nicht besonders elegant.

Eine weitere Ankündigung betraf die recht erfolgreiche AR-Brille Hololens. Microsoft arbeitet hier zurzeit an der zweiten Version mit neuer Hardware. Dabei die Entwicklung in zwei Richtungen: Erstens sollen die Sensoren eine deutlich höhere Auflösung bieten, sodass Bewegungen und Objektdetails besser erkannt werden. Zweitens soll das gesamte Sensorsystem mit weniger Energie auskommen. Die „HoloLens 2“ hat also vor allem eine längere Akkulaufzeit und soll weniger kosten.

Smartphones und die weitere Entwicklung von Windows

Weitere Integrationen von Microsoft-Produkten in andere Welten betreffen den Smartphone-Markt. Microsoft hat hier immer noch Ambitionen, aber das eigene Betriebssystem spielt auf mobilen Geräten keine Rolle mehr. Stattdessen möchte Microsoft Windows 10 stärker mit dem Smartphone verbinden. So soll es mit der App „Your Phone“ in Windows möglich sein, direkt auf SMS und Benachrichtigungen der Smartphones zuzugreifen und Fotos einfach per Drag and Drop auf den PC kopieren zu können.

Der Microsoft Launcher für Android bietet Business-Anwendern den einfachen Zugriff auf spezifische Geschäftsanwendungen via Microsoft Intune. Dadurch können sie die unter Windows gewohnten Anwendungen auch auf dem Androiden nutzen können. Zudem soll die gerade erst eingeführte Timeline-Funktion („Aktivitätsverlauf“ im Microsoft-Deutsch) auch geräteübergreifend funktionieren. So soll die iOS-Variante von Edge auf die Timeline zugreifen können.

Und Windows? Parallel zur Entwicklerkonferenz startete der Rollout des aktuellen großen Updates von Windows 10. Dabei zeigte sich, dass Microsoft wie immer mit der Komplexität seines Desktop-Betriebssystems kämpft: Die neu eingeführte Timeline-Funktion provozierte bei einigen Nutzern Abstürze. Unverdrossen kündigte Microsoft aber eine neue Funktion für das nächste Windows-Update im Herbst an: „Sets“, eine Integration mehrerer unterschiedlicher Objekte in einem „getabbten“ Fenster. Damit können zusammengehörige Apps, Dokumente und Websites gemeinsam geöffnet und geschlossen werden.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht für App-Entwickler: Sie sollen nun deutlich höhere Umsatzanteile bekommen. Bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen streicht Microsoft nur noch fünf Prozent der App-Umsätze ein. Das ist schon mehr als großzügig, denn der übliche Umsatzanteil für den Store-Anbieter liegt bei etwa 30 Prozent.

Bildquelle: Microsoft

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