Auf in den Bildungsmarkt

Microsoft stellt Windows 10 S und Surface Laptop vor

Ein teures Notebook und ein abgespecktes Windows - Microsoft hat Produkte für den Bildungsmarkt vorgestellt.

Microsoft möchte einen sehr speziellen Markt erobern, den Bildungsmarkt. Dafür hat der Konzern eine neue Windows-Variante vorgestellt: Windows 10 S. Das ist eine eingeschränkte Version des Betriebssystems, die lediglich Apps und Anwendungen aus dem Windows Store ausführen kann. Das sind in erster Linie Universal-Apps, aber es wird auch eine Office-Version für den Desktop im Store geben.

Die Einschränkung auf Store-Apps hat natürlich mit den angepeilten Kunden zu tun. Microsoft hat zusätzlich spezielle Management-Funktionen integriert, mit denen IT-Verantwortliche die Hardware leichter als beim großen Bruder Windows 10 verwalten können. Dafür gibt es eine spezielle, an Windows 10 S angepasste Version des bekannten Management-Tools Windows InTune. Dann können Admins unter anderem einschränken, welche Anwendungen installiert werden dürfen.

Um möglichst viele Schulen auf den Microsoft-Zug aufspringen zu lassen, bietet der Software-Hersteller zusätzlich zu Windows 10 S eine spezielle Variante von Office 365 für Bildungsinstitutionen an, die im ersten Jahr kostenlos ist. Sie ist darüber hinaus auch mit dem Slack-Klon Microsoft Teams als Lösung für die Zusammenarbeit und die Kommunikation in Arbeitsgruppen ausgestattet.

Es gibt allerdings noch weitere Einschränkungen. Andere Browser können zwar über den Store installiert werden, aber es ist nicht möglich, den Standard-Browser Edge zu ändern. Auch die Standard-Suchmaschine Bing kann nicht auf die Konkurrenz umgestellt werden. Trotz solcher Einschränkungen handelt es sich bei Windows 10 S nicht um eine Light-Version wie das unselige Windows RT. Aus dessen Misserfolg hat Microsoft offensichtlich den Schluss gezogen, nur wenige Einschränkungen gegenüber dem großen Bruder zu machen und es trotzdem für preisgünstigere Geräte zu positionieren.

Spezielle Windows-Geräte für Schulen

Fehlen nur noch solche Geräte. Sie sollten allerdings für den Bildungsmarkt nicht zu teuer sein. Laut Microsoft wollen demnächst die Hersteller Acer, Asus, Dell, Fujitsu, HP, Samsung und Toshiba kostengünstige Computer mit Windows 10 S anbieten. Die Preise sollen bei 189 Dollar beginnen. So günstig bekommen dies aber nur Schulen, die direkt oder über den Schulträger einen Vertrag mit dem Anbieter abgeschlossen haben. Darüber hinaus wird es sicher in Zukunft auch einige preisgünstige Geräte für normale Heimanwender geben.

Kein Schnäppchen ist das neue Surface Laptop, das Microsoft ebenfalls vorgestellt hat. Es wird in vier Wochen in Deutschland auf den Markt kommen und soll in der Grundausstattung 1149 Euro kosten. Dafür ist es allerdings recht gut ausgestattet mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher und einer 128 Gigabyte Flashspeicher-Platte. Das Gerät hat eine Bildschirmdiagonale von 13,5 Zoll mit einer Auflösung von 2256 x 1504 Pixeln, bietet i5- und i7-Prozessoren und eine recht beeindruckende Akkulaufzeit von 14,5 Stunden. Darüber hinaus eignet es sich auch für die Stiftbedienung mit dem Surface Pen.

Im Unterschied zum Surface Book ist es ein reines Notebook. Das Display kann also nicht umgeklappt und das Gerät in ein Tablet verwandelt werden. Außerdem kommt hier wie bei den günstigen Dritthersteller-Geräten Windows 10 S zum Einsatz. Wem das abgespeckte Betriebssystem zu wenig professionell ist, kann über den Store jederzeit auf Windows 10 Pro umsteigen. Schnell entschlossene Erstkäufer haben hier einen Vorteil: Bis Ende des Jahres soll das kostenlos möglich sein.

Kommentar: Am deutschen Bildungsmarkt vorbei

Das Microsoft-Angebot für Schulen dürfte wohl eher in den USA ein Erfolg werden. Allerdings gibt es da schon Google. Der Suchmaschinenriese hat es geschafft, etwa 50 Prozent aller US-Schüler hinter kostengünstigen Chromebooks zu versammeln. Für deutsche Schülerinnen und Schüler wird eine solche Ausstattung aber, ob nun von Microsoft oder Google, vorerst ein SciFi-Traum bleiben.

Das unterfinanzierte öffentliche Bildungssystem hierzulande ist nicht einmal in der Lage, Computerräume mit aktueller Hardware und Software in der Fläche auszurollen, zu warten und regelmäßig zu upgraden. Überdeckt wird dieser Mangel durch Leuchtturmprojekte, die es in jedem Bundesland gibt. Sie tauchen öfter mal in den Medien auf, werden sie doch gerne von Bildungspolitikern im Wahlkampf mit Pressebegleitung besucht.

Darüber hinaus ist eine recht große Gruppe der Lehrer Digitalisierungsskeptiker. Dies führt dann dazu, dass die Computerräume in den Schulen auch noch zu selten genutzt werden. Es gibt jenseits von Informatik und einigen Leuchtturmlehrern anderer Fächer wenig Interesse, sich in die Möglichkeiten der digitalisierten Bildung einzuarbeiten.

Hinzu kommt eine grundlegende Skepsis gegenüber dem Engagement von Unternehmen im Bildungssektor. Was in den USA gut funktioniert und von den Schulen gerne angenommen wird, gilt in Deutschland als Gefahr - Stichwort Ökonomisierung der Bildung.

Kurz: Das Angebot von Microsoft geht am deutschen Bildungsmarkt vorbei. Aber gut, das wir es mal gesehen haben.

Bildquelle: Microsoft

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