The Phoneing Dead

Microsoft wickelt die Reste von Nokia ab

Wenn ein Spaß acht Milliarden Dollar kostet, muss es sich um eine fehlgeschlagene Firmenfusion handeln. Diesmal: Microsoft und Nokia.

Erst mal ein paar Worte zu Apple: Der Monsterkonzern aus Cupertino, CA fährt 65 Prozent des Gewinns ein, der im Gesamtmarkt für Mobilgeräte gemacht wird. Samsung bringt es auf 41 Prozent. Das addiert sich zu 106 Prozent, weil viele andere Unternehmen (BlackBerry, HTC, Motorola) Verluste haben oder es nur knapp über die Nulllinie schaffen.

Diese Zahlen haben vor ein paar Tagen für Aufsehen gesorgt. Sie stammen aus einem Bericht der Investmentbank Canaccord Genuity. Die enorme Diskrepanz zwischen Apple-Gewinnen und dem Rest liegen in erster Linie daran, dass Apples Hochpreisstrategie immer noch verfängt. iPhones kosten im Durchschnitt 620 US-Dollar. Android-Geräte dagegen bringen es nach Angaben der Investmentbank auf einen Durchschnittspreis von 185 Dollar.

Nur noch wenige Vorzeigegeräte

Zugespitzt bedeutet das: Wer Geld verdienen will, sollte sich vom Smartphone-Markt fernhalten. Kein Wunder also, das Microsoft-CEO Satya Nadella Nokia zu Geschichte machen will. Eine teure Abschreibung: Microsoft hatte insgesamt 9,5 Milliarden Dollar für das finnische Unternehmen ausgegeben, davon etwa 3,8 Milliarden als Kaufpreis und den Rest für Patente, Lagerbestände und andere Assets.

Nun muss Microsoft gut 7,6 Milliarden Dollar abschreiben, in der Geräte-Sparte bis zu 7.800 Mitarbeiter entlassen und noch mal 850 Millionen Dollar für die Umstrukturierung drauflegen. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr hat Microsoft bereits den Abbau von 18.000 Stellen angekündigt.

Nadella hat die Gerätesparte bereits in die Windows-Division eingegliedert und den ehemalige Nokia CEO Stephen Elop entlassen. In Zukunft soll es zwar noch Lumias geben, aber lediglich als „Flagship Devices“. Nadella will sich auf drei kleine Modellreihen für Einsteiger, Geschäftskunden und Highend-Freaks beschränken, mit jeweils nur einem oder zwei Geräten pro Serie.

Angesichts des völlig aufgeteilten Mobilmarkts ist das sinnvoll. Mit Gewalt und unter Verlusten Märkte zu erobern, ist keine funktionierende Strategie. Der weltweite Anteil von Windows Phone liegt seit drei Jahren bei drei Prozent. Nur in Europa sieht es besser aus, in den Leitmärkten (DE, DB, FR, IT, ES) liegt der Anteil seit kurzem wieder bei gut zehn Prozent.

Aussichten im Enterprise-Markt

Nach Ansicht der Analysten von IDC hat sich Windows Phone in Westeuropa fest als „Dritte Macht“ neben iOS und Android etabliert. Die Marktforscher geben eine günstige Prognose ab. Sie vermuten, dass Android im Highend-Bereich Marktanteile an iOS abgibt und bei Einsteigergeräten an Windows Phone.

Und dann gibt es ja noch Windows 10, dessen Mobile-Variante das bisherige Windows Phone 8.1 auf neuen Geräten ersetzen wird. Hier setzt Nadella sinnvollerweise auf den Enterprise-Markt, der ja ohnehin zur Domäne von Microsoft gehört. Tatsächlich dürfte es hier noch möglich sein, merkliche Anteile zu erobern.

Im B2B-Segment lässt sich gut mit Windows/Office-Integration, einheitlicher Administration, Konfiguration per Group Policies, Single-Sign-On und den vielen anderen Zauberworten der Business-IT argumentieren. Wenn Microsoft Wachstum erwarten kann, dann in diesem Bereich.

Schließlich ist die ehemalige Marktposition von BlackBerry immer noch verwaist, ein eindeutiger Nachfolger konnte sich nicht etablieren. Die beiden großen Systeme sind einfach zu stark auf das optimale Nutzererlebnis für Privatleute ausgerichtet. Doch Apple hat im Enterprise-Bereich in der letzten Zeit enorm aufgeholt und folgt BlackBerrys Spuren.

Aber noch sind die Claims nicht vergeben, Microsoft hat bei den Geschäftskunden noch alle Chancen. Hierbei setzt Nadella auf ein Windows-Okösystem, zu dem die Marken Lumia und Surface als Vorzeige-Hardware gehören. Das ist zwar vernünftig, aber die Redmonder hätten das sicher auch ohne den Nokia-Kauf haben können.

Bildquelle: Microsoft

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok