Verrückte KI-Welt

Millionengehälter trocknen KI-Ausbildung aus

Im Silicon Valley werden für KI-Spezialisten an Universitäten Irrsinnslöhne bezahlt, die die Ausbildung zum KI-Spezialisten langsam austrocknen.

Hände öffnen Geldbörse mit Dollarscheinen

US-Unternehmen zahlen KI-Experten üppige Gehälter

Fachleute für künstliche Intelligenz, die sich mit Neuronetzen, Deep Learning und anderen Verfahren auskennen, sind Mangelware. Zugleich werden immer mehr Positionen in diesem Bereich ausgeschrieben - auch in Deutschland. Der regelmäßig erscheinende digitale Jobmonitor des Handelsblatts verzeichnet unterschiedliche Digitaljobs. Seit geraumer Zeit verzeichnet der Bereich Künstliche Intelligenz sehr starkes Wachstum. So ist im letzten Quartal 2017 die Zahl der ausgeschriebenen Jobs für KI-Experten um knapp 100 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal  gestiegen, im zweiten Quartal waren es sogar 170 Prozent.

Der Grund liegt in der zweiten Digitalisierungswelle in der deutschen Industrie, die stark auf KI als Schlüsseltechnologie setzt und damit neuartige Geschäftsmodelle und automatisierte Prozesse umsetzen will. Doch die Zahl der hochkarätigen KI-Experten ist begrenzt, selbst bei weltweiter Rekrutierung. So geht der chinesische Technologie-Konzern Tencent aufgrund einer eigenen Studie davon aus, dass es im Moment etwa 300.000 KI-Experten weltweit in verschiedenen Unternehmen arbeiten und gut weitere 100.000 noch an Universitäten studieren.

Mit künstlicher Intelligenz zum Millionär

Zu diesen Experten gehören Absolventen ganz unterschiedlicher Bildungsgänge, etwa an Universitäten mit dem Abschluss zum Bachelor/Master of Science. Ganz dünn wird die Personaldecke, wenn es um KI-Experten mit Doktortitel (PhD) geht. Das kanadische KI-Startup Element AI hat Linkedin-Profile und wissenschaftliche Beiträge von PhDs durchsucht und dabei nach Begriffen im Zusammenhang mit Deep Learning, Neuronetzen sowie einzelnen KI-Technologien gesucht. Das Ergebnis: Nach 2015 haben etwa 22.000 Wissenschaftler eine entsprechende Promotion abgeschlossen. Wenn sich der Blick auf Abschlüsse vor 2015 richtet, steigt die Zahl auf immerhin 90.000.

Hier handelt es sich um einen wirklichen Fachkräftemangel und zumindest die US-Unternehmen greifen häufig bereits zum letzten Mittel: Exorbitante Gehälter. Sie zahlen einigermaßen erfahrenen KI-Entwicklern Jahresgehälter zwischen 300.000 und 500.000 Dollar, die allerdings zum Teil in Unternehmensanteilen ausgezahlt werden. Einige prominente KI-Experten sollen nach Informationen der New York Times über eine Vertragslaufzeit von 4-5 Jahren sogar zweistellige Millionensummen verdient haben.

Noch fantastischere Spitzengehälter bekommen Leute, die Erfahrung im Management von größeren KI-Projekten haben. So soll Anthony Lewandowski, Leiter der Google-Abteilung für autonomes Fahren, insgesamt 120 Millionen Dollar bekommen haben. Solche Summen wirken anziehend auf KI-Doktoranden: Sie brechen die Promotion ab, um im Silicon Valley reich zu werden. Auch Professoren sind nicht vor dem Lockruf des Goldes gefeit und wandern ab. Das allerdings könnte für die Ausbildung zum Problem werden. Ohne forschende und lehrende Wissenschaftler können auch keine Kurse zur Ausbildung von KI-Fachkräften mehr stattfinden - der Mangel verstärkt sich selbst.

Bildquelle: Thinkstock

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