Interaktive 3D-Karten: Interview mit Florian Siegert, 3D Realitymaps

Mit dem Smartphone auf Wanderschaft

Interview mit Prof. Dr. Florian Siegert, Geschäftsführer der 3D Realitymaps GmbH, über die Rolle von Apps mit fotorealis­tischen 3D-Karten für die Outdoor-Navigation sowie die Herausforderung bei der Entwicklung

  • „88 Prozent aller Urlauber reisen mit einem Smartphone und jeder zweite Urlauber lädt sich eine Reise-App herunter", berichtet Prof. Dr. Florian Sigert, Geschäftsführer der 3D Realitymaps GmbH.

  • Folgt man den Tracks der Tourenvorschläge, ist ein Verlaufen praktisch unmöglich.

Herr Dr. Siegert, welche Rolle spielen Applikationen heutzutage in der Tourismusbranche – und insbesondere im Alpentourismus?
Florian Siegert:
Anwendungen wie interaktive 3D-Karten im Internet und für Smartphones spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Auswahl des Urlaubsziels. „Digitaloffensive – WLAN, Apps und 3D-Karten erobern Skipisten“ stand kürzlich auf dem Titel des Magazins Futurezone. Der Internetnutzer möchte sich schnell und emotional ansprechend über das Angebot von Ferienregionen informieren. Er möchte Unterkünfte einfach direkt buchen, sein Sportprogramm planen und mit einer App aufzeichnen und Erlebnisse bei Freunden posten.

Was ist den Nutzern einer App für die -Outdoor-Navigation besonders wichtig?
Siegert:
Der Vorteil einer Smartphone-App mit georeferenzierter Karte liegt darin, dass der Nutzer mittels der GPS-Funktion immer seine aktuelle Position kennt. Im Vergleich zu Apps mit topografischen Karten wie z.B. Google Maps oder Open Street Map fällt die Orientierung und Navigation mit fotorealistischen 3D-Karten leicht, da die Landschaft wie in der Wirklichkeit auf dem Smartphone abgebildet ist. So macht die Outdoor-Navigation Spaß!

Wie kann die störungsfreie Nutzung solch einer App gewährleistet werden, wenn man beim Bergwandern beispielsweise in ein „Funkloch“ gerät? Oftmals hat man doch in den Bergen keinen Empfang per Mobiltelefon ...
Siegert:
Dies ist absolut kein Problem, denn alle Regionskarten können für den Offlinebetrieb mittels WLAN von zuhause oder im Hotel einfach auf das Smartphone geladen werden. So ist die 3D-Karte immer verfügbar und – besonders wichtig – es fallen im Ausland keine Roaming-Gebühren an. Das GPS-Signal funktioniert auch ohne Mobilfunkverbindung.

Mit 3D Realitymaps steht den Wanderbegeisterten eine App mit interaktiven, fotorealistischen 3D-Karten aus hochauflösenden Luftbildern für die Outdoor-Navigation zur Verfügung. Wie gestaltete sich die Entwicklung der Applikation und wie viel Zeit nahm sie in Anspruch?
Siegert:
Das Verfahren, aus Luftbildern sehr hochauflösende 3D-Höhenmodelle zu berechnen, stammt ursprünglich aus der Weltraumtechnik. Wir haben in den letzten sechs Jahren eine Server-Client-Software entwickelt, die es möglich macht, Luftbilder und 3D-Höhenkarten übereinanderzulegen und effizient über das Internet zu streamen, um so Landschaften fast naturgetreu auf Smartphones darzustellen. Aber auch die Erfassung der Geodaten und der Toureninfos mit Fotos und Beschreibungen ist sehr aufwendig und beschäftigt mittlerweile 15 Mitarbeiter.

Welche Herausforderungen und Probleme gab es bei der Entwicklung zu bewältigen?
Siegert:
Die Herausforderung bestand vor allem darin, dass sich die 3D-Karte intuitiv und einfach nutzen lässt. Unser Ziel ist, dass die App die klassischen topografischen Papierkarten ersetzt. So stellt sich z.B. die Kamera immer hinter die eigene Position und blickt in die Bewegungsrichtung. Da die eigene Position im 3D-Luftbild angezeigt wird, fällt die Orientierung leicht. Folgt man den Tracks der Tourenvorschläge, ist ein Verlaufen praktisch unmöglich. Auch über eine Darstellung der Umgebungsinformation haben wir uns Gedanken gemacht: Da alle Berggipfel, Hütten, Almen, Seen und Ortschaften geografisch lagegenau beschriftet sind, weiß der Nutzer immer, wo er sich befindet und was in der Nähe liegt.

Warum ist das Applikationsangebot nicht nur für Endnutzer, sondern auch für Tourismusregionen als Anwender interessant?
Siegert:
Das Smartphone ist zu einem wichtigen Teil der Reiseausrüstung geworden. 88 Prozent aller Urlauber reisen mit einem Smartphone und jeder zweite Urlauber lädt sich eine Reise-App herunter. Tourismusverbände haben jetzt die Möglichkeit, ihr Angebot besser zu präsentieren. Das reicht von der Urlaubsplanung am PC über Live-Informationen am Smartphone bis hin zur Verknüpfung von Web und App. Als einziger Anbieter haben wir fotorealistische Kartenlösungen auch für den Wintertourismus. Per Webbrowser können sich Interessierte auf dem interaktiven Pistenplan einen Überblick über das Skigebiet, seine Hotels, Lifte und Pisten verschaffen.

Welche Regionen nutzen bereits die 3D-Anwendung?
Siegert:
In den Alpen präsentieren sich bereits bekannte Destinationen mit einer fotorealistischen 3D-Karte. Dazu gehören die beiden größten Skiverbünde in Österreich und Italien, Ski Amadé und Dolomiti Superski, sowie Ferienregionen wie Alta Badia oder das Meraner Land. Die Ski-WM 2013 in Schladming hat als erster Kunde die Besucher mit einer 3D-Karte in ihrer App über das Sport-event des Jahres informiert.

 

Bildquelle: 3D Realitymaps

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