Aus dem alten Trend „E-Commerce“ wird „A-Commerce“ – Avatar-basierter Handel. Experten erwarten, dass das Retailverse den Handel verändern wird.
Das nächste große Ding ist eine Verbindung der digitalen mit der echten Welt, Online- mit Offline-Shopping kombinieren. Erste Marken und Unternehmen wagen bereits erste Schritte im Metaverse. Der nächste Schritt muss jetzt das Retailverse sein.
Viele Marken, darunter Adidas als eine der führenden Kleidungsmarken, erforschen die Möglichkeiten des Metaversums. Doch dies bedeutet keineswegs, dass sie den physischen Einzelhandel aufgeben. Stattdessen werden innovative Technologien genutzt, um reale Erlebnisse zu verbessern und Herausforderungen zu bewältigen. So kooperieren bekannte Marken in digitalen Räumen, um ihre Markenbekanntheit zu steigern und die Bindung ihrer Kunden zu stärken.
Gucci und Roblox haben gemeinsam das Gucci Garden Project gestartet, bei dem Nutzer für zwei Wochen einen virtuellen Garten erkunden konnten. Dabei wurde zeitgleich zur Enthüllung einer Ausstellung in Florenz ein interaktives Erlebnis geschaffen, bei dem Besucher als neutrale Schaufensterpuppen durch thematische Räume wanderten, die durch verschiedene Gucci-Kampagnen inspiriert wurden. Die Schaufensterpuppen sammelten dabei Elemente der Ausstellung und kreierten am Ende der Reise einzigartige Modeartikel. Das Erlebnis bot personalisierte Texturen und Muster für jede einzelne Schaufensterpuppe. Die Besucher konnten exklusive Avatar-Items kaufen, die von den gezeigten Ausstellungsstücken in Florenz inspiriert waren.
Wenn man nun dieses virtuelle Erlebnis mit der echten Welt und dem Handel verknüpft, dann sind wir im Retailverse. Doch wie garantieren wir, dass die Kleidung nicht nur der neutralen Schaufensterpuppe passt? Die Antwort darauf ist ein lebensechter Avatar. Durch Einsatz von Body-Scanning-Technologien kann in kürzester Zeit ein digitaler Zwilling erstellt werden, der Aussehen und Körpermaße mit dem Original teilt.
3D-Körperscan-Technologien stellen eine vielversprechende Lösung dar, die das Einkaufserlebnis sowohl für Kunden als auch für Einzelhändler deutlich verbessern kann. Durch die hohe Mobilität dieser Technologien kann man sie nahtlos in Geschäfte integrieren, ähnlich wie Anprobekabinen. Dadurch können Kunden innerhalb weniger Minuten ihren eigenen digitalen Zwilling erstellen und ein neues einzigartiges Einkaufserlebnis im Geschäft genießen.
Der digitale Zwilling erschafft ein komplett neues Verständnis vom Einkaufen, das virtuelle und reale Welt verbindet. Aus dem alten Trend „E-Commerce“ wird „A-Commerce“ – Avatar-basierter Handel. Der digitale Zwilling kann Kleidung Probe tragen, Make-up ausprobieren, Schmuck testen und vieles mehr.
Dank einer präzisen Repräsentation über den Avatar können Kunden die passenden Produkte finden, sowohl optisch als auch mit Blick auf die richtige Größe. Das erhöht die Zufriedenheit, während gleichzeitig die Retouren reduziert werden – was dem Handel sowohl CO₂ als auch bares Geld spart.
Daneben kann auch die Auswahl neuer Kleidungsstücke sowohl Online als auch im stationären Handel so viel schneller gehen. Der Schnitt und das Tragegefühl gefallen, aber die Farbe passt doch nicht zum Teint? Dann ließe sich noch in der Umkleidekabine mithilfe des Avatars virtuell die Farbe wechseln. Neues Kleidungsstück suchen, vor der Umkleidekabine warten und nochmals umziehen entfallen. Auf diese Weise wird der Avatar zum Bindeglied zwischen Online und Offline – oder eben zum Dreh- und Angelpunkt des Retailverse.
Daneben öffnet A-Commerce auch die Tür zu einem immensen Datenschatz. Wer weiß, wie die Durchschnittsmaße wirklich sind, kann beispielsweise Mode noch präziser entwerfen und herstellen. Sogar maßgeschneiderte Kleidung, ohne zusätzliche Messung, wäre so schnell und einfach möglich. Auf diese Weise können die Daten der Avatare dazu beitragen, die Präferenzen der eigenen Kunden noch besser zu verstehen und in der Produktentwicklung einzusetzen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Online-Ausgabe 3-4/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo der Print-Ausgabe.
Das Retailverse wird den Handel verändern. Unternehmen und Marken, die diese neue Möglichkeit frühzeitig erkennen, erschaffen ein völlig neues Einkaufserlebnis. Doch das wird nur gelingen, wenn die echte Welt und die virtuelle gut miteinander interagieren – mit A-Commerce als Schlüssel.
Bildquelle: NeXR / H&M